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Blaulicht & Zwielicht
Blaulicht & Zwielicht

Blaulicht & Zwielicht

Erstellt am: 01.05.2010
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Erstellt am: 01.05.2010   Autor:

Specials

Die Dinge beim Namen nennen: Kürzlich habe ich „Made of Bricks“ von Kate Nash gekauft. Auf dem Cover unten links steht: Parental Advisory – Explicit Content. Nichts Neues eigentlich.

Das hat Tipper Gore verbrochen, die Frau von Al, der jetzt das Klima rettet. Sie hingegen sah wohl eher die Gesellschaft gefährdet. Aber die zuckersüsse Kate Nash? Nun ja, sie singt von „Shit“, sagt „Fuck“ und beschreibt den „Dickhead“. Sehr explizit, klar. Nicht für Kinderohren bestimmt. Es ist nur so, dass man ums Kopfschütteln immer noch nicht herum kommt. Besonders dann nicht, wenn man erkennen muss, dass gewisse Menschen Nächstenliebe predigen und darunter leider nicht das Gleiche verstehen wie wir. Da aber geht es um implizite Inhalte – und genau da liegt auch der Hund begraben: Explizite Inhalte bleiben explizit, sie sind in der Regel nicht frei interpretierbar. Implizite Inhalte jedoch schon. Sie sind nicht allzu deutlich und wollen es auch nicht sein. Es liegt aber nicht gerade in der Natur des neuzeitlichen Betrachters, sich zu viele Gedanken über zu viele Dinge zu machen. Was uns religiöse Führer, Formate wie „glanz & gloria“ sowie Heldengeschichten aus Hollywood über Wahrheit und Liebe weiss machen wollen, bleibt in den Köpfen dank ihrer unterschwelligen Kulturzwänge weit mehr hängen als ein „Shit“, ein „Fuck“ und ganz sicher auch mehr als ein „Dickhead“.

Jedoch ist es einfacher, die Schuld für den „moralischen Zerfall“ unserer „gesellschaftlichen Werte“ der Musik in die Schuhe zu schieben, als sich um die verborgenen, tiefergehenden Inhalte der verschiedenen (Un)Kulturen zu kümmern. Lieber den Zensurbalken vor nackte Brüste schieben als vor die von Botox und plastischer Chirurgie entstellten Gesichter ehemals hipper Filmsternchen. Man lässt der Künstlichkeit den Vortritt gegenüber der Realität. Müsste man manchmal nicht eher auf die Dinge hinweisen, die eben gerade nicht allzu deutlich sind? Wieso nicht mit einem Warnhinweis: Parental Advisory – Implicit Content? Es scheint mir jedenfalls viel konsequenter, die Dinge beim Namen zu nennen, als sie uns nebenbei unterzuschieben.