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Der böse Bub Eugen – Nimmerland & 9 Erinnerungen
Der böse Bub Eugen – Nimmerland & 9 Erinnerungen

Der böse Bub Eugen – Nimmerland & 9 Erinnerungen

Erstellt am: 02.06.2007
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Erstellt am: 02.06.2007   Autor:

Specials

Der böse Bub Eugen machte aus mir einen ebensolchen!

Es begann mit einer Musiksendung bzw. mit dem Der böse Bub Eugen-Auftritt mit der Single „Zehn Jahre“ und setzte sich folglich mit der zugehörigen LP „Himmel, Hölle und der Fisch“ sowie der nachgekauften CD „Nimmerland“ – gekauft bei Pastorini, Aarau (ebenfalls Geschichte) – fort…

 

In der Folge erste Kontaktaufnahme zur Band im Rahmen einer nach Feuerthalen gesandten T-Shirt-Bestellung. Antwort in Form einer Halb-Lieferung (eines von zwei T-Shirts) sowie einer sehr netten, persönlichen, handgeschriebenen Postkarte von Rämi (Sänger und Gitarrist), mit der Entschuldigung, dass das schwarze T-Shirt mit gelber Comic-Zeichnung erst nachbestellt werden müsse. Schliesslich – Wochen später – hielt ich auch T-Shirt Nr. 2 voller Stolz in meinen Händen.
Kurz darauf erlebte ich das erste Konzert von Der böse Bub Eugen um 1990 im Rahmen der „Himmel, Hölle und der Fisch“-Tour im Gasthof Kreuz zu Suhr. Zu der Zeit war ich gerade mal zarte, jedoch heftig pubertierende 15 Jahre jung; mein Papi brachte und holte mich wieder ab (ja, das war damals noch so , die guten, alten Zeiten eben). Das zweite Konzert stand dann bereits unter dem Motto, ich bin so etwas wie erwachsen und trinke leicht mehr Alkohol, als mein Körper gemeinhin leiden mag. Jedenfalls so viel, als dass meine Kameraden und ich ab Aarau mit dem Zug hin nach Zofingen in den Ochsen und mit – definitiv nicht uns gehörenden Fahrrädern – von Zofingen wieder heimkehrten (ich gehe mal davon aus, dass diese Kamelle soweit verjährt ist). Hernach gab es eine Art Bruch. Ich begann mich mehr für Biologie denn für Der böse Bub Eugen, der inzwischen „nur“ noch Eugen hiess, zu interessieren.
Das nächste was mich nach dem „Bruch“ wieder mit Eugen auseinandersetzen liess, war die glanzvolle Stop-F/A-18-Single „Chaschper“. Und heute, ja exakt in diesen Tagen, habe ich den vollständigen Der böse Bub Eugen bzw. Eugen Backkatalog – abgesehen von meinen Langzeitbesitzen „Nimmerland“, „Himmel, Hölle und der Fisch“ sowie „Cool (und aber auch sexy)“ und den leider seit Langem vergiffenen Tapes der ersten Tage – im legendären Rec Rec Laden beim ebenso legendären Veit F. Stauffer aufgefrischt.

 

So viel zur Nebensache, nämlich zu mir und meiner Beziehung zu einer Band, die Zeit ihres Werkens wirklich Format hatte – Höchstformat!
Das eigentliche Thema dieser Schmuckstückvorstellung bildet indess das Schmuckstück itself: „Nimmerland & 9 Erinnerungen“, um genau zu sein, die CD-Version der LP „Nimmerland“, welche additional einige Tracks der vorgängigen LP „Regen im Park“ sowie das Lied „Leichenwagen der gleichnamigen EP beinhaltet. Der Bogen spannt sich damit von Titeln aus 1984 bis 1988 auf; ergo cirka Geburtsjahre einer, ich würd‘ behaupten Mehrheit unserer Leserschaft – fragt eure Eltern, wissen sie mehr?!

 

Was für mich diese Veröffentlichung nach wie vor faszinierend und sehr spannend hörbar machen, sind mindestens deren drei Aspekte:

 

die sonst so selten erreichte Qualität der Songs; noch seltener im Verbund mit einer derartigen Kontinuität
das qualitätsvolle Formal der Texte, deren Geschichten erzählende Inhalte sowie die absolut geniessbare Aussprache des Hochdeutschen
die Aufrichtigkeit – ich vermeide hier tunlichst, den Ausdruck Ehrlichkeit zu bemühen – der Produktion (heute machen ja alle nur noch ehrliche Musik bzw. Songs; ich verabscheue das)

 

Selten so gelacht, möcht‘ ich sagen. Jedenfalls zaubert mir der Genuss von „Nimmerland“ immer wieder ein entzücktes Lächeln ins Gesicht. Im Gegensatz zur ebenfalls sehr tollen „Himmel, Hölle und der Fisch“ erlebe ich für mich über die volle Länge dieser 20 Titel die wahre Gewalt unverzerrter (Rickenbacker)-Gitarren, rundwuchtiger (und noch echter) Bassläufe, angenehm variertem Schlagzeugspiel, wirklich supertollen Gesängen, Melodien und Harmonien sowie folgerichtig ergänzenden, nie aufdringlich eingesetzten Instrumenten wie Handorgel, Klarinette und Marimbaphon.
Es ist und bleibt für mich wirklich erstaunlich, wie eine aus zu damilger Zeit „Jungspunden“ bestehende Band solche Lieder verfassen konnte. Viel mehr hätte man einfachere Punk-Songs von diesen Jünglingen erwartet, denn ein solch‘ zeitloses Liedgutwerk. Der böse Bub Eugen machten das, was man heute ganz simpel und treffend Heimat bezogene Volksmusik nennen können sollte, nur eben ist Volksmusik an und für sich bereits anderweitig besetzt.

 

Auf einzelne Lieder sprechen zu kommen, macht keinen Sinn. Ausser bei „How Does It Feel“ kann ich mindestens nur jeweils die Bestnote vergeben.

 

Ich halte also meine eigentlich Erklärugsnot ob der schieren Faszination über diese Platte im Rahmen, verweise aufs Selberhören und das Interview mit Rämi, dem ehemaligen Sänger und Gitarristen der Band.

 

Seit 1988 im Handel.

 

Anspieltipps: Strasse runter; wieder Sonntag; der lange Mann; verfaulte Geschichten; Novembertag; Indianer vor der Stadt

 

Trackliste: 1) kein Blick zurück; 2) Indianer vor der Stadt; 3) verfaulte Geschichten; 4) Pirmin teil 2; 5) Strasse runter; 6) nicht von dieser Welt; 7) bei Mosers; 8) wieder Sonntag; 9) Pirmin; 10) schenk nochmal ein; 11) how does it feel; 12) Novembertag; 13) blinder Passagier; 14) verkauft; 15) der lange Mann; 16) Gaudenz meint; 17) Seemann; 18) auf die Dächer; 19) Leichenwagen; 20) zeig Flagge

 

similar artists: Die Ärzte, Die Aeronauten, Die Goldenen Zitronen – in etwa

 

 


> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite  > CH-Vertrieb


Letzte offizielle Bio
:
Eugen ist zwar „neu hier“, aber es gibt ihn schon seit 1983 (bis 1990 bekannt mit dem Appendix „Der böse Bub“, wurde dann aber allmählich etwas beknackt und aus dem Namen gestrichen). Im Zentrum der Musik stand und steht der Song oder das Lied einerseits und deutsche Texte andererseits. Die Wurzeln liegen im Punk schweizerischer und deutscher Ausprägung (Kleenex, Sperma, Mittagspause, FSK, Abwärts, SYPH, ZK, Mittagspause), heute ist natürlich alles anders, aber gelernt ist gelernt; auch wenn sich EUGEN-Mitglieder in Eheleute, Väter, Mütter, klassisch ausgebildete Schlagzeuger, lizenzierte Universitätsabsolventen oder Redakteure verwandelt haben. In der Schweiz wohnen Die Aeronauten im selben Haus, Eugens Rämi hat sie auch produziert, man tauscht sich aus und ist befreundet. Hier die Kleinstadt Schaffhausen im Norden der Schweiz unmittelbar an der Grenze zur Bundesrepublik, dort das Andere, die Welt, vielleicht auch nur im Eugen-Kopf, gibt es eine grosse Welt in der kleinen? Kampf gegen die wattigweiche Repression der kleinstädtischen Geborgenheit, Langeweile, Konkordanzterror, Provinzthekengemütlichkeit. Das bedeutet immer wieder Rausgehen, in und mit der Musik, zum Beispiel bereits 1984/86 für Plattenaufnahmen nach Berlin; dann auch die Erfahrung, dass – für dieses Beispiel Kreuzberg – nur ein Dorf ist. Was sich als Korrektiv ausgibt, steht im Verdacht einer falschen Koalition. „…ich will in keiner Mannschaft spielen, auch nicht im Hemisphärenfussball, ich will für mich bleiben…“ (Wolfgang Koeppen). Die Diskographie als Dennoch-Verbindlichkeiten, Resultate trotzigen Reibungsverlustes, Positionen, Posen sowieso. Beim Verlassen der Bühne hat Eugen gute Laune. Das Publikum gefälligst auch. Juli 1986: Claus Fabian, Weserlabel-Chef, gibt in Bremen eine Grillparty anlässlich des Fussball-WM-Spiels Argentinien-Deutschland. Geladen ist Eugen und die Mitglieder der jungen Funpunkband Die Goldenen Zitronen, die soeben ihre erste Single rausgebracht hat. Deutschland spielt katastrophal und verliert. Seither gibt es eine schöne Verbindung zwischen den Goldies und Eugen; wer von Koalition spricht, verbessert sich und sagt Freundschaft. (Im gleichen Jahr übrigens auf einem Fussballplatz in Innsbruck mit einem Gymnasiasten in selbsterfundenem Punk-Outfit gekickt; sein Name: Hans Platzgumer).


Diskographie:


Eugen

> Es sagt Du zu mir – Remixe (1998)
> Cool (und aber auch sexy) (1997)
> Gute Zeiten (1994)
> Lied für Mani – 7“ (1993)
> Für immer klein – EP (1993)
> Feste fallen – 7“ 1992


Der böse Bub Eugen

> Himmel, Hölle und der Fisch (1989)
> Plays Bad Boy Eugen – EP (1988)
> Nimmerland (1988)
> Augen wie Revolver – 7” (1987)
> Regen im Park (1986)
> Leichenwagen – EP (1984)


Interview mit Stephan Ramming (Ex-Sänger/Gitarrist von „Der böse Bub Eugen“ bzw. „Eugen“)

 
Hallo Rämi, herzlichen Dank, dass Du Dich für ein Interview zur Verfügung stellst.“Der böse Bub Eugen“ vs. „Eugen“:
Kannst Du die Leserschaft kurz über die Geschehnisse ab Bandgründung bis heute informieren; existiert „Eugen“ noch?
Was ist geplant – ist etwas geplant?
„Eugen“ hat 1998 aufgehört zu existieren. Nach der „cool (und aber auch sexy)“-Tour 1997 stieg Gitarrist Peter Bächi Bächtold aus, weil er Vater wurde. Danach arbeiteten Schlagzeuger Martin „Fisch“ Fischer, Bassistin Suzanne Zahnd, Sämi Hartmann und ich an neuem Material. Irgendwie kriegten wir das aber nicht mehr hin, der Schwung für fehlte. Die Zeit von „Eugen“ war abgelaufen und wir lösten die Band ohne Groll oder persönliche Animositäten auf. Für die Zukunft ist eigentlich nichts geplant, für eine dokumentarische Aufarbeitung der „Eugen“-Geschichte fehlt mir die Zeit. Lenz Müller, bis 1989 Bassist von „Der böse Bub Eugen“, und Fisch spielen heute wieder zusammen bei der Zürcher Band „50 Foot Mama“, Suzanne Zahnd ist Autorin mit verschiedenen Projekten, Sämi Hartmann u.a. Gitarrist bei „Die Aeronauten“, Peter Bächtold arbeitet als Psychiatriepfleger und ich bin Sportreporter bei der NZZ und NZZ am Sonntag.

Hattet ihr zumindest zu Beginn voll auf die Karte Musik gesetzt?
Nein – als 1983 Lenz und ich „Der böse Bub Eugen“ gründeten, gingen wir ja noch in die Schule. Schlagzeuger Fisch war erst 15-jährig, wir mussten damals jeweils seine Mutter überzeugen, dass er überhaupt raus durfte, um die Konzerte zu spielen. Auch später, als wir einigen Erfolg hatten, machten wir immer noch andere Sachen. Lenz jobbte, ich arbeitete im Zürcher Plattenladen Jamarico und studierte, Fisch absolvierte eine Lehre als Flachmaler und wurde danach Schlagzeuglehrer.

Warum kann man denn diese „alte“ Platte „Nimmerland“ auch heute noch gut finden (Release 1988)?
Ist das nachvollziehbar für Dich bzw. wie ergeht es Dir selbst beim Hören von „Nimmerland“?
Ich höre viel Musik, vorallem aktuelle, aber die eigenen Sachen sehr selten. Was an „Nimmerland“ speziell gewesen sein könnte, soll die Musikgeschichte beurteilen. Ich behaupte, dass die Platte und das Konzept dahinter damals funktionierte – sie traf einen Nerv der Zeit. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass „Nimmerland“ heute historisch interessant ist. Musikalisch weniger. An Platten wie „Vier Männer“ von Hertz oder das erste Album der Young Gods aus der Mitte der achtziger Jahre kommt „Nimmerland“ nicht heran. Leider.
Was war der Grund, dass die eigentlichen „Nimmerland“-Songs (Tracks 1-11) nicht wie die anderen Alben zuvor und danach im Vielklang-Studio aufgenommen wurden (Aufnahmen im Übungsraum)?
Wir wollten selber aufnehmen, die Aufnahmetechnik kennen lernen, mehr Raum zum Pröbeln haben. Ausserdem haben wir unsere ersten Aufnahmen alle selber gemacht, wir wollten den 4-Spur-Spirit sozusagen weiterentwickeln. Die Aufnahmen im Proberaum waren ein Riesenmurks, wir hatten dauernd technische Probleme. Aber wir lernten viel und am Ende kriegten wir das Ganze einigermassen auf die Reihe.
Hat sich je jemand auf den Aufruf im Booklet gemeldet und die Band zu sich nach Hause eingeladen, um die „CD“ zu hören (ich hätt’s ja fast getan, nur eben war das bereits um 1990/91)?
Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht so genau erinnern. Der Hintergrund der Bemerkung auf dem Booklet war ja, dass 1988 gerade die Revolution von der Vinyl-Platte zur CD am Laufen war. Wir besassen damals tatsächlich keinen CD-Spieler.
Im Vergleich zu bekannten Vertretern der 80er Zürcher-Szene wart Ihr betreffend Songwriting und Arrangement ziemlich anders; ich meine damit vielfältiger, anspruchsvoller und innovativer. Wie kam das?
Steckte da Absicht dahinter?
Vor allem am Anfang gab es schon diese Absicht, uncool zu sein und sich gerade von den coolen Zürchern abzugrenzen – mit Humor und forcierter Betonung des Provinziellen. Musikalisch waren wir vor allem zu Beginn versucht, offen zu sein gegenüber anderen Musiken wie Jazz oder Schlager. Wir konnten das natürlich nicht richtig spielen, aber herausgekommen ist eine eigentümliche Mischung. Das Lied „Gaudenz meint“ ist ein schönes Beispiel dafür, eine Handorgel, Marimbaphon, Gesang – sowas gab es damals einfach nirgends.
Wie würdest Du Euer Verhältnis zur damals heftig brodelnden Musik-Szene in Zürich beschreiben? Ihr seid ja Schaffhauser und wart demnach geographisch näher am Geschehen der Stadt Schaffhausen oder Deutschlands?
Gab es Rivalität?
Diese brodelnde Zürcher Szene hat in den achtziger Jahren ja gar nicht existiert. Es gab ein paar Bands, die ihre Sache voranzutreiben versuchten. Wir hatten engen Kontakt zu den Leuten des Plattenvertriebes RecRec in Zürich, aber sonst hatten wir mit dieser Zürcher Szene nichts zu tun, weil es sie gar nicht gab. Wir spielten einfach oft in Zürich. Wir sagten immer, es ist überall langweilig. Also muss man etwas dagegen tun. Und das taten wir auch.
Da ich „Der böse Bub Eugen“ leider erst mit der Single „Zehn Jahre“ bzw. mit dem Album „Himmel, Hölle und der Fisch“ kennengelernt habe, nun diese Frage:
Wie bekannt wart ihr bei Veröffentlichung von „Nimmerland“?
Zu welcher Zeit denkst Du, hattet Ihr mit der Band Euren Höhepunkt erreicht?
„Himmel, Hölle und der Fisch“ war die bestverkaufte Platte, die Tour damals war erfolgreich und es gab schon Konzerte, wo die Leute richtig durchdrehten. Wie bekannt wir waren, kann ich nicht gut beurteilen. Wie lässt sich sowas messen? Keine Ahnung. Der Coup von „Nimmerland“ war der Pirmin-Song, weil wir damals die ersten waren, die mit Pirmin Zurbriggen, der damals Olympiasieger in Calgary wurde, ein Lied über eine Sport-Ikone machten. Heute gibt es ja zu jeder Hundsverlochete auch ein Lied dazu. Jedenfalls funktionierte das damals bestens, die Platte und auch die Tour – vom Migros-Kulturprozent gesponsert – waren für unsere Verhältnisse erfolgreich. Deutschland konnten wir nie richtig erobern, wir tourten zu wenig. Wir blieben immer eher so eine Art Geheimtipp.
„Nimmerland“ vs. „Himmel, Hölle und der Fisch“:
Würdest Du von einem musikalischen Stilbruch sprechen?
Was macht für Dich den Unterschied?
Auf der „Nimmerland“-Tour – „Nimmerland“ ist übrigens eine Hommage an das gleichnamige Lied der Zürcher Band „Hertz“ – lernten wir, wie Rockmusik funktioniert. Das hat uns inspiriert, wir wollten diese Energie unbedingt auf der nächsten Platte haben. Und wir konnten nun auch einigermassen spielen. Ich glaube, „Himmel, Hölle und der Fisch“ ist technisch sicher die beste Platte der ersten Besetzung. Künstlerisch wahrscheinlich nicht, zudem führte sie die Band in eine kreative Sackgasse. Das war mit ein Grund, warum Lenz danach die Band verliess.
Ihr habt im gleichen Studio wie „Die Ärzte“ aufgenommen, mit ihnen Konzerte gespielt, von der „ersten Ärzte-Single“ gesungen und als erstes auch den Bassisten aus der Stammband verloren. Was verbindet Dich mit den Berlinern?
Die erste Ärzte-Single hat uns damals, als sie 1983 erschienen ist, sehr begeistert. Es war eine Telefonnummer drauf, also habe ich angerufen und deren ersten drei Konzerte in der Schweiz organisiert. Das war lustig, sie wohnten bei uns zu Hause. Meine Mutter war begeistert, weil sie immer so viel assen und sie so viel kochen konnte. Sie hat heute noch eine Autogrammkarte in ihrem Arbeitszimmer hängen. Danach gab es keinen Kontakt mehr mit den Ärzten. Als wir dann 1984 erstmals in ein richtiges Studio gehen wollten, gingen wir eben nach Berlin ins Vielklang. Wir dachten, das wird bestimmt gut und ist weit weg von zu hause.
Deine liebsten fünf von „Nimmerland & 9 Erinnerungen“ sowie Dein liebster „Der böse Bub Eugen“ bzw. „Eugen“-Song, inkl. kurzem Kommentar?
Schwierig. „Neu hier“ von der „Eugen“-Platte „cool (und aber auch sexy)“ kann man noch heute hören, „Sommernacht“ und „Es sagt du zu mir“ sind ebenfalls o.k. Auf „Nimmerland“ gehört „Gaudenz meint“ (im Original auf der LP „Regen im Park“) dazu, „verfaulte Geschichten“, „Auf die Dächer“, „Strasse runter“ mag ich auch gerne.
Welche Musik hört Rämi heute?
Ich höre nach wie vor sehr viel Musik. Ich war am „Melvins“-Konzert kürzlich: Super! „The Good, The Bad and The Queen“ ist eine sehr schöne Platte, HipHop mag ich ebenfalls sehr, die letzte „Blumfeld“ war super, „LCD Soundsystem“, „Goldene Zitronen“ auch – ach, es gibt so viel tolle Musik.

Welche drei Bücher empfiehlt Rämi unserer Leserschaft?
Drei Bücher? Ich habe Literatur studiert – was soll das! Also: Ich empfehle die Telefonbücher von Zürich, Niederbipp und Feuerthalen.
Welche drei Filme/DVDs kann Rämi empfehlen?
Keine Ahnung. Mein letzter Film war „Little Miss Sunshine“. Gefiel mir gut.
Eure/Deine Texte haben mich schon im halben Alter von heute sehr angesprochen. Ich empfand diese Geschichten sowie die Aussprache als äusserts gepflegt, irgendwie typisch unschweizerisch, wenn’s das gibt. Ich möchte Dich nun um kurze und möglichst spontane Statements zu einigen Textzeilen bitten…
Sorry, aber ich kann nicht die eigenen Sachen interpretieren.
Kurz vor Schluss etwa noch etwas an Aufklärung zu einigen Protagonisten wie

    der lange Mann;
    Mosers;
    das „Du“ in „Strasse runter“;
    Gaudenz?
Sorry, aber das sind alles Namen von erfundenen Figuren.
Im Sinne von geschlossenen Fragen (ja/nein-Antworten):

Sind die in Englisch verfassten „How Does It Feel“ und „Lady Blue“ gelungen?
Nein
War Melancholie eine Stärke von „Der böse Bub Eugen“?
Ja

Nervte es ab und an, stets „Leichenwagen“ spielen zu müssen?
Ja
Wurdet Ihr oft mit „Die Ärzte“ verglichen?
Nein
Gibt es eine Reunion von „Der böse Bub Eugen“?
Eher Nein
Wird es je eine History über „Der böse Bub Eugen“/“Eugen“ geben (DVD, Buch…)?
Eher Nein.
Gut, lieber Rämi, das war’s! Vielen Dank fürs Mitmachen bzw. die Geduld sowie die ausführlichen Antworten. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und erfreue mich weiterhin ob Deinem/Eurem musikalischen Schaffen zwischen 1984 und 1998.
Gerne.