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Blaulicht & Zwielicht (3)
Blaulicht & Zwielicht (3)

Blaulicht & Zwielicht (3)

Erstellt am: 09.10.2010
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Erstellt am: 09.10.2010   Autor:

Specials

Gestern ist früher als morgen.

Es war in vielerlei Hinsicht vorteilhaft, einen fünf Jahre älteren Bruder zu haben. Ist es natürlich immer noch. Aber als Teenager sind fünf Jahre Welten. Man wächst auf mit Dingen, die einem selbst weit voraus sind. Während man unschuldig mit Legos spielt, läuft im Hintergrund Iron Maiden, Metallica oder Paradox. Das Zimmer, das man mit seinem Bruder teilte, füllte sich mit Musik, die man zwar nicht verstanden hat, aber trotzdem in sich aufsog. Irgendwo musste es ja hin. Das Maskottchen von Iron Maiden kroch aus seinem Grab, auf dem Cover von Paradox grüsste der Tod höchstpersönlich und Great White liessen eine nackte Blondine am Haken zappeln. Kein Umfeld für ein Kind? Ach was. Die Musikgötter müssen weder verrückt sein noch verrückt machen. Ihre Anbetung ist ihnen dennoch gewiss. Denn was eine frühe und möglichst vielfältige Musiksozialisation auszeichnet, ist die Bewegung.

Irgendwann kam nämlich Grunge und mit ihm das Holzfällerhemd. Ein bisschen später folgte Crossover und mit ihm die weiten Klamotten. Und heute? Heute soll Indie Mainstream sein – und was zurzeit in Mode ist, das geht weit über musikkulturelle Klamotten hinaus. Heute bist du entweder „in“ oder du bist „out“. Sind die Insider aber plötzlich keine Outsider mehr, stört es sie. Ist Indie die neue musikkulturelle Massenbewegung? Sind die Silversun Pickups nun die Nirvana von 2010? Wohl kaum. Ausserdem: Nirvana und Pearl Jam waren auch Mainstream. Was also hat sich in den letzten 20 Jahren getan? Comebacks, Reunions, Remakes, Sequels und Kopien fluten zunehmend Film- und Musikmarkt. Kommt denen eigentlich nichts Neues mehr in den Sinn? War alles schon mal da? Silbermond hätten ihre Freude daran, endlich „etwas das bleibt“. Seien es Soundgarden, Alice In Chains, Dinosaur Jr. oder wie sie alle heissen. Sei es C.S.I. aus allen Städten der Vereinigten Staaten – oder ein alter Sack als Indiana Jones. Was eine möglichst frühe und vielfältige Musiksozialisation wirklich auszeichnet, ist, dass man nicht stehen bleibt.