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Interview mit Yo La Tengo

Interview mit Yo La Tengo

Erstellt am: 11.12.2006
Autor:
Erstellt am: 11.12.2006   Autor:

Interviews

Interview mit dem erschöpften und verdammt coolen James McNew, Bassist von Yo La Tengo, am 25. November 2006 im Fri-Son, Fribourg.

Not too hot and not too cold

James McNew hat sich trotz Müdigkeit die Zeit genommen, mit mir über Flirtversuche auf der Bühne
und seinen geheimen Fling aus Hollywood zu plaudern.

James, wie geht es dir? (in der Tasche herumwühlend) Tut mir Leid, diese Tasche ist echt ein Bermudadreieck. (lacht)
(lacht) Kein Problem. Ich bin ein wenig müde, aber abgesehen davon geht es mir sehr gut, danke. Und dir?
Mir auch, danke.

Freust du dich auf den Auftritt nachher?

Ja, sehr. Wir waren schon lange nicht mehr in der Schweiz. Ich kenne von hier bloss…
…Lausanne?
Genau, Lausanne. Und noch einen anderen Ort, aber dessen Name habe ich vergessen.

Und wie war die Tour bis jetzt?
Es war recht spassig, aber auch lang – wir sind alle ziemlich erschlagen.
Das kann ich mir vorstellen.

Generell geht es uns aber sehr gut. Es gibt halt diese Momente am Tag, wo man denkt: „Oh mein Gott, ich werde gleich tot umfallen, so müde bin ich!“. Selbstverständlich findet sowas nie nachts statt, wenn man auch tatsächlich ein paar Stündchen schlafen könnte.
Selbstverständlich nicht.
Aber hey – ich meine, ich sitze gerade bei Kaffee und Kuchen in der Schweiz und unterhalte mich nett; es ist toll. Die Tour ist toll. All die neuen Orte, die wir besuchen, die neuen Leute, die neuen Gewohnheiten; das war für mich schon immer der interessanteste Teil an der ganzen Sache.

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Wo hat es dir denn bis jetzt am besten gefallen? Kann man das so einordnen?
Es fällt mir schwer, aber ich kann es versuchen. Sehr gute Konzerte haben wir bisher vor allen Dingen in Berlin und Hamburg gespielt, schätze ich.
Good old Germany, hm?
Genau. Ach, und in Paris. [An dieser Stelle gelöscht: Die übliche und fast schon obligate Lobeshymne der Interviewerin an die französische Hauptstadt] Allgemein ist es aber so, dass ich sowieso bloss Lokale und Bühnen in Erinnerung behalte. Ich kann mich noch gut an unsere erste Tour durch Europa erinnern und an meine Mutter, die mich gefragt hat, wie es beispielsweise in Paris war; alles, was ich ihr sagen konnte, war: „Ach, weißt du, es war halt ein Rockclub: Beim Badezimmer gab es keine Tür und die Wände waren schwarz.“.

Apropos Badezimmer: Ihr taucht in einer Gilmore Girls-Folge auf. (lacht) Wie war das für euch, wie war das für dich?
Fantastisch! Es war einfach nur fantastisch!
Welche Episode war das denn?
Wenn ich mich recht erinnere, handelt es sich dabei um die letzte Folge der sechsten Staffel.
Und es hat mir wirklich grossen Spass gemacht.
Ihr habt euch selbst gespielt, oder?
Genau. Es gibt doch diesen immer wiederkehrenden Charakter in der Serie, diese Art Troubadour; weißt du, wen ich meine?
Machst du Witze? Ich bin dieser Troubadour! (lacht) Gab es nicht sogar einmal eine Folge, während welcher noch ein zweiter aufgetaucht ist, woraufhin dann ein heftiger Kampf um den Posten entbrannte? (lacht)
Ja! (lacht) Dieser zweite Troubadour war auch bei “unserer” Folge mit dabei; er heisst Dave „Gruber“ Allen und gehört zu den besten Comedians der Welt, würde ich sagen.
Auf jeden Fall wird der erste Troubadour in dieser Folge entdeckt und verlässt die Stadt. Daraufhin versammeln sich viele, viele neue Musiker in Stars Hollow, die seine Nachfolge antreten möchten, bevor dann zu guter Letzt auch Bands am Wettbewerb teilnehmen.
Und ihr wart eine davon?
Exakt. Ausserdem waren da noch Stars, Sonic Youth etc. Es war wirklich cool, ich meine, ich sehe mir diese Show an und dann plötzlich bin ich mitten drin. In diesem Augenblick konnte ich die Linie zwischen Fantasie und Realität nicht mehr ziehen, wirklich. (lächelt)
Insbesondere fiel es mir schwer, mich auf meine Rolle zu konzentrieren, als Paris die Bildfläche betrat. (lacht)
Du stehst auf Paris? Nicht im Ernst, oder?
Ich weiss, sie ist ziemlich verquer.
Oh ja. Dann nimm doch Lane. Lane ist doch wirklich ungeheuer cool. Und musikalisch; das muss jemandem wie dir doch auch wichtig sein. (lacht)
Lane ist toll, keine Frage. Aus irgendeinem Grund war es für mich aber immer Paris. (lacht)

In Ordnung. Dann habe ich eine andere Frage an dich: Ist es manchmal seltsam oder sogar nervenaufreibend, dass Georgia und Ira verheiratet sind?
Nur für die Beiden. (lacht) Für mich gar nicht.
Ich stelle mir das so merkwürdig vor. Kommt es nicht vor, dass sie dann Dinge, die die Band betreffen, besprechen und entscheiden, wenn sie beispielsweise gerade im Garten Blumen pflanzen? Entschuldige das dumme Beispiel; meine Rhetorik hinkt seit einigen Tagen etwas. (lacht)
Weißt du, ich glaube, es gibt viele Bands dort draussen, die überhaupt nicht miteinander sprechen.
Das ist allerdings wahr.
Und wir unterhalten uns andauernd – vielleicht nicht immer zu dritt, aber irgendeinen Austausch gibt es immer. Und ich finde das gut.

Okay; was mir aufgefallen ist, und korrigier mich nur, falls ich damit total falsch liegen sollte, ist, dass der Unterschied zwischen „I’m Not Afraid Of You And I Will Beat Your Ass“ und den vorhergehenden Alben darauf besteht, dass euer jüngstes Werk den Ausdruck macht, ein wenig kreativer und eklektischer zu sein. Wie euer eigenes „Sgt. Peppers“. (lacht)
(lacht) Ich schätze, für uns ist es ganz natürlich, sowas zu machen. Ich meine, wir haben nicht probiert, ein Mixtape oder etwa Ähnliches zu konstruieren; die Dinge kommen eben, wie sie kommen. Wir mögen viele verschiedene Sachen, deswegen gibt es auf unserem Album viele verschiedene Einflüsse. Ich glaube daran, dass man unterschiedliche Seiten von sich selbst zeigen kann, ohne seine Persönlichkeit zu verlieren. Das haben wir austesten wollen.

Das sehe ich auch so. Würdest du versuchen, eine Frau durch dein Musikerdasein beeindrucken zu wollen? Würdest du einen Auftritt auf der Bühne beispielsweise für eine romantische Geste nutzen?
Gosh. (schnaubt)
Entschuldige, ist das eine unangebrachte Frage?
Nein, keinesfalls. Mir wird nur gerade klar, dass ich etwas Derartiges noch nie gemacht habe. Das sollte ich aber, was?
Ich denke schon, ja.
Ich nutze die Vorteile meiner Position tatsächlich nicht richtig aus. Und jetzt, wo ich 38 Jahre alt bin, sollte ich vielleicht wirklich versuchen, etwas daran zu arbeiten. (lacht) Heute Abend werde ich gleich damit beginnen. Danke für den Tipp! (lacht)
Gern geschehen. (lacht)
Versuch nachher, ganz vorne zu stehen. (lacht)
Ich kann leider nicht bleiben, aber ich werde es meinen Freundinnen sagen.
Tu das. (lächelt)

Wenn man bei Google nach euch sucht, erscheinen ein paar ziemlich interessante Resultate.
Ja?
Ich finde schon. Probier das mal aus. “Yo La Tengo are in the enviable position of being not too hot and not too cold.” fand ich beispielsweise ziemlich cool.
Toll! (lacht) So ist es! Ich meine, wenn es bei Google geschrieben steht, muss es ja wahr sein.

Genau. (lacht) Und wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus? Erstmal schlafen?

Oh ja. Sehr viel schlafen. Und dann sind wir in einer Woche endlich zu Hause.
Dann kannst du ja Weihnachten zu Hause verbringen, schön.
Ja. (lächelt) Darauf freue ich mich auch schon sehr. Ich werde die Festtage mit Familie und Freunden verbringen, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe.
Und Silvester? Weißt du das schon?
Diesbezüglich habe ich noch keine Pläne. Vermutlich schlafe ich um 23:00 Uhr ein. (lacht)
Das wäre vielleicht nicht das Schlechteste.
Ende Januar werden wir dann wieder auf Tour gehen; auf der Liste stehen Amerika, Japan, Australien und Singapur. Ich kann es kaum erwarten, das wird bestimmt super.
Schön, das freut mich für euch.

Dann wären wir auch schon beim Ende angelangt. Vielen lieben Dank für deine Zeit.
Ich danke dir.
Als kleine Erinnerung habe ich dir Schweizer Schokolade mitgebracht.
Nein, ist das süss! Wow! Danke.
Keine Ursache. Eigentlich hatte ich ja vier Tafeln mitbringen wollen, aber dann habe ich den Zug verpasst und eine ganze Tafel alleine gegessen. (lacht)
Das verstehe ich vollkommen. Danke nochmals!

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Foto: Nadja El Kinani