Exit Music
Dobet Gnahoré, Kareyece Fotso, Manou Gallo, 10.3.2013
Dobet Gnahoré, Kareyece Fotso, Manou Gallo, 10.3.2013

Dobet Gnahoré, Kareyece Fotso, Manou Gallo, 10.3.2013

Erstellt am: 14.03.2013
Autor:
Erstellt am: 14.03.2013   Autor:

Konzerte

Nimm drei, bezahle eine – die Reihe „Acoustic Africa“ ist eine gute Marketingidee, die drei westafrikanische Popmusikerinnen auf die Bühne bringt.

Es geht schon hinter der Bühne los: Bereits im Off beginnend, spazieren Dobet Gnahoré, Kareyece Fotso und Manou Gallo – wiedrei Frauen auf dem Weg zur Feldarbeit – singend auf die Bühne. Es ist die erste Demonstration von zwei grossartigen Stimmen. Die Sängerinnen Dobet Gnahoré und Kareyece Fotso stehen zu Recht im Rampenlicht, während die Bassistin und Gelegenheitsvokalistin Manou Gallo überwiegend im Hintergrund bleibt.

Es sind drei völlig unterschiedliche
Charaktere, die sich auf der Bühne treffen. Kareyece Fotso gibt die Diva
mit künstlichem Lächeln und Hochsteckfrisur, die exaltierte Dobet
Gnahoré wirbelt wie ein wild gewordener Dschinn über die Bühne, und die
energische Manou Gallo wirkt wie die moderne energische Geschäftsfrau im
europäischen Stil. Diese unterschiedlichen Charaktere scheinen Vielfalt
zu versprechen, die im Konzert allerdings nicht durchweg geboten wird.
Aber man kann sich an den unterschiedlichen Temperamenten auch während
der wenigen, eher gleichförmig-flotten Passagen erfreuen.

Angetrieben
wird die Musik der drei Frauen von einem exzellenten Balafon-Spieler,
einem gediegenen Schlagzeuger und einem Rhythmusgitarristen,
der sich seiner Aufgabe als Solist nur mässig gewachsen zeigt. Besonders
eindrücklich gerät „Mayole“, eines der beiden ruhigsten Stücke des
Abends, zu denen sich Kareyece Fotso mit einer simpel gezupften Gitarre
begleitet. Nach einigen Strophen steigen ihre Mitmusiker ein und treiben
das melancholische Lied über Naturzerstörung bis zur kontrollierten
Ekstase – und aus der lächelnden Diva wird eine entrückte Schamanin, die
völlig in der mitreissenden Musik aufgeht.

Obwohl Manou Gallo
als Bassistin meist im Hintergrund bleibt, trägt sie massgeblich zur
Abwechslung bei: Dass sie aus live eingespielten Tönen Loops macht und
diese übereinander schichtet, ist an sich nicht neu. Doch sie bastelt
sich ihre eigenen Ein-Ton-Flöten. Dafür leert sie Mini-Schnapsflaschen
so lange Schluck um Schluck, bis die Tonhöhe stimmt. Ihre Human Beatbox
macht das verblüffende Klangwerk komplett. Sie verweist damit auch
darauf, dass zeitgenössische afrikanische Musik längst mehr ist als die
Grammy-verdächtige Mischung aus traditioneller Musik mit Pop, sondern
dass von Abidjan bis Yaoundé alle Spielarten der Musik gepflegt werden,
die nicht beinahe zwangsläufig Assoziationen rückständiger
Agrarwirtschaft wecken. Nur dass diese Musik fast ausschliesslich für
heimisches Publikum gespielt und produziert wird. Dafür ist das
Afropop-Angebot schon längst so gross, dass man daraus auch Multipacks
schnüren kann.