Exit Music
Covers, die ihren Originalen den Kampf ansagen
Covers, die ihren Originalen den Kampf ansagen

Covers, die ihren Originalen den Kampf ansagen

Erstellt am: 20.02.2006
Autor:
Erstellt am: 20.02.2006   Autor:

Specials

„Gibt es überhaupt noch neue Melodien?“

fragt sich die Hörerschaft von Jahr zu Jahr aufs Neue. Natürlich gibt es sie, doch manchmal reicht es auch einfach aus, einen guten Song, der schon da war (von gestern oder vorgestern) noch einmal neu zu interpretieren.

Und genau diese Möglichkeit von neuer Musik soll hier Thema sein und mit atemberaubenden, den Originalen verdammt nahe kommenden, vielleicht sogar besseren Beispielen präsentiert werden. Alles ist möglich: Aus Hardrock wird eine Piano-Ballade, aus vielschichtigem Electronica spärlicher Folk, aus Sixties – Pop wird abstrakte Kunst.

Viel Spass beim Entdecken und Durchstöbern oder beim Emotionen wiedererkennen und mitfühlen. (rw)

 

 

A Perfect Circle – Imagine
Original: John Lennon

Ich bin im Grossen und Ganzen kein Fan von Coverversionen, diese Interpretation von John Lennons weltverbesserndem Gassenhauer gefällt mir jedoch sehr. Es ist etwa die einzige von all den Neuinterpretationen, die dieses Stück schon über sich ergehen lassen musste, die dem Original das Wasser reichen kann. Sehr pompös und emotional und ganz bestimmt der Höhepunkt des Albums „Emotive“, welches ausschliesslich Coverversionen enthält. Nicht mal ich und meine Primarklasse schafften es damals, begleitet von des Lehrers Blockflöte, das Original zu toppen. Die Streichereinsätze erinnern mich traurigerweise leicht an den Titelsong zum grausam schlechten Film Godzilla, welcher ein gewisser Puffvater vor einigen Jahren unseren Ohren zumutete und der ebenfalls (hingegen eine äusserst schlechte) Coverversion war. (pg)

Jeff Buckley – Hallelujah
Original: Leonard Cohen

Wahrscheinlich einer der besten und bekanntesten Coversongs. Was bei Cohen an Orgel und Backgroundgesang zuviel war, ist bei Jeff Buckley auf eine Gitarre beschränkt, um einer der schönsten Melodien und einer der umwerfendsten Stimmen überhaupt Platz zu machen. Dürfte ich mir für das Leben auf der Insel nur einen einzigen Song aussuchen, es wäre wohl dieser. (mo)

Tocotronic – Sailor Man
Original: Turbonegro

Tocotronic gelingt es, diese geschätzte Anmut in „Sailor Man“ zu entdecken, die treibende Melancholie eines schönen, klassischen Indie-Songs. Die Frauenstimme im Refrain flüstert Dirk schüchtern, aber gezielt nach: „Oh sailor man – From polar land – Oh sailor man – Come take my hand – Oh sailor man – Take me along – Show me the porta-prince and Hong Kong“ (rw)

Deftones – The chauffeur
Original von Duran Duran

Die Deftones transportieren die beklemmende Stimmung beinahe besser, als es das Original schon tut. (mr)

Megadeth – These boots were made for walking
Original: Nancy Sinatra

Die Speed-Thrash-Metalband mit einer sehr subtilen und einzigarten Fassung eines zu oft gecoverten Songs – und das zugleich auf ihrem Debüt. (mr)

Undisputed Truth – What`s Going On
Original: Marvin Gaye

Natürlich ist Marvin Gaye für viele eine unantastbare Ikone, der schwarze Elvis Presley, eine der prägendsten Figuren des Soul und der Black Music überhaupt. Wahrscheinlich wurden mehrere Millionen Menschen auf diesem Planenten im Rhythmus seiner Musik gezeugt. Nun ist es aber so, dass „What`s going on“ kein Liebes(spiel)lied, kein „Sexual Healing“, kein „Let`s Get It On“ ist und meiner blasphemischen Meinung nach zu sexy klingt. Die über 9 Minuten lange Version der Undisputed Truth scheint ehrlicher, und bringt die eigentliche Stimmung des Songs besser rüber, dass man sich wirklich selbst fragt: What`s going on? (sbe)

Feist – Inside And Out
Original: Bee Gees

Klassiker wie diesen hier zu covern ist schwierig, heikel und erfordert Mut. Allerdings keine wirklichen Schranken für Cover- Meisterin Leslie Feist, denn wie sie aus dem – doch langsam abgedroschnen – Fetenhit einen zeitgenössischen, grossartigen Popsong macht, ist bemerkenswert. Die Bridge ist dann sogar überragend. (rw)

Cat Power – Sea of Love
Original: Phil Phillips & The Twilights

Ist nebst vielen anderen gelungenen Coversongs auf dem Album „The Covers Record“ zu hören. Ursprünglich stammt „Sea of Love“ von Phil Phillips & The Twilights, deren etwas überschwänglicher Soul-Version durch Cat Powers spartanische Art jeglicher Kitsch abhanden gekommen ist und so zu einem der gelungensten Lovesongs avanciert ist. (mo)

Samba – Kummer
Original: Trio

Straight und sehr deutsch! (mr)

Scissor Sisters – Comfortably Numb
Original: Pink Floyd

Es ist eben einfach doch ein gleichermassen mitreissender wie tanzbarer Song geworden. Original und Cover sind für sich stehend toll, die Version von Pink Floyd ist tiefer, das Cover von Scissor Sisters frischer, frecher und schneller. (rw)

Jimi Hendrix – All Along the Watchtower
Original: Bob Dylan

Absolut brillant, wahrscheinlich eins von Hendrix‘ besten Stücken. Der wunderbare Song wurde auch erst durch diese Version berühmt – Bob Dylan selbst würde diese Re-Interpretaion seinem legendären Original vorziehen. Und ich selbst kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich das Gitarrenspiel ab 2:33 liebe. (ti)

Sophie Zelmani – Most Of The Time
Original: Bob Dylan

Sophie Zelmani schafft es, den sowieso schon melancholischen Song noch melancholischer und auch intimer erscheinen zu lassen. Sehr schön. (nel)

Joan Osborne – Man In The Long Black Coat
Original: Bob Dylan

Mit ihrer subtil eindringlichen Stimme hat Joan Osborne eine grossartige Neuinterpretation von Bob Dylans Stück geschaffen. (nel)

Rickie Lee Jones – Rebel Rebel
Original: David Bowie

Weniger aggressiv als das Original, aber wesentlich intensiver. Meiner Meinung nach eines der besten Covers überhaupt, welches das merkwürdige Wesen des Songs genial beschreibt. Zwei Hände, die dir mit flinken Fingern über den Rücken laufen, bis hin zum Nacken, sich um deinen Hals legen und du hast keine Ahnung, ob sich dich liebkosen wollen, oder gleich zudrücken und dich erwürgen. Als hätte Bowie den Song nur geschrieben, damit Jones ihn neu (oder zum ersten Mal wirklich) interpretieren kann. (sbe)

Nirvana – The Man Who Sold the World
Original: David Bowie

Ein grandioser Song in einer grandiosen Coverversion, zu finden auf dem Album „Unplugged In New York“. Die Lyrics sind ein wahres Meisterwerk, dafür gehen die Lorbeeren natürlich an Herrn Bowie, trotzdem gefällt mir die unplugged Version von Nirvana besser. Weniger Hektik und mehr Ruhe bekommen dem Song äusserst gut. (mo)

Nouvelle Vague – A Forest
Original: The Cure

Nouvelle Vague sind überzeugt, dass auch Robert Smith diese Version lieben würde. Und sie werden recht haben – klingt auch im sanften Bossa Nova/Latin /Easy Listening-Gewand einfach perfekt, und, wie ich finde, auch noch mal deutlich schöner. Die restlichen Covers auf ihrem Debüt sind genauso zu empfehlen – aber das weiss man ja nun auch langsam. (ti)

Converge – Disintegration
Original: The Cure

Wenn sich blutige Ohren für einmal wohl anfühlen. (mr)

Tori Amos – Raining Blood
Original: Slayer

Umkehrschluss zu Converge: Wenn für einmal Kamillentee schmeckt wie Hagebutten. (mr)

The Vines – I’m Only Sleeping
Original: The Beatles

Vorzufinden auf dem wundervollen Soundtrack zu „I Am Sam“.
Darauf interpretieren The Vines „I’m Only Sleeping“ – natürlich – um einiges rockiger als die Beatles dies damals getan haben. An die Originalversion kommen sie meiner Meinung nach nicht heran, aber trotzdem: sehr cool. (nel)

Howie Day – Help!
Original: The Beatles

Als Howie Day Fan bin ich wohl kein Massstab, wenn ich sage, dass er alles richtig macht und sich so spätestens mit der Zeile „I know that I just need you like I’ve never done before“ in jedes einzelne Herz zu singen vermag. Aber so ist es wirklich. (nel)

Faultline – Wild Horses
Original: The Rolling Stones

Auch so ein Klassiker, den man einfach gerne hört, egal welche Version, die von Faultline zum noch mehr schluchzen, die von The Rolling Stones als rohe, sprödere Fassung. Die Stimme – bei diesem Song mitentscheidend – ist bei Faultline vielleicht sogar einen Tick schöner, aber auch fast schon kitschig. (rw)

Johnny Cash – One
Original: U2, 1991

Fest steht, dass U2 wenige Songs geschrieben haben, die besser als „One“ waren. Welche der beiden Intepretationen hier besser sein soll, ist eigentlich nicht zu beantworten. Beide sind völlig eigen, beide gehen unter die Haut. (ti)

Fantomas – The Director’s Cut
Original: Ganze Platte von verschiedenen Artisten
Einzigartig und schlicht unerreicht, der Herr Patton und seine Gespielen (mr)

Ben Folds – Get Your Hands Off Of My Woman
Original: The Darkness
Der Trapezkünstler und Klavierspieler Ben Folds tanzt hier einen ultrawilden Ritt. Seine Version von „Get Your Hands Off Of My Woman“ strotzt nur so von Energie und Euphorie, von Hysterie und Ideenreichtum. Falsettgesang inklusive. (rw)

Die Ärzte – Jenseits von Eden
Original: Nino de Angelo

Super, Schlager auf Feedbackorgie (mr)

The Melvins – Goin‘ Blind
Original: KISS

Wunderbar langatmig und schwermütig. (mr)

Walter Wanderley – Summer Samba (Samba de Verão / So Nice)
Original: Marcos Valle

„Summer Samba“ (auch „So Nice“ oder „Samba de Verão“ genannnt) gehört bei beiden Künstlern zu den ganz grossen Highlights. Walter Wanderley, ein begnadeter Organist, der im Bossa Nova genauso beheimatet ist wie auch im Jazz und dem in den 50ern und 60ern äusserst beliebten Exotica-Stil, interpretiert den Bossa Nova-Klassiker mit dermassen viel Feingefühl und Lässigkeit – als ob er nur für ihn geschrieben wurde. (ti)

Glashaus – Ich Bring Dich Durch Die Nacht
Original: Reinhard Mey

Ich mag Reinhard Mey nicht. Kein bisschen. Mir ist egal, ob er ein bedeutender deutscher Liederschreiber ist und wie weit oben er auf der „Liste zum mitgrölen und – dudeln“ steht. Ich mag dieses lahme Schlafliedgebrummel nicht. Während sein Original von „Ich Bring Dich Durch Die Nacht“ ein Grossvater ist, der seinen Enkel an der Hand über die Hauptstrasse führt, ist die Glashausversion eine herzliche Umarmung, die jegliche Ängste vergessen lässt. Ich kenne keine andere Coverversion, die einem Song so viel mehr schenkt, als das Original besitzt. (sbe)

D’Angelo – Cruisin‘
Original: Smokey Robinson

Der ziemlich geniale Neo-Soul-Pionier D’Angelo interpretierte auf seinem schmucken Debüt „Brown Sugar“ mit „Cruisin'“ einen der grössten Smokey Robinson-Hits … und macht schlicht alles noch mal ein bisschen besser. Klingt ungemein frisch und sexy. Stilvoller hätte man den angestaubten Klassiker nicht ins Heute retten können. (ti)

Candi Staton – In The Ghetto
Original: Elvis Presley

Möge der King of Rock`n`Roll mir verzeihen, aber Candi Statons Cover seines „In The Ghetto“ schlägt das Original um Meilen. Natürlich gibt es praktisch keinen Musiker aus jener Zeit, der an Presleys aufnahmetechnisch nahezu perfekten Studioarbeiten herankommt, das ist aber auch nicht nötig. Die zu Unrecht vergessene (oder nie wirklich beachtete) Staton gibt den Song und seine tragische Geschichte mit so viel Gefühl wieder, dass man nicht weghören kann. Authentisch, wie man es nur ganz selten hören darf. (sbe)

Keyboard Rebel – Bootylicious
Original: Destiny’s Child

Faszinierend! Aus einer frechen, aber platten R’n’B-Nummer machen Keyboard Rebel eine rührende, ganz kurze, aber zum Punkt kommende Piano-Ballade, halb so schnell, doppelt so gut! (rw)

Tricky – Black Steel
Original: Public Enemy

Die Rap-Pioniere aus Brooklyn NY beeinflussten Tricky deutlich hörbar. Ihren legendären Klassiker re-interpretierte Tricky dann auch auf seinem Trip-Hop-Meisterstreich „Maxinquaye“ als furiosen und abenteuerlichen Rock-Titel, der das ohnehin schon wunderbare Original gleich noch mal toppt. Der Erkennungswert ist zwar gering – mit Old School-Hip Hop hat das nichts mehr zu tun – aber die bezaubernde Martina Topley Bird und Tricky funktionierten wahrlich selten besser zusammen. (ti)

Red Rain Coat – Skin Flowers
Original: Young Gods

Habe ich vor ca. 12 jahren mal live mit Akustik-Bass gehört. (mr)

Iron And Wine – Such Great Heights
Original: Postal Service

Bei diesen Traum von Melodie, zeitlos und allgegenwärtig, spielt es gar keine Rolle, ob Sam Bean zärtlich flüstert und klimpert oder Postal Service atmosphärisch knistern. In jedem Fall ein ganz wichtiges Lied, das berührt und darüber hinaus entzückt. (rw)