Exit Music
Interview mit William White
Interview mit William White

Interview mit William White

Erstellt am: 17.02.2008
Autor:
Erstellt am: 17.02.2008   Autor:

Interviews

Macht euch keine Sorgen. Es kommt schon gut.“

Anlässlich der Veröffentlichung seines zweiten Soloalbums trafen wir William White zu einem langen Gespräch über Glauben und Hoffnung, das Älterwerden und die Sprache des Herzens.

Um mit dem Albumtitel „Evolution“ zu beginnen: Wie siehst du deine persönliche Entwicklung über die vergangenen Jahre? Was bedeutet „Evolution“ für dich? Und in welchem Bezug steht der Albumtitel mit dem ersten Lied? Darin singst du ja von Geschwisterliebe und darüber, dass die „Evolution“ gerade erst begonnen hat.
„Evolution“ drückt für mich in erster Linie die Freude darüber aus, zu merken, wie weit man gekommen ist. Am Anfang versucht man doch einfach, die Sache so gut wie möglich zu machen, sich selbst zu zeigen und keine grossen Erwartungen zu hegen. Inzwischen weiss ich allerdings, was ich wirklich will und wie gewisse Probleme zu umgehen sind. So habe ich mich zweifelsohne auch technisch stark verbessert. Man hört der Musik die Zeit an, die vergangen ist. Das ist der eine Aspekt. Der andere: Das erste Lied soll alle und auch mich lehren: Macht euch keine Sorgen, es kommt schon gut. Die Evolution geht in eine gute Richtung, und hat eigentlich erst begonnen.

Genau wie das Album an diesem Punkt auch erst begonnen hat…
Richtig. Zu hoffen und vor allem daran zu glauben, dass es gut kommt, ist schon die halbe Miete. (lacht)

Davon singst du an einer Stelle explizit: „You gotta keep believing“. An was glaubst du? Du hast ja einiges erreicht – vor wenigen Jahren noch hast du von der Sozialhilfe gelebt. Ist eine Botschaft deiner Musik vielleicht, niemals aufzugeben? Dass man es schafft, wenn man nur will?
Das ist definitiv ein Teil davon. Eine weitere Message ist ganz klar, sich selbst stets treu zu bleiben. Weisst du, es gibt viele Wege, etwas zu tun. In erster Linie soll man etwas für sich selber machen und erst dann für alle anderen. Punkt. Natürlich will man den Menschen Geschichten erzählen, aber man sollte einfach versuchen, einen gesunden Egoismus aufzubauen und nicht der Versuchung zu erliegen, zuerst immer für alle anderen und erst am Schluss für sich selber zu schauen. Wenn man ehrlich arbeitet, gibt das einem auch die Möglichkeit, sich selbst zu öffnen, die anderen darüber aufzuklären, wer man ist. Diese Art der Verarbeitung lässt den inneren Kampf eines jeden Menschen entspannen. Die Leute merken, dass sie nicht die einzigen sind mit diesen oder jenen Problemen. Jeder Mensch trägt das Best- und Schlechtmöglichste in sich. Natürlich wird man auch angreifbar, wenn man etwas von sich preisgibt. Aber man muss es einfach machen. Hauptsächlich für einen selber. Insofern müssen einem die Reaktionen anderer Leute egal sein.

Musik ist deiner Meinung nach also ein gutes Medium, sich auszudrücken?
Musik ist MEIN Medium. Nichts anderes.

Was bedeutet denn Musik für Dich?
Hhm, ich weiss es nicht. Musik war einfach die allererste Sache, die mich tief im Herzen berührt hat und die ohne Erklärung in meinem Leben das Allerwichtigste geblieben ist. Dies war schon so, als ich noch ganz klein war und das Mami für mich natürlich das Wichtigste war. Sobald ein gutes Lied lief und ich alt genug war, um in der Nähe des Radios zu sein – egal, was ich gerade am Machen war -, stand ich da und bin nicht wieder gegangen, bis das Lied fertig war. Ich habe es analysiert, nachgesungen, habe den Text auseinandergenommen und gedacht: „Wow, das ist so schön ausgedrückt, so schön erzählt!“ Das hat mich sofort angezogen. Ich kann nicht sagen, wann genau ich Musiker geworden bin und was mich dazu bewogen hat, keine Ahnung. Ich habe mich einfach entscheiden, dass Musikmachen mein ganz persönlicher Weg ist.

Hast du dich vielleicht auch deshalb entschieden, solo weiterzumachen? Nach der Bandzeit mit Liz Libido?
Ja. Die Liz Libido-Zeiten waren wirklich super, wir haben überall ein wenig gerockt, und es hat sehr viel Spass gemacht. Irgendwann habe ich – und auch andere Bandmitglieder – aber einfach gemerkt, dass ich in dieser Form nicht zu meinem Ausdruck komme. Die Band hat einen schönen, natürlichen Tod erlebt; wir konnten wirklich in Frieden auseinandergehen und jeder hat seine Projekte gemacht. Und jetzt sind alle immer noch funktionierende Musiker in verschiedenen Bands, teilweise ziemlich berühmte. Es ist für alle wirklich schön ausgegangen. Mir selbst war halt einfach wirklich wichtig, dass ich unabhängig von der Beurteilung anderer Personen haargenau das machen kann, was ich im Kopf habe. Wenn man eben als Band arbeitet, sind es immer mehrere Leute, die an den Songs beteiligt sind. Ich wollte schauen, wie es ist, die Musik alleine genau so herauszubringen, wie ich sie in meinem Kopf hörte. So habe ich mich entschieden, solo weiterzumachen. Ich musste es einfach versuchen, denn ich habe gewusst, dass ich auch nur älter werden würde… Anstatt die ganze Zeit nur davon zu träumen, wollte ich es ausprobieren.

Wird dies auch weiterhin dein Weg sein? Alleine?
Definitiv.

Welches ist für dich der interessanteste Aspekt am Musikersein?
Der Austausch zwischen mir und dem Publikum; wenn man merkt, dass das Einfachste der Welt einfach funktioniert. Das ist das Schönste, das man sich als Musiker wünschen kann. Dass die Leute finden: „Sooo geil!“. Und dabei hat man ja eigentlich gar nichts gemacht! Man hat nur das gemacht, was man halt macht. Früher haben die Leute gesagt: „Mache die Augen nicht so auf auf der Bühne“ und dies und jenes, so viele technische Dinge, „das macht man nicht, das ist nicht professionell“, alles Crap. Man muss es so machen, wie es zu einem passt. Das einzig Spezielle an dir selbst bist du. Das Einzige, das du anders machen kannst als jemand anderes, bist Du. Wenn man das irgendwie benutzen und sich kommunizieren kann, fliegt der Funke sicher.

Wie war es, das neue Album aufzunehmen nach dem Erfolg des ersten? War der Druck nicht immens?
Ja, das war es, ich weiss noch, wie ich es zu Beginn empfunden habe. Aber jetzt es ist bereits vorbei. Der ganze Druck ist irgendwie einfach verschwunden. Wenn man zu arbeiten beginnt und merkt, dass die Lieder cool sind und man selber sie liebt, geht der Druck von alleine weg. Dann kommt wieder der gesunde Egoismus und man sagt sich: Ja genau, du machst es ja für dich. Du machst es jetzt von dir aus. Das muss schon etwas wert sein. Nur schon die Ehrlichkeit und das Herz, das man investiert. Aber wenn ich die zwei Platten nebeneinander höre, finde ich natürlich schon, dass die zweite extrem anders ist als die erste. Aber alle anderen finden, man würde mich sofort wiedererkennen. Manchmal denkt man selber einfach zu viel nach. Die Leute, die deine Musik lieben und die dich lieben, werden das immer verstehen. Es bringt nichts, sich von der Angst behindern zu lassen. Hey, meine Fans sind ja auch zwei, drei Jahre älter als zu dem Zeitpunkt, als meine erste Platte rausgekommen ist… Sie hören Musik jetzt auch anders. Man kann nie meinen, man könne für alle denken. Man kann nur für sich selber denken.

Ich habe auf deiner Webseite von einem grossen internationalen Interesse an deiner Musik gelesen. Wie sieht es diesbezüglich aus? Entwickelt sich das weiter?
Es entwickelt sich weiter… Es werden ein paar Dinge kommen. Die Platte erscheint im Herbst auch in Deutschland. Sehr viele Dinge werden für mich vorbereitet, aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Mein Hauptfokus liegt auf der Schweiz, denn ich lebe hier. Je mehr Anerkennung ich hier erhalte, desto einfacher ist es im Ausland. Es hat keinen Sinn, im Ausland zu laut herumzuschreien, bevor man im eigenen Land etwas geschafft hat.

In den Rezensionen deines ersten Albums ist stets zu lesen, dass du wie Jack Johnson & Co. klingen würdest. Wie würdest du selbst deine Musik denn klassifizieren?
Meine Musik ist das Resultat von all der Musik, die ich gehört und geliebt habe und des Einflusses all der Musiker, die ich respektiere und konsumiert habe.

Welche sind dies?
Bob Marley & The Wailers sind einfach top of the list, aufgrund ihrer Arbeitsweise, groovetechnisch, aussagetechnisch – das ist einfach die bewegendste Sache überhaupt in meinem Leben als Musiker und war es bereits als Kind. Dann gibt es natürlich noch Marvin Gaye, Curtis Mayfeld, Bootsy Collins, dann geht’s weiter zu den BeeGees, einfach dorthin, wo Musik noch richtig handgemacht gewesen ist. Auch Michael Jacksons „Thriller“ – Musik, die ich eigentlich nicht gerne habe, aber wo ich doch nicht verneinen konnte, dass sie gut ist. Ich habe gemerkt, dass es doch auch neuere Sachen gibt, die gut sind. Schon als Kind war ich ja recht engstirnig: Alles was neu ist, ist Schrott, alles, was alt ist, ist gut.

Hat sich das inzwischen ein wenig geändert?
Ja, klar, natürlich! (lacht)

Na ja, Du hast jetzt schon ausschliesslich ältere Musiker genannt…
Logisch, ich stehe halt schon ein wenig auf diese Musik… Wobei es wahrscheinlich nicht unbedingt die Musiker, sondern auch die Szene ist, die mich begeistert. Damals konnte man sich als Künstler wirklich noch Künstler nennen. Da war kein Vertrag, der einen zu einem Künstler gemacht hat. Es war Kunst, es war Arbeit. Ich finde es unglaublich, dass man das heutzutage nicht mehr sieht. Es gibt so viele charakterlose Gesichter, im Fernsehen, in den Charts. Sie vergessen, worum’s eigentlich geht: Die Musik soll ein Ausdruck von einem selbst sein. Auf keinen Fall kann und darf man den Leuten vorschreiben, was sie jetzt gern haben sollen. Das fehlt mir heutzutage so sehr in der Musikszene: Wahre, ehrliche Kunst, wahre Aussagen, Persönlichkeit, persönliche Anerkennung eines Künstlers. Sehr wenige Künstler heutzutage dürfen resp. können machen, was sie wollen, egal, ob’s einmal so ist und einmal so. Wenn man die Rolling Stones am Anfang gehört hat und die Rolling Stones am Schluss gehört hat, dann hört man komplett verschiedene Musik und keiner hat damals irgendetwas gesagt, aber jeder junge Künstler muss unbedingt genau das machen, was er letztes Mal gemacht hat, sonst geht es nicht. Deshalb arbeite ich auch nicht mit Plattenfirmen und all dem Zeugs zusammen. Ich hoffe, dass meine Fans diese Freiheit ebenfalls zu schätzen wissen und sich über meinen Sound freuen – sei es Reggae, Funk, Soul, Pop, was auch immer, das kommt alles vor auf meiner Platte. Am Anfang war diese Uneinheitlichkeit die grösste Kritik und jetzt ist es das grösste Kompliment.

Geht man mit der Freiheit nicht auch ein Risiko ein? Diejenigen Musiker, die enger mit Plattenfirmen arbeiten, müssen sich zwar vielleicht ein wenig einschränken, haben aber auch zweifelsohne mehr Sicherheit als du.
Nein, das hier ist für mich der risikoärmste Weg – der Weg direkt aus dem Herzen. Das Herz weiss einfach viel mehr, es kommt besser draus. Wenn es dich selber berührt, sind die Chancen viel höher, dass es jemand anderen auch berührt, als wenn du etwas akribisch genau nach Plan schreibst. Das ist der sicherste Weg. Was auch immer passiert: Wenn du dahinter stehen kannst, wird es dich nie niederschmettern. Du wirst immer deine Leute finden, die das gut finden. Du wirst immer die richtigen Komplimente erhalten. Die richtigen Komplimente sind die ganz persönlichen Dinge, die einen zurückberühren. Die Leute sagen vielleicht: „Hey, so coolen Sound“, dann erzählen sie vielleicht etwas Persönliches; dass sie die Musik morgens zum Aufstehen hören. Oder: „Ich höre das jeden Tag, wenn ich arbeiten gehe“, „wir waren in den Ferien, wir haben immer nur deine CD laufen lassen, alle Leute haben immer gefragt, wer der Sänger sei“. Das ist Leben, ein Stück des Lebens, das ich beeinflusst habe und das ist eigentlich das Ziel von dem, was ich überhaupt mache. Dass es irgendwo Leute gibt, die von meiner Musik berührt werden. Wie ich, als ich klein war, am Radio geklebt habe und das Lied etwas mit mir gemacht hat; entweder Fragen gestellt oder schöne Geschichten oder traurige Geschichten erzählt. Einfach literarische, schöne Lieder. Das vermisse ich heute sehr in der Musikszene. Es ist alles gebunden an zwei, drei Wörter. Und das sind immer dieselben, je nach Branche. Keine Aussage, kein Herz.

Und alles ist ausnehmend schnell und vor allem: schnelllebig. Du hast ja selber einmal gesagt, das Herz brauche Zeit, um zu arbeiten.
Ja, weisst du, es braucht immer ein wenig Mut, nicht unbedingt Risikofreude, sondern Mut. Jedes Mal, wenn Du ein Lied schreibst von tief heraus, gibst du etwas von dir preis und du meinst immer, jetzt verstehen sie mich, jetzt wissen sie, dass doch nicht alles gut ist mit mir oder was auch immer und jetzt wissen sie, dass ich so ein Softie bin. Man muss das wirklich in den Hintergrund schieben und sagen, schaut, das bin ich und ich mache das so. Die meisten verstehen nicht ganz genau, was du sagst, sie sehen es aus ihrer Perspektive. Du kannst was auch immer schreiben, wenn es Herzenssprache ist, werden sie das schon verstehen, aber von ihrem Herzen aus und nicht unbedingt intellektuell. Und es funktioniert. Ich hoffe, dass coole Herzensmusik wieder mindestens eine Sparte in der Musikindustrie einnimmt.

Dann geht die Musikindustrie deiner Meinung nach einen falschen Weg?
Uh, sie lernen schnell. Geld schafft nicht alles, Macht schafft nicht alles. Das ist eine Legacy, die wir noch von den 80er/90er Jahren haben, als sie gedacht haben: „Wir sind die Musikmacher und wenn wir sagen, dass es gut ist, ist es gut.“ Sie haben in dem Sinn einen Riesenmainstream geschaffen, sehr rentabel, aber problematisch. Das Business ist voller Konfusion, Machtkämpfe und Geldausgeberei. Dann kommt das Internet und schmettert alles nieder. Das Einzige, das meiner Meinung nach funktioniert, ist das Herzenszeug…. Andererseits hat natürlich jeder Mainstream seinen Underground. Je grösser der Mainstream, desto grösser der Unterground. Je mehr Mainstream im Radio läuft, desto mehr Bock haben die Leute, etwas anderes zu hören.

Wieder eine Frage zur Musik selber: Du bist ja in Barbados aufgewachsen und mit 19 in die Schweiz gekommen. Für welche Elemente hast du die Inspiration eher in der Schweiz gefunden und für welche eher in Barbados?
Ich bin halt so aufgewachsen. Es ist die Art der Musik, die ich gelernt habe und die mich berührt hat. Vor kurzem habe ich irgendetwas gelesen, irgendein Interview von einem anderen Künstler; er hat gesagt, dass jeder Künstler seine Bibliothek hat von dem, das er gerne gehabt und erlebt hat. Er hat sich als Künstler damit auseinandergesetzt und eigentlich ist das der ganze Prozess: Du erhältst Inspirationen; der Fingerabdruck dieser Dinge bleibt dann einfach bei einem. Ja, das ist die Entwicklung. Von der Schweizer Musikszene seit meinem Umzug habe ich sehr wenig in mir drin. Die ganzen Bilder und Jahre sind schon ziemlich vorbei; das macht mich halt einfach anders. Aber das ist ein Problem für diejenigen, die Schweizer Musik überhaupt als Begriff um sich schmeissen. Die kriegen dann ein Problem, wenn sie sagen: „Das ist Schweizer Musik, klingt aber nicht wie Schweizer Musik.“ Wenn man das diskutieren will, nur zu… Diese Frage kommt von Journalisten viel, weil das eben ein Thema in der Landschaft ist. Das kommt immer wieder. „Wieso bist Du nicht so schweizerisch?“ „Empfindest Du dich als Schweizer Musiker?“ Es gibt hunderttausend Wege, dieselbe Frage zu stellen. Ich muss immer sagen: Musik ist Musik. Ich lebe jetzt nun mal hier. Was ist denn überhaupt schweizerisch an Bass, Schlagzeug und Gitarre? Überhaupt gar nichts. Was ist schweizerisch an Rock’n’Roll? An moderner Popmusik? Gar nichts. Es ist fast nachteilig, immer auf dieser Ebene zu überlegen. Ich kritisiere dich jetzt nicht, ich gebe einfach meine Meinung ab zum ganzen Thema. Es beschäftigt mich absolut nicht. Es ist einfach schade, dass Leute so denken. Diese Klassifizierung verunmöglicht ein echtes Zuhören. Für was eigentlich, wieso, warum? Entweder hat man es gern oder nicht. Wenn jetzt Seal hier in der Schweiz wohnen würde, wäre es auch Schweizer Musik? Nein. Wie auch immer man es ausdrücken will – es ist Musik, einfach Musik. Und ich bin froh, dass doch auch einige Schweizer meine Musik gern haben.

Deine neuen Lieder handeln fast ausschliesslich von der Liebe – in immer anderer Form. Ist das dein beabsichtigtes Hauptthema auf der neuen Platte?
Irgendwie ist das auch wieder reingerutscht… Ich werde auch recht hochgenommen dafür. Jeder zweite Songtitel hat „Love“ drin. (lacht) Aber ich lache immer drüber, ich bin halt ein Softie und auch ein wenig… ich will nicht spirituell sagen… aber ich finde einfach, Liebe ist die basic Moral der Welt. Auch wenn einer Geld liebt, sieht man, was Liebe mit ihm macht, also was er macht wegen der Liebe. Sie treibt einen komplett und immer voran, die Liebe.

Genau davon singst du ja im Lied „Sweet Love“, indem du die Liebe mit einem Fluss gleichsetzt.
In dem Lied schildere ich die Liebe als die grosse Kraft, die uns umgibt. Und wenn man mitreiten will, muss man sich nur entscheiden. Dann nimmt sie einen mit.

In den letzten Jahren hast du musikalisch unglaublich viel erreicht. Hast du diesbezüglich für die Zukunft noch Wünsche?
Ich möchte vor allem ehrlich weitermachen können. Möchte auch nicht nur Musik machen mein ganzes Leben lang. Ich habe viele andere Interessen, möchte mich in vielen anderen Dingen vertiefen. Jetzt bin ich 35 und genau jetzt kommen solche Gedanken: Was mache ich noch? Das sind etwa meine Wünsche für mich und meine Familie: Ein wenig reisen, meinen Kindern ein wenig eine andere Bildung anbieten können als immer nur dazusitzen und in die Schule zu gehen, denn das ist definitiv nicht das A und O von allem. Solche Dinge sind mir wichtig. Ich hoffe, dass das Risiko, das ich mit meinem Weg eingegangen bin, mir die Möglichkeit gibt, später etwas freier zu leben, etwas mehr zu reisen, mindestens aber etwas mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, ihnen mehr zu übergeben als nur Kohle zum Überleben.

Nimmt das Musikerdasein denn viel Zeit ein?
Momentan schon. Letztes Jahr bin ich auch nur Musiker gewesen; ich war praktisch nur im Studio. Natürlich war ich auch auf Tour, aber abgesehen davon war ich nur Studiousiker. War tagelang im Studio, wo ich selbst geschlafen und gegessen habe. Jetzt mache ich schon vielmehr zuhause. Es war lustig, ich musste mich zuhause erst wieder zurechtfinden. Alles war sich halt fast ein Jahr lang daran gewöhnt, dass der Papi nur 2 Tage in der Woche daheim ist. Dann komme ich nach Hause und nichts mehr ist da für mich, meine Plattensammlung ist verräumt, weil der Kleine gross genug ist, um sie herunterzureissen. Wo ist das, wo ist dies? Ich bin mir in den eigenen vier Wänden wie ein Fremder vorgekommen. Alle haben mich ausgelacht. War schon cool. (lacht) Und jetzt mit all den Interviews, der Tour und den Proben mit der Band ist es auch sehr intensiv, aber ich bin vielmehr daheim – Gott sei Dank. Das ist recht schön. Und meistens eigentlich, wenn der Eröffnungsstress vorbei ist – Platte machen, Releasen, Anfang der Tour -,  habe ich das Gröbste hinter mir, dann bin ich wieder für mich und habe eigentlich ein sehr schönes Leben. Dann bin ich 4 Tage der Woche nur zuhause, kann meine Dinge basteln und Zeit mit meinen Kindern und meiner Frau verbringen. Das ist definitiv schön. Dann gibt es aber auch Zeiten wie letzten Sommer, als ich 9 Monate nicht zuhause war.

Du kämpfst für deinen Weg…
Ja, ja, das mache ich.

Um den Kreis zu schliessen und nochmals auf dein Ziel, Menschen mit deiner Musik zu berühren, zu sprechen zu kommen: Was sagen denn deine Kinder zu deiner Musik?
Sie lieben es. Meine Tochter sagt: „Ah, die Musik gibt mir Schmerzen ins Herz.“ Bei gewissen Liedern weint sie sogar. Das ist cool.

Das ist wohl das beste Feedback, das du dir wünschen könntest.
Zweifelsohne. (lächelt)


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Foto: Ivana Leiseder

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