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Länderkunde: Südafrika (Teil 1: Kapstadt)
Länderkunde: Südafrika (Teil 1: Kapstadt)

Länderkunde: Südafrika (Teil 1: Kapstadt)

Erstellt am: 26.06.2009
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Erstellt am: 26.06.2009   Autor:

Specials

Music is the salvation of my people (Nelson Mandela)

15 Jahre nach dem Ende der Apartheid zeigen sich die neu gewonnenen Freiheiten wohl nirgends so eindrücklich wie in der südafrikanischen Musik. Die Vielfalt, welches das Land sowohl in geografischer als auch kultureller Hinsicht auszeichnet hat nicht vor seiner Musiklandschaft halt gemacht.

 

Im Jahr 2009 hat das neue Suedafrika noch immer mit den Erben des einstigen Systems zu kämpfen. Stacheldrähte säumen die meterhohen Mauern, welche die Häuser der Bessergestellten vor ungebetenen Eindringlingen schützen, Rassendenken ist omnipräsent und Aids und Korruption gehören zu den grossen gesellschaftlichen Herausforderungen. Doch wer glaubt, dass die Südafrikaner – einmal abgesehen von denjenigen, welche der alten Ordnung hinterhertrauern – deswegen Trübsal blasen, liegt falsch. Musik ist allgegenwaertig. Die Leute singen und tanzen sich die Sorgen vom Leib und am Kap hat sich eine bunte Musik- und Clubszene entwickelt, die  jegliche Grenzen überschreitet.

In Europa wird Südafrika in erster Linie mit Afrobeat, Jazz oder Kwaito, die südafrikanische Variante von House, assoziiert. Doch das Land am Kap hat wesentlich mehr zu bieten als es auf den ersten Blick scheint. Von den am amerikanischen Markt orientierten, weissen englischsprachigen Rockbands über traditionelle schwarzafrikanische Musik, den an deutschem Schlager angelehnten Afrikaans-Pop bis hin zu den Elektro- und House-DJs, die die Tanzflächen der Städte zum Kochen bringen; Südafrika hat für jeden Musikgeschmack etwas zu bieten. Alleine der Fakt, dass es 11 offizielle Landessprachen gibt, zeigt die Vielfalt an verschiedenen Kulturen und Genres auf, die in diesem Land zu finden sind. Die folgende Liste lässt auch deshalb jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit vermissen. Wer nach bekannten Namen wie Mjriam Makeba oder Hugh Masekela sucht, liest hier vergebens. Die Auswahl an Bands beschränkt sich auf zeitgenössische Musik, welche in Europa noch wenig bis keine Beachtung findet und ist in zwei Teile getrennt. Ein erster Teil behandelt die Musikszene in der Touristenmetropole Kapstadt, ein zweiter Teil widmet sich den Bands aus Johannesburg, Durban und dem restlichen Teil des Landes.

Teil 1: Kapstadt
Kapstadt gilt nicht umsonst als eine der schönst gelegenen Städte der Welt. Die stark westlich geprägte Touristenmetropole am Westkap ist nicht nur bekannt für seine kilometerlangen Sandstrände, den berühmten Table Mountain und die Gefängnisinsel Roben Island, sondern auch für ihre facettenreiche Musikkultur. Überall in der Stadt geben Strassenmusiker ihre Kompositionen zum Besten und wer an einem warmen Sommerabend durch die Longstreet flaniert, findet Clubs und Kneipen en masse. Die Mothercity, wie Kapstadt von seinen Bewohner liebevoll genannt wird, beheimatet etliche Musiker und Künstler aller Art. Mit African Dope Records hat zudem eines der renommiertesten Independent-Labels des Landes seinen Sitz in Cape Town. Die folgende Liste bildet einen Einblick in die vielfältige Musiklandschaft rund um das Westkap:

Goldfish (Electropop). Gibt es im Sommer 2008/2009 in Südafrika einen musikalischen Konsens, so heisst dieser Goldfish. Die zwei DJs und Musiker aus Kapstadt sind allgegenwärtig; in jedem Club, jedem Supermarkt und auf jedem Radiokanal werden Goldfish rauf und runter gespielt. Ihr Mix aus Electro, House und Pop flirtet mit dem Mainstream, hebt sich jedoch immer wieder wohltuend von dessen Einheitsbrei ab. Live sind die beiden eine Wucht, spielen alle Instrumente live ein und des Öfteren kommt durch das Mitsingen des Publikums eine Art Fussballstadionstimmung auf.
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Felix Laband (experimentelle elektronische Musik). Den Soundtüftler aus Pietermaritzburg hat es wie viele andere Künstler nach Kapstadt gezogen. Seine musikalischen Klangwelten sind dunkle, verträumte und minimalistische Meisterwerke. Klassische Musik, Jazz und elektronische Musik finden in ihnen Verwendung. Sein jüngstes Album Dark Days Exit ist ein Must-Have für jeden Freund experimenteller elektronischer Musik. In der Manier von Bands wie Boards Of Canada oder Autechre.
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Watkin Tudor Jones (Hip Hop). Er gilt als Chamäleon des südafrikanischen Hip Hop. Watkin Tudor Jones ist auch bekannt unter den Namen MaxNormal.TV und The Man Who Never Came Back. Sein Album The Fantastic Kill strotzt nur so von abstrakten, psychedelischen, elektronischen und kickenden Beats und Flows. Unique!
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Kalahari Surfers (Avant-progressive, elektronische Musik). Kalahari Surfers ist das Pseudonym von Warrick Sony, welcher dieses Projekt als Zeichen gegen das Apartheidsystem in den 80er Jahren startete. Es folgten Kollaborationen mit Musikern aus aller Welt, etliche Alben und ein musikalischer Wandel, der Seinesgleichen sucht. Von Krautrock über Dub zu Electro finden sich etliche Musikstile auf Platten der Kalahari Surfers wieder.
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Sibot (Electronica / Hip Hop). Der Mann, welcher auch unter dem wenig originellen Pseudonym DJ Fuck bekannt ist, geniesst einen legendären Status in Cape Towns DJ-Szene. Er ist die eine Hälfte des Trip Hop Duos Real Estate Agents und in etlichen anderen Projekten in ganz Südafrika tätig. Sibot hat bereits den südafrikanischen DJ Battle Wettbewerb gewonnen, Musik für Werbung und Film geschrieben und auf internationalen Festivals wie dem Sonar oder Pukkelpop gespielt.
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The Rudimentals (Ska / Reggae / Afrobeat). Die Rudimentals sind eine achtköpfige Ska Band, welche mit UB40, Groove Armada und den Mad Caddies getourt hat. Sie gelten als die beste Reggae-Ska Band des Landes und sind in jedem Südafrika-Reiseführer als Sehenswürdigkeit aufgelistet.
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Soulfire (Akustik-Rock). Wer auf “laidback soulful acoustic rock” steht, wie die Band auf Myspace schreibt, sollte sich einmal die Band Soulfire zu Gemüte führen. Die zwei Singer-Songwriter Dave Stark und Duncan Breen haben auf ihrem selbstbetitelten Debutalbum beste Lagerfeuermusik produziert. Melancholisch, ruhig und relaxt.
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