Exit Music
Anna Aaron
Anna Aaron

Anna Aaron

Erstellt am: 18.10.2008
Autor:
Erstellt am: 18.10.2008   Autor:

Portraits

Moses kleine Schwester

Das erste Portrait zu Schweizer Künstlern widmet sich Anna Aaron, einer jungen Basler Songwriterin, die dank tiefgehenden, eigenwilligen und düsteren Folksongs mit ihrer ersten EP „I’ll Dry Your Tears Like Little Murderer“ und live überzeugt hat.

Ich mag „imfluss“, eine abwechslungsreiche Konzertreihe, die seit wenigen Jahren jeden August bei der Mittleren Brücke am Rhein in Basel stattfindet. Am 6. August hatte Anna Aaron, die mit zahlreichen Auftritten in Clubs der Deutschschweiz  begeistert  hat, ihr erstes Konzert auf diesem idyllischen Floss im Herzen Basels gespielt.

Anna hat sich dabei einen schönen Abend ausgesucht, so liessen es sich viele Schwimmer nicht nehmen, in der einkehrenden Dämmerung zwischen Floss und Rheinufer, die Aufmerksamkeit für wenige Sekunden auf sich zu richten. Man muss aber erwähnen, dass ihnen das nur schwer gelungen ist, denn Anna Aaron verzauberte das Rheinpublikum mit einem packenden und berührenden Auftritt.

Natürlich spielte sie die meisten Songs ihrer ersten EP, die sich live sehr von der gewohnten Version unterscheiden. Anna versucht „das ganze Material, das bei der Entstehung zu Verfügung stand, als eine von vielen möglichen Versuchen dem Publikum vorzuführen.“
Sie weiss, dass die Leute oft an Konzerte kommen, um bloss die ihnen bekannten Songs zu hören. Anna meint aber, dass „ein Konzert ein Anlass sein soll, bei dem man zusammenkommt, um zu sehen, was die Songs heute machen.“
Aus dieser meiner Meinung nach sehr reifen und wertvollen Haltung heraus, hört sich das hitverdächtige „Mary Ruth“ gewohnt einnehmend und durchdacht an, „Let the Street Bleed“ wirkt hingegen sehr experimentell. Zudem spielte ihr Bruder, den man im Link auf Myspace unter „The Golden“ findet, elektrische Gitarre, welche auf der ganzen EP nicht vorhanden ist.

Man merkt, dass Anna Aaron ihre Songs mit Gefühl, aber auch mit einer inneren Überzeugung und Dynamik schreibt. Wer die Lyrics genau unter die Lupe nimmt, findet sich vorerst nicht zurecht. Allmählich taucht man in Geschichten des alten Testaments ein oder wechselt mit der Erzählerin etliche Male die Perspektive.
Sie erzählt nach eigener Aussage von Verbindungspunkten zwischen schönen und traurigen Gefühlen, zum Beispiel von Liebe und Tragik in der Geschichte vom starken Samson und der schönen Delia in „The Drainout“. Ein Wink zum biblischen Aaron, der nicht nur der Bruder von Moses, sondern auch sein Sprachrohr war.

Obwohl der Abstand zum Publikum bei „imfluss“ nicht gering ist und Anna Aarons Musik in einem intimeren Rahmen vielleicht besser zu Geltung kommt, überzeugt mich vor allem ihr Mut, wie sie Songs auseinandernimmt, abwechslungsreich vorträgt und natürlich die dunkle gehaltvolle Stimme, die mit einer solchen Konsequenz durch ihren Körper geht, dass es den Zuhörer auf den glücklicherweise gut besuchten Rängen  ein bisschen friert.

Nach dem Auftritt verabschieden sich die Band und Anna vom Floss. Und erst jetzt ist der Moment gekommen, sich wieder anderem zu widmen. Unauffällig haben sich nämlich zwei Schwäne am Rheinufer getroffen und unterstützen mit ihrer blossen Anwesenheit das wunderschöne Konzert und die Stimmung noch zusätzlich.
Anna Aarons Lieblinge:
> Woven Hand – Blush Music
> Neutral Milk Hotel – In the Aeroplane over the Sea
> Mewithoutyou – Catch for us the Foxes
> PJ Harvey – Rid of Me
> Thee Silver Mount Zion Memorial Orchestra And Tra-La-La Band – Horses in the Sky{/xtypo_code}
> Hören und Kaufen > MySpace > Last.fm > imfluss

Diskographie:
> I’ll Dry Your Tears Like Little Murderer EP (2008)

Ähnliche Künstler:
> PJ Harvey
> Oktober Birke
> Sophie Hunger
> Woven Hand
> Sixteen Horsepower