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Crossfaith, 30.10.2014
Crossfaith, 30.10.2014
Erstellt am: 07.11.2014   Autor:
07.11.2014 – Autor: Chris Döbeli

Konzerte

Crossfaith, 30.10.2014 – Klub Komplex 457, Zürich

Crossfaith aus Osaka, Japan sind zurzeit auf Welttournee mit ihrem dritten Album Apocalyze und machten Halt im Zürcher Komplex 457. Ich war mit dabei und (üb)erlebte das Spektakel. 

Die Tourdaten für Amerika und Kanada mussten leider wegen eines Leidens des Gitarristen schmerzlich abgesagt werden und so war es mehr oder weniger unklar, ob die Japaner es in die Schweiz schafften. Als ich das Crossfaith-Transparent nach der 2. Vorgruppe zu Gesicht bekam, war mir klar, was geschlagen hatte. Die Rockstars aus dem 21. Jahrhundert würden in einer der notorischsten Konzerthallen der Schweiz auftreten. Die einen mögen den Klub im Komplex 457, die anderen gar nicht. Dann gibt es noch solche, die dem Klub immer wieder von neuem eine Chance geben, und je nachdem enttäuscht oder zufriedengestellt werden. Diesmal wars zufriedenstellend. Glück gehabt, bin schon gespannt aufs nächste Mal.

Frontmann und Zugpferd Kenta Koie ist für mich der Inbegriff eines neuzeitlichen Rockstars, eben ein Rockstar aus dem 21. Jahrhundert. Denn er vereint die alten Rockstarlaster wie Drogen, Frauen und Radau mit der Musik von morgen. Alkoholexzesse und synthetische Drogen sind für Crossfaith kein Tabu. Es ist bekannt, dass sie öfters mal einen über den Durst trinken und sich dabei auch die Nase pudern. Dabei wahrscheinlich rhythmisch zu ihrem Erfolgssong „Jägerbomb“ wippen. Wer weiss. Solange sie auftreten und eine Show abliefern, die man so schnell nicht vergisst, soll’s mir gleich sein.

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Crossfaith im Komplex 457

Zum Auftakt nahm Tamano Terufumi dann auch als erstes einen kräftigen Schluck aus einer Jack Daniel’s Flasche. Ist doch klar. Nebst der masslosen Selbstverliebtheit, der kräftigen Portion Eitelkeit und den top gestylten Frisuren, war da auch noch Musik zu hören, man kanns fast nicht glauben. Aber diese Musik hatte es in sich. Das Ganze begann mit Dubstep und Trance, relativ harmlos. Das zu vereinen mit Schlagzeugvirtuose Tatsuya Amano und dem Gesang/Scream von Kenta Koie, war dann schon eher eine üppige Mahlzeit Metalcore. Die Menge (genauer: zahllose Kids zwischen 15 und 18 Jahren) schien diese Portion genüsslich zu vertilgen.

Crossfaith spielte viele neue Stücke vom Album „Apocalyze“, darunter auch „Eclipse“, was eine Art Neuauflage von „Invaders Must Die“ von The Prodigy ist, sowie Erfolgshits wie „Photosphere“ oder „Monolith“. Spätestens nach „Monolith“ bewegte sich jede Nase in diesem Klub auf und ab. Einzelne mussten sich nach einer Weile aus dem Gemenge befreien, um sich wieder zu sammeln, bevor sie sich zwei Minuten später wieder ins Getummel stürzten.

Die Japaner liessen es richtig krachen: Ein Feuerwerk an elektronischen Klängen, schnelle, laute Breakdowns inklusive. Rockstar Kenta Koie bei seiner Arbeit zuzusehen, ein Genuss. Die unzähligen seltsamen Besucher zu sehen, ebenfalls.