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Jahresrückblick 2010 (2)
Jahresrückblick 2010 (2)

Jahresrückblick 2010 (2)

Erstellt am: 29.12.2010
Autor:
Erstellt am: 29.12.2010   Autor:

Specials

Geächtet und geliebt

Heimliche Favoriten aus den Charts und andere Ärgernisse.
Heimlich hingehört – Unsere Lieblings-Nummer-Einsen aus der Schweizer Hitparade

Lena Meyer-Landrut – Satellite

Yolanda Be Cool & DCup – We No Speak Americano
weil.. naja, ich hab ja diesen Sommer auf Festivals auch angetrunken
dazu getanzt. (Sophie Müller)

Bligg – Legändä & Heldä

Gotthard – Heaven
weil ich damit gross wurde und es bis heute liebe. (Chris Döbeli)

Melanie Fiona – Monday Morning

Ke$ha – Tik Tok
Hedonistischer und dämlicher geht kaum, doch selten hat ein Song in den Top 10 der Schweizer Hitparade mehr Spass gemacht: „Wake up in the morning feeling like P. Diddy“. Und sowas singt ein junges Mädchen? „Before I leave, brush my teeth with a bottle of Jack“ Seit wann putzt man sich mit einer Flasche die Zähne? Und sowas singt ein junges Mädchen? Gut gelungen ist auch die musikalische Umsetzung. Die Stimme Ke$has ist nicht so nervig affektiert und gepresst wie die ihrer Konkurrentinnen. Credits verdient sich auch Dr. Luke, der Produzent, der im Moment mit allem, was er anfässt, den Zeitgeist trifft und die Images der Teenie-Popsternchen durch den Wolf dreht, gerade so wie es ihm gefällt. (Severin Kolb)

Duck Sauce – Barbra Streisand
Der Disco-House-Track des Jahres auf der 1 in der Schweiz – Hallo Bimmelbahn! (Tobias Imbach)

Oder weggehört

Kein DRS3, kein MTViva… also auch keine Ahnung. (Michael Messerli)
Das Durchhören der Nummer 1 Hits der Schweizer Hitparade war ein einziger grosser Frust und Ärger. (Michael Zuckschwerdt)
Die Lieder dieser Veranstaltung kenne ich nicht (TheNoise)

Aufgrund der Vielzahl an hochkarätigen alternativen Veröffentlichungen des vergangenen Jahres kann ich beim besten Willen kein Lied, welches es auf den Thron der Schweizer Hitparade geschafft hat, zu meinem ’Liebling’ erküren. Betrachte ich die Liste der ’Gewinner’, überkommt mich eher ein Gefühl des Abscheus, der Verachtung oder aber auch des Schams. Musik, die Spass machen soll, zum tanzen, feiern und jubeln animiert, allesamt Dinge, die ich tunlichst zu praktizieren vermeide. Die Qualität der aufgeführten Songs betrachte ich als weiteres, allerfeinstes Armutszeugnis für die konsumierende Gesellschaft. Ein brillanter Doktortitel in den Fächern Idiotie, Oberflächlichkeit und Verblödung an alle Konsumenten. Einerseits habe ich keine Ahnung, was z.B. ein Kesha, ein Iyaz, ein Stromae, ein Taio, oder ein K’naan ist. Höchstwahrscheinlich verstecken sich dahinter schlechtgekleidete, auf Hochglanz polierte, mit Schmuck und Geld protzende, tanzende oder gar rappende Rohrkrepierer, welche überproduzierte Plastikgeräusche für viel Geld als ’Musik’ zu verkaufen versuchen, allem Anschein nach erfolgreich. Andererseits kann ich mit Hitparadenplatzierungen etwa gleich viel anfangen wie ein Gehörloser mit Kopfhörern. Neben üblichen elektronisch-stampfend-klebrigen auditiven Schwerstverbrechen (bin ich der einzige, der, wenn er mit diesem Vocoder-zerschlissenen, USamerikanischen, R’n’B Frauengeheul konfrontiert wird an Abu Ghraib oder Fritzl’s Keller denken muss?) findet man den einen oder anderen Samenlöser, lächerlich banale Fussballsongs, ’Rap’ für frustrierte, kochende und putzende Hausfrauen oder einen Song zu Ehren eines Harley-fahrenden Glückspilzes. Traurige Welt.

Benotung:
? = Was zu Geier ist das? Armenische Volksmusik?
?-XX = habe den Interpreten schon mal gelesen, jedoch keinen Plan, wie das Lied klingt.
1 = Vergleichbar mit einer Operation am offenen Gehirn ohne Narkose, per Mund durchgeführt von einem armamputierten Alkoholiker.
bis 5 = Ideale Begleitmusik für das über den Abort gekrümmte Entleeren des Mageninhalts, nach 5-8 Fässern selbstgebranntem Wodka….also ein nicht zwingend trauriges Erlebnis.

Melanie Fiona – Monday Morning ?
Rihanna – Russian Roulette ?-1
Ke$ha – TiK ToK ?
Iyaz – Replay ?
Stromae – Alors on danse ?
Mehrzad Marashi – Don’t Believe ?-1.5
Taio Cruz feat. Ludacris – Break Your Heart ?
K’naan -Wavin‘ Flag ?
Lena Meyer-Landrut – Satellite 2
Shakira feat. Freshlyground – Waka Waka (This Time for Africa) 1
Velile & Safri Duo – Helele 1
Yolanda Be Cool & DCup – We No Speak Americano ?
Bligg – Legändä & Heldä ?-1.5
Eminem feat. Rihanna – Love The Way You Lie ?-1
Gotthard – Heaven 5
Shakira feat. El Cata – Loca ?
James Blunt – Stay The Night ?-2

(Philipp Gautschi)

Die ärgerlichsten Songs des Jahres

Michael Jackson (feat Akon) – Hold My Hand

Travie McCoy feat. Bruno Mars – Billionaire
Danke liebe Freunde! (Sophie Müller)
Dios – Holy

Diver und Gotthard – Heaven
Aber bloss wegen ihrer Tragik in diesem Jahr (Simon Grünig)

Laserkraft 3D – Nein, Mann!
Dieses Lied ist so schlimm, dass es schon fast wieder Kult ist. Aber trotzdem bleibt es ein (deutliches) No-Go für mich. (Chris Döbeli)

Lena Meyer-Landrut – Satellite

Shakira – Waka Waka
Vielleicht habe ich zuviel erwartet von der Fussball-WM in Südafrika in musikalischer Hinsicht, denn das Land hat in den letzten Jahren einiges zu bieten: BLK JKS, Die Antwoord, Dear Reader, DJ Mujava, die ganze Kwaito-Szene usw… (Lesetipp an dieser Stelle: Unser Südafrika-Special) Von mir aus auch die alte Generation um Abdullah Ibrahim oder Hugh Masekela oder die kürzlich verstorbene Miriam Makeba vom Band.
Stattdessen stammen die Hymnen der WM von einem Äthiopier, bleichgesichtigen schwedischen Techno-Produzenten und naja… Shakiras „Waka Waka“ fand ich besonders ärgerlich, da es von A bis Z die Klischees von den armen, dafür herzhaften, glücklichen und musikalischen Afrikanern (die von der Sahara bis Kapstadt alle genau gleich sind) zementiert, mit peinlichen Tänzen kombiniert und auch zu einem riesigen Erfolg wird. „Kultureller
Kolonialismus“ dank Vampire Weekend in allen Ehren, aber bitte nicht so…. (Severin Kolb)

Black Eyed Peas – Dirty Bit
Sie werden immer noch schlechter, anders kann man sich diese Verhunzung eines ohnehin grauenhaften Songs nicht mehr erklären. Der grösste
Sell-Out der Musikgeschichte (ja, die waren mal in Ordnung) (Tobias Imbach)

Oder wie man’s auch sehen kann:

Schwierig, hab mich 2010 vor allem über meine Masterarbeit und gesellschaftliche Entwicklungen geärgert. Bzgl. Songs haben mich jedoch diese elenden Fussball-Lieder fertiggemacht, z.B. dieses Waka-Waka brachte mich des Öfteren der Verzweiflung nahe. (Philipp Gautschi)

Das Durchhören der Nummer 1 Hits der Schweizer Hitparade war ein einziger grosser Frust und Ärger. (Michael Zuckschwerdt)

Warum über einen Song ärgern, wir haben die Freiheit der Wahl – der nächste bitte … (TheNoise)