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Baroness, 11.03.2016 – Mascotte, Zürich
Baroness, 11.03.2016 – Mascotte, Zürich

Baroness, 11.03.2016 – Mascotte, Zürich

Erstellt am: 14.03.2016
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Erstellt am: 14.03.2016   Autor:

Konzerte

Farbenlehre

An einem Baroness-Konzert im Zürcher Mascotte trifft so einiges aufeinander, was auf den ersten Blick nicht zwingend zusammenpasst. Baroness vereinen es mühelos.

Bühnenpräsenz. Natürlich weiss man seit jeher, wie wichtig sie sein kann. So sprach Michael Stipe einst davon, dass ein Frontmann eine Art spirituelle Ausstrahlung auf der Bühne haben muss, damit sich die Magie aufs Publikum überträgt (und das war überhaupt nicht religiös, esoterisch oder anderswie in diese Richtung gemeint). R.E.M. haben zwar nichts mit Baroness gemein, die Aussage von Stipe passt trotzdem zur Band aus Savannah, Georgia. Deren vier Mitglieder rund um das Kernduo John Baizley und Peter Adams kommen positiv geladen auf die Bühne und brechen aus, was sofort Wirkung zeigt. Das Mascotte ist nun wirklich keine Metal-Location und die danach stattfindende Tanzparty führte zu einer frühen Ansetzung sowie einem frühen Ende des Konzerts – was die Band nicht unkommentiert stehen lässt. Aber die Stimmung ist dafür Klasse. Und das hat einerseits mit dem tollen Sound im Mascotte und andererseits natürlich mit der Band selbst zu tun. Der Balkon bietet nicht nur die Gelegenheit, einen freien Blick auf die Band zu erhaschen, sondern verhilft einem Crowdsurfer auch zu einer Kletterpartie, die selbst der Band ein Schmunzeln entlockt.

Baizley bleibt über das ganze Set hinweg ruhelos, tigert auf der Bühne umher. Baroness sind keine „klassische“ Metalband, Posen und Show brauchen sie nicht. Bassist Nick Jost wirkt mehr wie aus den 70ern gefallen und Schlagzeuger Sebastian Thomson ist die Ruhe selbst – konzentriert bringt er jeden Part auf den Punkt, und nicht jeder davon ist einfach. Das Publikum ist denn auch bunt gemischt mit Fans verschiedenster Genres. Besonders das neue Album „Purple“ und dessen Vorgänger „Yellow & Green“ bilden den Hauptteil des Sets. Die Farben „Red“ und „Blue“ werden kaum berücksichtigt. Immerhin aber das mitreissende „Isak“, das entsprechend gefeiert wird. Baroness bleiben nicht nur technisch einwandfrei, auch Seele und Leidenschaft fehlen nicht. Nehmen sich Baizley und Adams mal für einen Moment zurück, vermisst man plötzlich den Schub. In diesen Situationen merkt man, dass auf „Yellow & Green“ nicht jeder Song ein Hit ist. Müsste man also einen Kritikpunkt anbringen, und das wäre dann wirklich der einzige, hätte man sich mehr Ausgewogenheit über die vier Alben hinweg gewünscht. Aber vielleicht ist dies tatsächlich auch der kurzen Spielzeit geschuldet. Dass die meisten Songs von „Purple“ ins Set finden, ist wiederum völlig logisch. Wenn man also Baroness an diesem Märzabend zum ersten Mal sieht und „Purple“ zu seinem Lieblingsalbum erklärt hat, fühlt man sich in diesem stimmungsvollen Rahmen wunderbar aufgehoben.