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Things The Grandchildren Should Know: Eels
Things The Grandchildren Should Know: Eels
Erstellt am: 21.01.2010   Autor:
21.01.2010 – Autor: Michael Messerli

Specials

Things The Grandchildren Should Know: Eels

Seit dem Tag, an dem Mark Oliver Everett (man nennt ihn auch E) seine Autobiographie „Things The Grandchildren Should Know“ veröffentlichte, hat dieser grundsympathische Kauz einen Blankoschein. Die Musik hat sein Leben gerettet. Man kann nicht genug würdigen, was dieser Mann erkämpft hat. Sein Werk ist grossartig und wir wollen einmal versuchen, es zu beleuchten. Wer mehr Details über die Entstehung seiner Alben und seiner Musik wissen möchte, dem sei die oben erwähnte Literatur wärmstens empfohlen. Aber nicht nur deswegen.

 


► Beautiful Freak (1996)

Der Titel des Albums passt zu der Aussage von E, in der Regel auf verrückte Frauen zu stehen. Im Video zu „Novocaine for the Soul“, das auf MTV Dauerrotation genoss, heben die Eels ab. Der Durchbruch war eigentlich keiner, weil E später immer wieder für seine Musik kämpfen musste. „Beautiful Freak“ steht klanglich für sich alleine, wenn man die weitere Entwicklung der Eels betrachtet. Wer ihnen vorwirft, den immer gleichen Song zu schreiben, der hat nie richtig hingehört. Songs wie „Mental“, „Not Ready Yet“ und „Rags to Rags“ schafften es sogar, dem bereits kränkelnden Grunge den Schneid abzukaufen. Auch wenn das ganz bestimmt nicht die Absicht war.

Unsere Wertung: 7.5/10  |  Anspieltipps: Novocaine for the Soul, Rags to Rags, Guest List



► Electro-Shock Blues (1998)

Die Schwester von E beging Selbstmord und bei seiner Mutter wurde Krebs diagnostiziert. Es ist unglaublich, wie oft dieser Mann in seinem Leben mit dem Tod konfrontiert wurde. Freunde und Familie, alle starben sie ihm weg. Das ist herzzerreissend, genauso wie diese wunderschöne, vor intimen Ideen nur so strotzenden Platte, welche keinen kommerziellen Ansprüchen genügen konnte. Zum Glück. Neben dieser so ehrlichen und offenen Auseinandersetzung mit dem Tod, Spitalaufenthalten sowie Begräbnissen, schwingt manchmal sogar etwas Selbstironie mit: „Life is funny/ But not ha ha funny“. E ist nicht okay – und doch gibt es ein Licht am Ende des Spitalganges: „And I was thinkin‘ bout how/ Everyone is dying/ And maybe it’s time to live“. Mit einem Bein auf der Leiter zum Mond.

Unsere Wertung: 9.0/10  |  Anspieltipps: Climbing to the Moon, P.S. You Rock My World, Efils’  God



► Daisies of the Galaxy (2000)

Ein wenig unscheinbar kommt “Daisies of the Galaxy” daher. Der Trauerkloss entknotet sich immer wieder mit ironischen Nummern wie „Tiger in My Tank“. George W. Bush setzte diese Platte auf den persönlichen Index, wegen der offenbar irreführenden Idylle auf dem Cover und dem Song „It’s a Motherfucker“. Der Song hätte auch an ihn adressiert gewesen sein können, um es mal schnörkellos zu sagen. “Mr. E’s Beautiful Blues“ landete gegen den Willen von Everett als Bonus Track auf der Platte und wurde für den Quatschfilm „Road Trip“ fehlverwendet.

Unsere Wertung: 6.5/10  |  Anspieltipps: Packing Blankets, Daisies of the Galaxy, Tiger in My Tank



► Souljacker (2001)

„Souljacker“ hatte einen schlechten Start. In Grossbritannien kam es 2001 und in den USA 2002 heraus. Dieser Umstand alleine spricht Bände, wie es Everett bei den verschiedenen Labels ergangen sein muss. Immer wieder missverstanden und abgeschoben. Trotzdem zog er sein Ding durch, machte nur, was ihm richtig erschien. Plötzlich kamen gar Vorwürfe von Fans, weil die Eels plötzlich nicht mehr klangen wie früher. Wieso sollte man dies von einem Künstler erwarten? Langsam entwickelte Everett ein gewisses Selbstbewusstsein im Umgang mit seiner Musik. Er hat es sich hart erarbeitet und es zahlt sich aus: „Souljacker“ ist direkter, rauer und rockiger. Koool G Murder sowie John Parish sind mit von der Partie und zusammen gelingen ihnen Höhepunkte wie „Fresh Feeling“ oder den stimmungsvollen Roadsong „Woman Driving, Man Sleeping“. Aber noch immer ist E unsicher, wohin es mit ihm geht: „White lines shooting by/ On the pavement like the sky/ Looking straight ahead into the black“.
Unsere Wertung: 7.0/10  |  Anspieltipps: Fresh Feeling, Woman Driving, Man Sleeping, World of Shit



► Shootenanny! (2003)

Der Schnellschuss in der Karriere von E. Und was für einer! Die warme, reduzierte und hervorragende Produktion dieses Rockalbums kitzelt eine neue Facette der Eels heraus. Und doch wird wieder einmal klar, wie sehr das Leben an der Existenz von E nagt. War „Electro-Shock Blues“ all denen gewidmet, die E wegstarben, befasst er sich auf „Shootenanny!“ subtil mit dem eigenen Tod. Die Tage sind gezählt und es sind „Rock Hard Times“. Der einsame Wolf, er kämpft mit der Qual des Lebens. Auf diesem Album verschwindet das sowieso sehr seltene Augenzwinkern gänzlich. Am Schluss glaubt Everett dennoch wieder an das Gute („Somebody Loves You“).
Unsere Wertung: 9.0/10  |  Anspieltipps: Dirty Girl, All in a Day’s Work, Fashion Awards



► Blinking Lights and Other Revelations (2005)

Dieses Album war eine schwere Geburt, diesmal nicht unbedingt wegen Widerständen beim Label, sondern weil E eine Pause einlegen musste. In dieser entstand obengenanntes „Shootenanny!“. Dafür würden andere Musiker wohl töten. „Blinking Lights And Other Revelations“ wurde ein monumentales Meisterwerk, auf dem E vieles aus seiner Jugend und Kindheit verarbeitet und das in seiner Fülle natürlich Längen hat. Doppelalben sind immer etwas heikel, dieses hier ist es aber nicht. Dasselbe gilt für Autobiographien. Langsam lässt sich also bei diesem Mann ein Muster erkennen: In der Regel macht er alles richtig. Der Rahmen ist an dieser Stelle zu klein, um alles zu erwähnen, was man in Bezug auf dieses Album schreiben müsste. E scheint aber trotz oder gerade wegen seines „Suicide Life“ zu wissen, was leben wirklich heisst: „Do you know what it’s like to fall on the floor/ And cry your guts out ´til you got no more/ Hey man, now you’re really living“. Für alles andere müssen die Anspieltipps vorerst reichen.

Unsere Wertung: 9.0/10  |  Anspieltipps: If You See Natalie, Whatever Happened to Soy Bomb, Losing Streak, the Stars Shine in the Sky Tonight, Blinking Lights (For Me), Suicide Life




► Hombre Lobo (2009)

Seit der Rezension zu „Hombre Lobo“ ist nur wenig Zeit vergangen. Zu wenig, um dieses Album auf neue Weise in den Gesamtkontext zu stellen. Zu betonen bleibt, dass sich E inhaltlich etwas mehr von sich selber distanzierte und musikalisch reduzierte. Und dass die Platte nach einer Weile etwas an Spannung verliert, sich aber trotzdem nahtlos in das Schaffen der Eels einfügt.

Unsere Wertung: 6.0/10  |  Anspieltipps: The Longing,  Fresh Blood, My Timing Is Off