Exit Music
Mute Math – Dto.
Mute Math – Dto.

Mute Math – Dto.

Erstellt am: 21.07.2007
Autor:
Erstellt am: 21.07.2007   Autor:

Specials

1 Album – zwei Meinungen oder Mich vs.Son und wie fülle ich das
Sommerloch (das Füllen eines Loches scheint bei näherer Betrachtung
ziemlich unmöglich, Zustopfen ginge ja noch nach wie vor…).

Wer ist er, dieser Dave?

Musiker, Songwriter, Recording-Engineer und Produzent, eine Art Übermensch halt – nun ja, ein Überohr ganz sicher und Freund.

Einigen vielleicht noch besser bekannt bzw. in Erinnerung als Gitarrist der ehemaligen Zofinger Band „Bloom“ bzw. der später daraus hervorgegangenen „Whitewatertray“.

Zusammen mit Stefan Stammbach betreibt Dave Hofmann nun primär das Aufnahmestudio Somarecords in Strengelbach (www.somarecords.ch ).
Unterdessen zeichnet er mitverantwortlich für Produktionen von Bands wie „Nordstan“, „Pub La Bomba“, „Hellmute“, „Fugo“, „Serpentine“, „Leech“ und vielen mehr…


 

Genre: Sphärischer Pop-Rock  |  Label: Teleprompt (Warner)  |  Mich Wertung: 8.0/10  |  Dave Wertung: 9.0/10

Pathos als K.O.-Schlag des Emos? Oder doch alles beim Alten?

Hoch gelobt und hoch gepriesen, beinahe zeitlebens heilig gesprochen. Die vier schönen und selbstredend intellektuellen Sound-tüftler des Hochschulstudiengangs „Stillheit-Mathematik“ verdienen diese Art der prämortalen Salbung – zumindest streckenweise.

Michaels Meinung

1. Collapse
Nett und aber auch sexy, ein Album derart still und behände zu beginnen, als ob es Sigur Ros neu zu erfinden gäbe. Gute Atmosphäre, als Kurzeinleitung, die durchaus Lust auf mehr erzeugt. (4/5)

2. Typical
Einer von mindestens fünf durchaus sehr gelungenen Single-Hit-Songs. Das Rezept – zuweilen immer wieder ähnlich umgesetzt – bedient sich der Faszination von Hüpfgitarrenriffs gepaart mit vorpreschenden Drums, eingängigen Melodien und beruhigenden Strophenteilen zum Verschnaufen; verhaltener Rock oder rockiger Pop. (4.5/5)

3. After We Have Left Our Homes
Ähnlich wie Song Nr. 1. Ein sphärisches Kurzintermezzo, wessen Sinn sich mir nicht erschliesst – schon gar nicht an der Stelle des dritten Songs. (2/5)

4. Chaos
Der offensichtlichste Hit dieses Albums. Hätte ich wohl als erste Single – anstelle von „Typical“ – herausgebracht. Vielleicht würden Police heute ähnlich klingen, hätte sich Sting zuweilen nicht abgesetzt, um solo weiterzumusizieren. Wirklich toll dieser Track, frisch! (5/5)

5. Noticed
Ein Dämpfer. Zutaten sind Sting-Gesang, U2-Coldplay-Keane&Co.-Drumming sowie eine gute Portion Belanglosigkeit. Das ist Massenware und für den Belanglosradiosender produziert. Lässt mich kalt. (2.5/5)

6. Plan B
Dieser Song funktioniert z.B. auch nach Schema „Typical“, scheint jedoch nicht ganz die Güte des Vorbilds zu erreichen. Live dürfte der jedoch mit der anbiedernden laut und leise Dynamik zu den „Hüpf-Songs“ erster Güte gehören. Geht, muss aber nicht unbedingt sein. (1.5/5)

7. Stare At The Sun
Dieser Song verdeutlicht die Grenzen des „Home-Recordings“. Die Hall- und Echowände machen sich drauf und dran‘, sich gegenseitig zu bekämpfen, denn zu stützen. Dafür mal etwas ¾ zur Abwechslung. Ganz angenehme Ruhe, welche hier transportiert wird. Mute Math zeigt sich bisweilen wirklich sehr stilsicher, d.h. alle Facetten, welche sie zeigen, scheinen sie auch wirklich zu beherrschen. Die ist – neben dem subjektiven Gefallen/Nichtgefallen von einzelnen Songs – eine wirklich hohe Qualität dieser Band. (3.5/5)

8. Obsolete
Hammer! Ein mittels Frettlessbass, Piano, Vibratogitarre, natürlich genug Hall und Delay und als wohltuende Abwechslung lediglich mit Ah-, Uh- und Heya-Gesang überwiegend instrumental arrangierter Ambient-Track. Könnte der „Café Del Mar Vol. 7“ entstammen. Wunderschön. Selber hören! (5/5)

9. Break The Same
Voll auf die 12. Tolle Attacke. Schema bekannt – ihr wisst Bescheid. Gute Melodieführung und Dramatik – endlich mal etwas weniger Pathos, auch weniger Glaubensfragen? Who cares… (4.5/5)

10. You Are Mine
Zuckersüsse Ballade. Sehr wohlklingend arrangiert und gefühlvoll umgesetzt. Nette Textidee. Die Person des Herzens zur eigenen Obsession zu erklären, kann aber auch beengend wirken, nicht? Luft zum atmen, Erstickungsgefahr ob des Zuckerwerks, trotzdem schön, keuch. (4/5)

11. Control
Police? Jedenfalls das Intro klingt wie schon mal gehört. Strophe dann wieder in der typischen Mute Math-Manier. Sie sind gekommen um das Erbe von Police – verfeinert mit U2-, Coldplay- und Keane-Anleihen – anzutreten. Mute Math nur des Plagiats zu beschuldigen, würde der Band jedoch in keinster Weise gerecht; zu sehr interpretieren sie diese Art der Musik auch eigenständig, kreieren einen eigentlichen Mute Math-Mix. Die Herkunft scheint aber allenthalben deutlich klar. (3/5)

12. Picture
Okay, zugegebenermassen wird es langsam etwas zäh. Die Jungs haben den einen oder anderen Track zu viel auf die CD gepackt. Es ist – nicht absolut negativ gemeint – doch leicht anstrengend dieses Werk am Stück zu hören. Somit verliert dieser Song vielleicht auch nur dadurch Punkte, weil Erschöpfung Einzug hält? Ein Feiner und Netter, leicht zu lang geratener von nebenan, irgendwie; natürlich mit dem typischen britischen Pop-Drumming. Man hat’s langsam gehört. Warum scheint eigentlich die Sonne nicht so häufig? (2.5/5)

13. Stall Out
Wieder eher ein langsames Lied, jetzt kann/muss man wohl schon von „es harzt…“ sprechen! Gedacht zum Abgewöhnen? (1/5)

14. Reset
Der Name ist Programm. Lasst uns das Vermittelte besser wieder deleten (kennt jemand das Buch „Der Bibelcode“?). Ich will frei sein…Zumindest ansatzweise ein versöhnlicher Abschluss bei gesamthaft eher schwachem Ende. (2.5/5)


Fazit:
Obsolete ist fast nichts. Zu reseten gibt’s nicht wirklich viel. Die Kontrolle verlier‘ ich dann aber doch auch nicht bzw. bewahre mir 20% davon. Dave und ich scheinen über das Gleiche zu brechen (er zudem noch zusätzlich und in anderer Weise nach dem Konzert) und kommen ungefähr zum gleichen (Schulter)-Schluss. In der Tat, etwas mehr Chaos hätt’s vertragen können, doch bis zum Kollaps wär’s zu weit getrieben. Typisch, nachdem wir alle unsere Häuser verlassen haben, um in die Sonne zu starren, werden wir von Japanern gefötelet und gehören einander. Ich nehme jedoch nur Notiz davon und fahre Plan B. – Stall Out, ich verachte Dich!

Anspieltipps: Obsolete, Chaos, Break The Same

 

Daves Meinung

1. Collapse
„Collapse“ ist die musikalische Ouvertüre, die mit sphärischen Klängen Lust auf mehr machen soll. Kollabieren noch nicht erlaubt. (4/5)

2. Typical
„Typical“ macht den Anfang als erster „richtiger“ Song. Ein simples aber effektives Gitarrenintro eröffnet. Nach hörbarem Einzähler des Drummers steigt ebendieser mit einem furios vorgetragenen Drumgroove ein, bevor „die ganze Band“ den Refrain vorerst ohne Gesang zum Besten gibt. Reduzierte Strophe mit knackiger Bassline und eingängiger, schon hier etwas an den jungen Sting erinnernde Gesangslinie. Ansonsten klassisches Pop/Rock-Arrangement auf hohem Niveau. Ein Song, um das Bett zu verlassen. (4/5)

3. After We Have Left Our Homes
Wieder ein instrumentaler Track. Reverse Piano mit Eso-Chören. Naja, Kunst vielleicht? (2/5)

4. Chaos
„Chaos ist meiner Ansicht nach der beste Song auf dem Album. Popmusik „zweitausend“. Frischer Beat mit super „dubby“ Basslinie und wieder einer tollen „sting-a-like“ Gesangsmelodie bilden die Eckpfeiler der Strophe. Um den idiotischen Reigen neudeutscher Wörter zu komplettieren: Kommt fast schon etwas „clubby“ die Strophe. Der Refrain getreu dem Motto „etwas chaotisch mit guter Hookline und irgendwo entfernt aus dem Hall-Nirwana singenden Ahah-Engelschören“. Text konsultiert. Aha. Schön, könnte ja auch ’ne Frau sein. Oder nein, eher nicht… (5/5)

5. Noticed
„Noticed“ prägt vor allem die prägnante Hihat-Figur. Das Ganze hat so eine „Twin Peaks-Stimmung“ in der Strophe und öffnet sich mit der Bridge schön in einen klassischen Sechzehntel-Refrain mit einer schon fast zitierten (zumindest gesanglich) Sting-Gesangslinie „I Can’t Believe I Never Noticed My Heart Before“. Gefälliger Pop. (4/5)

6. Plan B
„Plan B“ kommt auch mit etwas Dancefloor-Groove und erinnert in den Grundzügen ein wenig an UNKLE. Leider nicht unbedingt an eines deren Meisterwerke. Durchschnittlich, aber nie zwingend. (3/5)

7. Stare At The Sun
„Stare At The Sun“ beginnt etwas psychedelischer. Delay Keys und Guits mit mittlerweile etabliertem Drumming. Diesmal kommt’s im 3/4 Takt und man möchte einhacken und sich in höhere Sphären schaukeln. Fast etwas zuviel Anspruch dann für mich. Ich mag da lieber was von Kelly Clarkson oder Avril Lavigne. Also zum Schaukeln. (3.5/5)

8. Obsolete
„Obsolete“ wird von einer groovigen fretless Basslinie eröffnet und könnte durchaus auf einer aktuellen „Jazzland“ Platte zu finden sein. Gewürzt mit etwas Tremologitarre da und Pianogeklimper dort ein ansprechender Loungetrack. Ich mag „Jazzland“. (4.5/5)

9. Break The Same
„Break The Same“ kommt in den Grundzutaten „the same as before“. Zwar total anders als „…And You Will Know Us By The Trail Of Dead“ aber etwas uminterpretiert, liesse sich Intro/Refrain zumindest musikalisch locker auch im „Trail Of-Gewand“ umsetzten. Will You Ever Smile Again, Mr. Rothen 😉 (4/5)

10. You Are Mine
„You Are Mine“ beginnt mal mit einer Abwechslung: Ride!!!! Herrlich schöne Chords vorgetragen mittels Rhodes und Gitarre. Eine Ballade mit Klasse, simplem Refrain (Text) und schöner Sphäre. Man(n) muss sich für etwas Gänsehaut keinesfalls genieren und für die Progressiven wäre auch die eine oder andere Träne angebracht. Werde das Gefühl nicht los, dass es hier wieder um den Zimmermann geht. Nicht Dylan; sondern um den aus Bethlehem. Egal. Ich fühle eine subtile Bekehrung. Gefahr? Chance? (5/5)

11. Control
„Control“ ist wieder ein relativ straighter Vertreter mutemathschen Schaffens. Klassisches big-time Powerpop-Songwriting. Mit etwas Fantasie könnte man dazu auch „Message In A Bottle“ spielen. Zumindest rhythmisch. Ein Plagiat ist es aber – und dies gilt für das ganze Album – in keiner Weise. Zu eigenständig, stilsicher und frisch ist der Mix aller Zutaten. Und frisch ist im Moment ansonsten leider zu oft nicht angebracht, wenn es um Neuheiten auf dem Rock/Pop-Markt geht. (4/5)

12. Picture
„Picture“ ist leider etwas unterdurchschnittlich geraten. Klingt mir irgendwie etwas zu britisch, was die Gitarren angeht. Problematisch ist natürlich auch, dass jetzt schon viele wirklich gute Songs vorhergingen und „Picture“ halt auch etwas einen schwierigen Stand hat als Nummer 12. Der arme Track. Mir hätte es wohl etwas konsequenter kitsch-poppig besser gefallen. (3/5)

13. Stall Out
Naja, „Stall Out“ ist jetzt nicht mehr wirklich zwingend. da die Trance bei mir leider nicht eingetreten ist, funktioniert der wohl auch nicht. Nun gut. (2/5)

14. Reset
Ich resete und beginne von vorne. An „I Always See You When My Side Is Lost“ muss ich noch arbeiten. Und ja, das Intro von „Reset“ erinnert mich an Radiohead. Mag das so – zum Ausplätschern. (3/5)

Fazit: Als Platte – bis auf die erwähnten Längen zum Schluss hin – wirklich ein überdurchschnittliches Werk. Ein (Album-)Debut mit solch einer Frische und durchwegs hohen Qualität hab‘ ich leider schon lange nicht mehr entdeckt… Poppige Rockmusik wie sie im Jahr 2007 (obwohl die Scheibe bereits im 2006 zumindest in USA released wurde) tönen sollte!

Anspieltipps: Chaos, You Are Mine, Break The Same

Seit 4. Mai 2007 im Handel.

Trackliste: 1) Collapse; 2) Typical; 3) After We Have Left Our Homes; 4) Chaos; 5) Noticed; 6) Plan B; 7) Stare At The Sun; 8) Obsolete; 9) Break The Same; 10) You Are Mine; 11) Control; 12) Picture; 13) Stall Out; 14) Reset
similar artists:
Police, Sting, U2, Coldplay


> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Erstanden oder besser gesagt, auferstanden aus dem Staub der Familiengarage. Radios, Samplers, billige Mikrophone und halb-kaputte Bandgeräte: Mute Math haben ihre lauten Noten über die Jahre – von Klein auf – zusammen durchkalkuliert. Dieses Elektro-Alternative-Projekt basiert auf der langjährigen Freundschaft zwischen Paul Meany (Voc/Keys), Darren King (Drums), Greg Hill (Guitar) und Roy Mitchell-Cardenas (Bass). Non-Stop Touring, und unzählige Videoblogs haben der Band bis zum heutigen Tage bereits eine ansehnliche Fangemeinde – verteilt über den gesamten Globus – beschert.
Der Vierer von New Orleans vereint Einflüsse, welche hörbar aber nicht zwingend beabsichtigt sind. Es gibt ein wenig von Allem: DJ Shadow-ähnliche Beats, grosse und schöne Momente à la Björk und Gesang der Police-Ära (Sting). Doch befragt man die Band bzgl. des unglaublichen Einfluss- und Stilmixes, so erhält man die Antwort, dass sich Mute Math schlicht auf die Rockmusik der vergangenen 40 Jahre berufen und lediglich dies als Einfluss gelten lassen. Die Magie der Mute Math-Musik liegt gerade eben in diesem eigenständigen Mix.

Mute Math
Diskographie:
> Reset [EP] (2004)
> Mute Math (2007)


 

Impressionen vom Konzert im Abart, Zürich

Leidenschaft und und ein bisschen JEKAMI.
Die aufstrebende amerikanische Prog-Pop-Rock-Band Mute Math spielte am 28. Juni 2007 im Abart vor gut gefüllten Rängen ein Konzert der besonderen Art. Überzeugt hat die Gruppe ganz einfach mit ihren live um einiges besser wirkenden Songs sowie ihrer aufrichtigen und leidenschaftlichen Versessenheit beim Spiel. Allesamt sind sie Vorzeigemusiker, die – im Gegensatz zu vielen ihresgleichen – eben wissen und spüren, wie Talent in die Praxis umzusetzen ist. Ich für mich habe mich während des ganzen Sets ob der Schlagkräftigkeit und dem facettenreichen Gebärden des Drummers ergötzt.
Einziger Wermutstropfen: Die „Chom mer tüend jetzt alli e chli trömmele und ich – de Johnny Geilo himself – mach‘ no en Handstand of em Keyboard“-Session hätt’s nicht gebraucht.

Obwohl nicht ganz absolut meine Musikrichtung: Ein wahnsinnig gutes Konzert und damit absehbar, dass das nächstes Mal wohl bereits im grösseren Rahmen stattfinden wird!?
Memo von Dave
Meine Liveimpressionen: HB Taxi. 20 Bucks. Arschloch Taxi-Mann. Aha, noch Vorgruppe. Ui, langweillig. Zuviel Guarana und Kaffee heute. Mmh. So, hoppla. Gin Tonic. Ah, hallo miteinander. Gin Tonic. Showtime. Gin Tonic. Jawohl. Gin Tonic. Weg mit dem Hemd. Gin Tonic. Dancing. Gin Tonic. Wunderbar. Fertig. Giftfisch-Taxi. Würenlos. Lage(noch)  stabil. Zofingen. Game Over. Katharsis.