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Schnitzer
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Schnitzer

Erstellt am: 18.04.2009
Autor:
Erstellt am: 18.04.2009   Autor:

Portraits

Unkonvention als Aufgabe

Wenn der Verstoss zum Leitmotiv wird, dann ist Variation und Innovation garantiert. Schnitzer sind auf leiser Sohle ungestüm und definieren die neue Schweizer Bescheidenheit.
Wenn ein beachtlicher Teil der Qualität einer Band von den Vocals bestimmt wird, dann – ja was dann? Man möchte fragen, wo die Band selbst ihre grössten Stärken sieht. Es wäre beruhigend zu hören. Nur um Zweifel zu zerstreuen. Egal was Schnitzer dazu sagen würden – ich wäre nicht mehr dem Gefühl unterworfen, mir mit ihrem Demo einen Bären aufbinden zu lassen.
Aber keine Panik. Beruhigung stellt sich gleich von allein ein. Überzeugung als glänzender Streitwagen, elf goldene Antilopen sind ihm vorgespannt. Das ist Souveränität. Kann eine Zürcher Band so vorperschen? Darf sie so bestimmt aufspielen? Spätestens seit sich Schweizer Staatsangehörige Vergleichen mit nördlichen Immigrantinnen und Immigranten unterzogen sehen, weiss man, dass Unverblümtheit nicht zu unseren nationalen Errungenschaften gehört. Schnitzer konfrontieren mit diesem Bewusstsein – auf angenehme Weise.
Wer mit gesanglichen Harmonien einen Zubringer zum Haus von Belle & Sebastian pflastert, kann diesbezüglich einiges ausrichten. Wer mit betörenden „Ah-Aah’s“ von der Dekonstruktion singt, der erstreitet sich ganz unprätentiös und bescheiden das Recht,  am alten Ort Neues zu erschaffen. Mit „12:30“ schliessen Schnitzer auf zur Tanz-Militanz. Hier machen sie ihre Mission unmissverständlich klar. Nur um darauffolgend  jeglicher Konvention mit beinahe schmerzhafter Vehemenz das Genick zu brechen. Wäre „Lie Down“ nicht so verschroben entzückend – ich hätte der Band alles Unlautere vorgeworfen.

Mit Effizienz und Exaktheit scheinen sich Schnitzer auszukennen. Schlagzeug und Bassläufe erinnern nicht selten an A Certain Ratio und ESG. Eckig und messerscharf. Ein Flair für die Form macht sich bemerkbar. Ob hier Synergien genutzt werden? Zwei Mitglieder der Band sind auch als Grafiker tätig.
Schnitzer werden demnächst ihr Debut veröffentlichen. Ich schätze, ein Vertrag mit einem namhaften Label wird bis zu diesem Zeitpunkt längst unterzeichnet sein.

Mal schauen. Wie überzeugend klang das, als letztes Mal jemand sagte „ja, wir können!“? So abgegriffen und übermütig? Ja. Schnitzer lassen in diesem Fall viele Zweifel ausräumen. Man sollte sich aber an den Namen des letzten Tracks auf dem Demo halten: „Enter Return Undo“. Und so bestreite ich, an dieser Stelle über Musik geschrieben zu haben. Ich habe von mir geschrieben.

Anspieltipps:
> Razer
> 12:30
> Lie Down

Ähnliche Künstler:
> Belle & Sebastian
> A Certain Ratio
> Olivia Tremor Control