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Länderkunde: Island
Länderkunde: Island
Erstellt am: 25.03.2009   Autor:
25.03.2009 – Autor: Michael Messerli

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Länderkunde: Island

Takk…

Europa hat seine Wundertüte im hohen Norden. Denn in Island passiert musikalisch so viel Gutes, dass man es einmal würdigen muss. Bevor die Finanzkrise alles wegspült. Aber wer weiss, vielleicht entrücken sie sich ja selber aus der Not.

Island ist über dreimal so gross wie die Schweiz, hat aber nur ca. 316’000 Einwohner. Was die grösste Vulkaninsel der Welt jedoch, trotz der kleinen Bevölkerung, an kulturellem und vor allem an musikalischem Output zu bieten hat, von dem können andere nur träumen. Ein ewig musizierendes Füllhorn ist dieses von Mythen und Sagen umwobene Land. „Við spilum endalaust“, sangen Sigur Rós und werden dieses Versprechen hoffentlich halten. Nebst ihren entrückten Klängen und der längst zur Weltbürgerin gewordenen Björk gibt es aber eine weitere Vielzahl an bemerkenswerten Musikern, welche es irgendwie nicht schaffen, schlechte Musik zu machen. Ein Jammer geht die isländische Krone momentan bachab und der Staat beinahe Konkurs. Solange die Finanzkrise aber Standfüsse wie das Indielabel „12 Tónar“ nicht mit in den Abgrund zieht, solange werden weiterhin grossartige neue Künstler aus Island kommen. Künstler wie z.B. die nachfolgend aufgelisteten, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Einige zum Entdecken, andere zum Wiederhören:

Pétur Ben (Indie, Singer/Songwriter). Mit seinem Debütalbum „Wine For My Weakness“ aus dem Jahre 2007 bewies der Mugison-Gitarrist, dass er auch selber ein hervorragender Songwriter ist.
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Björk (Avantgarde, Electro). Björk hat die Musik der Insel in die Welt gebracht. Für eine Mehrheit ist „Debut“ aus dem Jahre 1993 ihr bestes Album. Über ihre Haken, die sie in letzter Zeit geschlagen hat, wundern sich die einen und die anderen sind begeistert.
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Jóhann Jóhannsson (Electro, Postrock). Soeben hat der Filmkomponist mit „Fordlândia“ sein fünftes Studioalbum veröffentlicht. Kollege Tobias Imbach fasste zusammen: „Jóhann Jóhannsson begibt sich ein erneutes Mal auf Reisen ins musikalische Polareis. Das fünfte Album des isländischen Klangkünstlers ist wiederum betörend schön.“
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Mínus (Stoner Rock). 2004 veröffentlichten Mínus mit “Halldór Laxness“ ein Wüstenrock-Album der Sonderklasse – und das in einem Land, wo vor allem Schnee herrscht. Der Name des Albums ehrt übrigens den weiter unten erwähnten Nobelpreisträger.
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Mugison (Singer/Songwriter). Örn Elías Guðmundsson heisst der gute Mann und spielte 2008 – unterstützt von Pétur Ben – den “Mugiboogie”. Der Fischer aus Isafjordur kann Blues, Wüstenrock, Kitsch und sonst alles, was ihm in die Finger kommt.
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Múm (Electro, Postrock). Múm fehlen nicht ganz dieselben Tassen im Schrank, wie beispielsweise Sigur Rós. 2007 veröffentlichten sie „Go Go Smear The Poison Ivy“, der etwas andere Nachfolger zur Leuchtturmmusik von „Summer Make Good“ (2004). Beide Platten sind aber sehr empfehlenswert.
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Gavin Portland (Post-Hardcore). Der seltsame Name täuscht. 2007 setzen sie mit „Views Of Distant Towns“ eine nordische Post-Hardcore-Tradition erfrischend fort. Elfen, Trolle und alles andere sagenhafte werden hier weggescheucht und in der Not herausgeprügelt.
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Sigur Rós (Postrock). Immer mit den Streicherinnen von „Amiina“ unterwegs, verzaubern sie mit ihrer Musik die ganze Welt. 2002 stellten sie diese aber erst einmal mit dem Album „(  )“ auf den Kopf. Für Frühentdecker war bereits „Agætis Byrjun“ (2000) die Neuerfindung des musikalischen Rades.
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Skúli Sverrisson (Songwriter). Der gelernte Jazzbassist veröffentlichte 2007 mit “Sería“ ein filigran verspieltes Album, das einzig in drei Stücken gesanglich von Ólöf Arnalds unterstützt wird. Ein Liebhaberalbum, das es zu entdecken gilt.
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Machen Isländer nicht erfolgreich Musik, dann spielen sie wahrscheinlich Handball. Andere Weltstars wie Fussballer Eiður Guðjohnsen oder Künstler wie der Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness beweisen, dass im hohen Norden viel Hochwertiges entsteht. Als eines der filmischen Highlights soll hier „101 Reykjavik“ von Baltasar Kormákur nicht unerwähnt bleiben. Und dann ist da natürlich noch das Musikereignis der Insel: Das „Iceland Airwaves“ in und rund um Reykjavik. Ein Musikfestival, das längst Menschen aus der ganzen Welt anzieht und hoffentlich, wie die gesamte Musikszene, nicht der Finanzkrise zum Opfer fällt.