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Agent Fresco, 06.12.2015 – Kinski Club, Zürich
Agent Fresco, 06.12.2015 – Kinski Club, Zürich

Agent Fresco, 06.12.2015 – Kinski Club, Zürich

Erstellt am: 07.12.2015
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Erstellt am: 07.12.2015   Autor:

Konzerte

Ansteckend

Agent Fresco kamen mit zwei Alben im Gepäck in den Kinski Club und reisen aus Zürich ab, nicht ohne ihre Spuren zu hinterlassen.

Arnór Dan Arnarson macht das sehr gut. Mit Humor, Charme und isländischem Akzent füllt er die Pausen aus. Mit emotionalen Ansagen über den Tod seines Vaters stellt er manche Songs vor, die zweifelsohne im Zeichen von Familie und Verlust eines lieben Menschen stehen. Aber auch ein brutaler Strassenüberfall hat den Sänger verständlicherweise tief getroffen. Agent Fresco schaffen es spielend, alle diese verschiedenen Emotionen mitsamt ihren brillanten Fähigkeiten in Songs zu packen, die kaum je länger an einem Ort verweilen. Und trotzdem verlieren sich Agent Fresco nicht darin, ersticken sie nicht in technischen Fingerübungen. Bestes Beispiel und mit Sicherheit einer der Höhepunkte an diesem Abend: „A Long Time Listening“. Das melodie- und textsichere Publikum übernimmt den Chor: „Skylines/ Drew lines/ Under my eyes/ How the chime came quickly“. Es zaubert vielen ein Lächeln aufs Gesicht. Agent Fresco sind in jeder Hinsicht ansteckend. Sänger Anarson mit seinem Charisma, die anderen Bandmitglieder mit ihren Bewegungen, Gesten und ihrer Mimik. So viel Energie und Spielfreude und eigentlich kaum ein Fehler.

So stehen an diesem Abend poppige Herzensnummern wie „Wait For Me“ Prog-/Mathrock-Grosstaten wie „See Hell“ und dem anschliessenden Hardcore-Ausflug „Angst“ gegenüber. Zum Tanzen ist schliesslich niemand gekommen, an dieses letzte Konzert im Zürcher Kinski Club, der Ende Jahr dicht macht. Wie nahe man hier einer Band wie Agent Fresco kommen kann und wie nahbar sie selber sind, erinnert einen schnell daran, dass dies vielleicht auch mal ändern wird. Agent Fresco stammen aus Reykjavík und machen sich auf, von dort aus Europa zu erobern. Es wäre keine Überraschung, wenn die einmal durch die Decke gehen. Vor dem Konzert sitzen die Isländer aber vorerst noch unter sich im nächst gelegenen Take Away. Nach dem Auftritt mischt sich Arnarson unters Volk und lässt sich mit Fans fotografieren. Nach einem heissen, intensiven und emotionalen Ritt, bei dem es für einmal mehr Nebel im Club hatte als draussen, so dass der Sänger den Rand der Bühne nicht mehr sah. Die Grenze zwischen Band und Publikum verschwimmt. So etwas muss man geniessen – und scheinbar tun es beide Seiten gleichermassen.