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Telefoninterview mit Kurt Ebelhäuser von Scumbucket
Telefoninterview mit Kurt Ebelhäuser von Scumbucket

Telefoninterview mit Kurt Ebelhäuser von Scumbucket

Erstellt am: 08.06.2010
Autor:
Erstellt am: 08.06.2010   Autor:

Interviews

Bereits im Februar, also bevor ich das neue Album „Sarsaparilla“ ausgiebig hören konnte, hatte ich die Gelegenheit, per Telefon ein paar Worte mit Kurt Ebelhäuser, Kopf der Band Scumbucket sowie Produzent verschiedenster Bands im eigenen Tonstudio 45, zu wechseln. Hier die Niederschrift des Gespräches, welches sich vor allem um „Sarsaparilla“ drehte.

Philipp Gautschi: Hallo Kurt, mein Name ist Philipp Gautschi, ich schreibe für das Onlinemusikmagazin exitmusic.ch die eine oder andere Rezension zu aktueller Musik jenseits des Radios. Ich bin seit etwa 10 Jahren ein grosser Bewunderer eurer Musik und danke schon mal im Voraus für deine Zeit…

Wie geht’s? Hattest du ’nen vernünftigen Tag? 

Kurt Ebelhäuser:  Mir geht’s gut, eh, ich bin schon wieder am Arbeiten im Studio.

Arne von Noise-o-lution hat „Sarsaparilla“ bereits gehört und sprach vom ’BESTEN Scumbucket-Album ever’. Ich habe bisher nur Spitting Speed gehört, dieses wird bei Noise-o-lution zum Download angeboten, das Stück macht ja ungeheuerlich Lust auf mehr.

Was kannst du mir zum neuen Album ’Sarsaparilla’ verraten? Bzw. worauf darf man sich als Bewunderer eurer Musik gefasst machen?

Also das Album ist sehr sehr vielseitig, sind die Alben zwar alle…aber, ja es ist halt…es ist schneller als die anderen Alben und es ist wuchtiger…und der Sound ist halt dicker; es hat ’nen richtig dicken, runden Sound. Aber ich sag mal, das ist natürlich Geschmackssache, wenn einer sagt dieses oder jenes Album ist besser. Also ich find die Platte auch verdammt gut, es macht es richtig Spass sie zu hören, aber für mich ist jede Platte mit Scumbucket immer ein Genuss und für mich ist eh jede neue Platte von Scumbucket die Beste.

Geht mir genau so. Ich habe mich im Netz schlau gemacht und habe rausgefunden, dass Sarsaparilla eine Stechwinde, also irgendeine Kletterpflanze ist.

Genau.


PG: Diese wurde anscheinend im Mittelalter zur Behandlung von Syphillis angewendet.

Ja.

Bezieht ihr euch beim Albumtitel auf diese Pflanze oder was bedeutet dieser für euch?

Der Titel ist so gewollt. Es geht darum, dass diese Stechpflanze eigentlich auch eine Art Unkraut ist. Und aus diesem Unkraut werden anscheinend Gesundheitsmittel gemacht gegen Syphillis oder was auch immer. Es ist ja so z.B. ein Unkraut, was nie vergeht und das kann man dann halt im weitesten Sinne so sehen, dass wir als Band gleichzeitig ein unvergängliches Unkraut und ein Gesundheitsmittel sind.

Machen wir einen Schritt zurück zu eurer letzten Veröffentlichung. Ich war entzückt, als ich „Heliophobia“ erstmals hörte. Ich kannte „Heliophobe“ bereits, war jedoch von der Wucht der neuen Aufnahmen begeistert. 

Ja.

Wie ich Scumbucket kenne und einschätze, war das Interesse wohl kaum ein kommerzielles. Weshalb also die Neuauflage?

Die Idee kam halt von Dylan, den damaligen Bassisten, der jetzt wieder Bassist ist der ja…wir haben halt 10jähriges Jubiläum gehabt vor drei Jahren oder jetzt mittlerweile vier und dann wollten wir ’n Special machen und ich hatte keine Heliophbe mehr; die Alte; und wollte mir eine neue kaufen und bekam die nicht im Internet, sondern gelangte an ’nen Händler, der 89 Euro verlangen wollte und da war ich halt auch ein bisschen sauer und hab das dann den Jungs gesagt…wir treffen uns einfach mal aus Spass an der Freude wegen der langen Zeit und spielen das Album neu ein.

Ihr macht eine kleine Tour, um das neue Album vorzustellen, im Sommer sind verschiedene Festivals in Planung. Führt euch eure Reise auch mal wieder in die Schweiz? 

Ja, im September ist ne grössere Tour geplant und da finden auch zwei Konzerte in der Schweiz statt.

Da bin ich natürlich wieder anwesend.

Super.

Wie sind eure Erfahrungen mit der Schweiz allgemein? Ich habe von Bands schon gehört dass das Schweizer Publikum eher unterkühlt und zurückhaltend ist.

Find ich überhaupt nicht, ich finde dass die Schweizer einen verdammt…einen richtig guten Musikgeschmack haben und ich bin halt sehr gerne in der Schweiz…es gibt halt Kompromisse, die man machen muss, zum Beispiel, dass ihr ’n Problem mit der Lautstärke habt, ja da muss man sich dran gewöhnen. Aber in der Schweiz zu spielen macht immer riesigen Spass und man merkt halt dass das Schweizer Publikum die Musik noch als Kultur ansieht, sie geniesst und davon auch Ahnung hat. Also ich mag die Schweiz sehr gut.

Wer beeinflusst euch in eurem Schaffen? Wer inspiriert euch? Woher kommen diese eure Ideen und wie entsteht der einzigartige Scumbucket-Sound?

Das ist glaub ich eine ööh, ja, halt eh…ist halt eher so ’ne Emotionssache, wie man drauf ist. Wenn man gut drauf ist passiert halt was besseres und umgekehrt…also Inspiration gibt es eigentlich so gut wie keine, ausser die persönliche Inspiration, dass heisst wenn wir alle drei Mitspieler gut drauf sind und total Bock haben inspirieren wir uns gegenseitig, aber musikalisch gibt’s von mir leider keine Inspirationsquelle, weil ich halt viel zu viel Musik mache…und ich höre zuhause auch überhaupt keine Musik und gar nichts.

Mittlerweile ist mir bekannt, dass im Tonstudio 45 immer wieder grossartige Alben entstehen. Spontan kommt mit „Avoid the Light’“von LongDistanceCalling in den Sinn.
Ich hab euch schon ein paar Mal, auch mit Blackmail, spielen gesehen und erinnere mich an Konzerte, wo du mit deinem Bruder z.B. das Höllenriff von „Images of Devils Burn“ vom Album ’Kiss than Kind’ ohne Gesang während ’ner Viertelstunde vorgetragen habt. So als Zugabe jeweils. Dies erinnerte mich jeweils schwer an Postrock. Dies waren jeweils ganz grosse Momente für mich als Liebhaber des instrumentalen Rocks. Darum: habt ihr, als Freunde der breiten Gitarrenwände, schon mal mit dem Gedanken gespielt, ein Postrock-Album bzw. eine Instrumentalplatte aufzunehmen.

Also ich bin noch nie auf die Idee gekommen, aber die Idee ist glaub ich gut, da hätte ich mal Lust drauf.

Ich dachte, das wäre was für euch.

Ja, da spart man sich zu singen und spart sich auch Texte zu schreiben. Ist ne gute Idee, wenn ich irgendwann mal Zeit habe, werde ich das versuchen. Aber nicht mit Scumbucket, vielleicht mit einem anderen Ding. Ne Instrumentalplatte ist glaub ich gar nicht schlecht, die Sache.

Zum Schluss eine Frage die wir allen Musikern, mit denen wir in Kontakt treten stellen: Kannst du mir spontan deine 5 wichtigsten oder liebsten Alben der letzten 10 Jahre nennen? Gibt es Alben auf welche du nicht mehr verzichten könntest?

Okeee, dann muss ich mal überlegen.

Ist schwierig so auf die Schnelle…

Da gibt es aber…da gibt’s zum Beispiel …ich glaube die zweite Trail Of Dead, ich weiss nicht mehr wie die heisst, die find ich sensationell, die gehört zu den Besten…supertoll ist auch die Built to spill – „Keep It Like a Secret“; Die „Sebadoh“…wie heisst die noch mal ? Ah, „Bakesale’“dann eh, noch mal überlegen…welche Platte hab ich denn immer gehört in den letzten 10 Jahren …was ich auch finde ist, das die „OK Computer“ von Radiohead auch ne Hammerplatte ist…aber die ist aber schon länger her als 10 Jahre, oder?

Ich glaub die ist von 1997…

Die ist super…und eh…warte mal…weiss ich gar nicht…jetzt wird’s schwierig…ganz kurz noch mal überlegen…mmmh…ist schwierig…durch den Kopf gehen lassen, welche Platte…“Spain“…aber wie die heisst weiss ich nicht mehr, die zweite Spain…Spain gibt’s nicht mehr aber die haben 2002 noch eine …ne die dritte Spain…da musst du mal recherchieren…die find ich auch ganz ganz grossartig. Dann eh…ja, mir fällt sonst nichts mehr ein.

Das wäre soweit alles, was ich hier kurz fragen wollte…Herzlichen Dank für deine Zeit.

Ich danke auch.

Ich freu mich aufs Album, Arne wird mir „Sarsaparilla“ zukommen lassen und ich schreib dann ’nen Text drüber, der zusammen mit dem Interview auf unsere Seite kommt und mach die Schweizer Hörer entsprechend darauf aufmerksam.

Super…und der Arne hat dir „Spitting Speed“ mitgegeben oder hat der das so verschickt?

Nein, der Song wird bei nois-o-lution zum download angeboten.

Ach super, ist nämlich n geiler Song.

Na schön, dann freu ich mich, vielleicht lernen wir uns ja kennen.

Ja, bestimmt beim nächsten Konzert.

Alles klar, dann wünsch ich dir ’nen schönen Tag. Tschö

Ebenfalls. Dankesehr.