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Bright Eyes – 05.03.05
Bright Eyes – 05.03.05

Bright Eyes – 05.03.05

Erstellt am: 01.04.2005
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Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Konzerte

Tieftraurig und atemberaubend schön

Bright Eyes beehrten auf ihrer „I’m Wide Awake, It’s Morning“-Tour die Rote Fabrik in Zürich – ein unvergleichlich zerrüttelndes Erlebnis, das mich sprachlos zurück liess.Naja, Bright Eyes und Rilo Kiley – jeder dieser Acts wäre allein schon einen Konzertbesuch wert – zusammen, an einem Abend, das ist schon ein starkes Stück. Zum Glück habe ich meine Stimme wiedergefunden, um unseren Lesern von diesem äusserst inspirierenden Konzert zu berichten, auf das ich mich schon Wochen vor dem 5. März wie ein kleines Kind gefreut hatte.

Es begann dann auch alles wunderbar, Rilo Kiley eröffneten den Abend mit ihrem Ohrwurmknüller „It’s A Hit“ und trotz relativ geringem Bekanntheitsgrad vermochten die vier Kalifornier das Publikum für sich zu gewinnen und mit ihrem natürlichen Auftreten zu begeistern. Spontan wurde da das Programm geändert und „With Arms Outstreched“ gespielt, um dem Wunsch eines begeisterten Fans gerecht zu werden. Sängerin Jenny Lewis scheute sich denn auch nicht, ihre Bewunderin kurzerhand auf die Bühne zu bitten und den Song mit deren gesanglichen Unterstützung zu performen. Das brachte ihnen zahlreiche Sympathiepunkte und tosenden Applaus vom Publikum ein.
Und dann – Conor Oberst plus Entourage (darunter Mike Mogis, Nate Walcott und Maria Taylor) betraten die Bühne und begannen mit „At The Bottom Of Everything“ ihre Show. Sofort wurde klar, dass Bright Eyes auch live dieselbe Magie versprühen wie auf ihren Alben. Fein gewobene Klangteppiche über denen Conor Obersts emotionsgeladene Stimme schwebt – mit dem einzigen Unterschied, dass das Hörerlebnis durch Conor Obersts überwältigende Bühnenpräsenz um vieles intensiviert wurde. Anfänglich eher scheu und unsicher wirkend, wurde er im Verlauf des Konzerts immer aufgeschlossener und redseliger – was wohl auch mit der Einnahme gewisser Substanzen zu tun hatte. (Ich sage nur: das war sicher nicht Wasser, das er da aus seinem Becher getrunken hat.) Obwohl das normalerweise recht präzise und schöne Gitarrenspiel etwas unter Obersts Zustand litt, tat sein Alkoholkonsum seiner Performance keinen Abbruch. Es war klar, dass Oberst, der gar nicht so schmächtig ist, wie immer behauptet wird, alles her gab und seine Emotionen echt waren. Er riss das Publikum mit seinen furiosen Ausbrüchen (z.B. bei „Another Travelling Song“) zu Begeisterungsstürmen hin. Sehr berührend war auch seine Darbietung von „Lua“ – allein und nur mit einer Gitarre ausgestattet vor einen vollen Konzertsaal zu treten und seine Traurigkeit in solch überzeugender Weise auszudrücken, zeugt von Grösse. Obersts zerrüttelte emotionale Lage, die er durch seine Aussage „I know I am the person with the darkest heart of all the people present this evening“ nur zu deutlich machte, hat wohl nicht nur mir zu denken gegeben.
Das Publikum war hingerissen von der Darbietung der siebenköpfigen Bright Eyes-Tour-Band und forderte mit lautem Applaus und einem enthusiastischen „Happy Birthday“ für Nate Walcott eine Zugabe. Die kam und endete schliesslich in einer furiosen Version von „Road To Joy“, zu derem Schluss man fürchten musste, dass Oberst die Bühne kurz und klein schlagen würde.
Furios und verstörend, atemberaubend schön und tieftraurig wären wohl adäquate Worte, um den Auftritt von Bright Eyes zu beschreiben. Schlussendlich liess mich die Leistung der ganzen Band und Conor Obersts unglaublich tieftraurige Aura doch sprachlos zurück.

Links:

www.saddle-creek.com
www.rilokiley.com
www.rotefabrik.ch