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Interview mit We Are Scientists
Interview mit We Are Scientists

Interview mit We Are Scientists

Erstellt am: 15.03.2006
Autor:
Erstellt am: 15.03.2006   Autor:

Interviews

Interview mit We Are Scientists‘ charmantem Chris Cain am 04. März 2006 in der Roten Fabrik, Zürich.

We Are Seth Cohen

„We Are
Scientists?“. Der Mann mir gegenüber im Zug blickt mich
fragend an. Er trägt einen olivgrünen Rock zu
pfirsichfarbenem Oberteil. Ja, We Are Scientists.
„Sehen scheisse aus.“, findet er. Zwei Stunden später
sitze ich mit Chris Cain, seines Zeichens Bassist, im Tourbus, werde
in Liebesdingen beratschlagt, trinke Sirup und erfahre endlich, was
es mit diesen drei Katzen auf sich hat.
Fazit: Der Typ im grünen Rock
hat keine Ahnung.

Wie geht es dir?
(spielt Gitarre) Gut. Sehr gut sogar.

Hat das etwas mit dem gestrigen
Auftritt in Fribourg zu tun?

Nicht unbedingt, mir geht es einfach so
prima. Aber der Auftritt hat mir auch sehr gut gefallen. Es war ja
unsere erste Show in der Schweiz und bisher gab es keine Beschwerden.

Das will ich auch hoffen. Gestern
habe ich die Kaiser Chiefs interviewt, somit habe ich euch auch kurz
zusammen erleben können. Wie sieht deine Beziehung zu ihnen aus?

Sie sind echt cool, wir mögen sie
alle sehr. Leider haben wir trotzdem nicht allzu viel Zeit mit ihnen
verbringen können.

scientists_chriscain

Was hältst du von den Editors?
Mit denen hatten wir ein paar
Auftritte. Diese Jungs liebe ich. Die liebe ich wirklich. Wir haben
sie vor ein paar Tagen bei den NME Awards wiedergesehen. Eine sehr
glückliche Wiedervereinigung.

Das kann ich mir vorstellen. Mit
ihnen habe ich mich auch unterhalten, wobei herausgekommen ist, dass
sie euer Album gerne bei amazon.com unter dem ihren hätten. Wie
sieht das umgekehrt aus, wie gefällt dir die Musik, die sie
machen?

Ich mag sie sehr.
Irgendwelche Lieblingssongs?
My
momentaner Favorit ist ein B-Side-Song namens „Home“, der ist
grandios. Ansonsten mag ich „Bullets“.

Das gefällt mir auch. Lass uns
jetzt aber über eure Website [wearescientists.com]
sprechen. Wie du bereits hundert Mal gehört haben musst, ist sie
einfach fantastisch.

Vielen Dank. (lacht)
Was ich gerne wissen möchte:
Schreibt ihr das alles wirklich selbst?

Ja, das tun wir. Nun, eigentlich
schreibe ja ausschliesslich ich.
Und woher nimmst du die Zeit, diese
ganzen Reviews und Ratschläge zu verfassen?

Meist schreibe ich das nebenbei, wenn
ich inspiriert bin. Wenn mir gerade etwas einfällt, dann dauert
das ja auch nicht allzu lange. Gerne würde ich auch öfter
schreiben, aber weißt du, viele Dinge stammen aus einer Zeit,
in welcher wir noch nicht so beschäftigt damit waren, zu touren.
Es hat sich also viel angesammelt und darum sieht es jetzt auch sehr
beeindruckend aus, in Wahrheit aber updaten wir momentan nur so
ungefähr einmal pro Woche.
Das reicht doch völlig. Gibst
du denn jedem einen Ratschlag, der einen möchte?

Früher habe ich das getan. Dort
waren es aber auch nur ca. acht Anfragen pro Tag, inzwischen sind es
60. Und ich bin um 3090 in Verzug geraten. Trotzdem versuche ich,
wirklich alle Leute zu berücksichtigen, das macht mir ja auch
viel Spass. Möchtest du einen Ratschlag?
Klar, gerne. (überlegt und
lässt dabei den Blick durch den Tourbus wandern)

Oh, „The O.C.“, wie
cool!

Ja, Staffeln 1 & 2. Eine ganz tolle
Serie.
Finde ich auch. Wer würdest du
am liebsten sein?

Schwer zu sagen, ich bin erst bei Folge
15 oder so.
Welche ist das?
Jene nach der Silvesternacht. Oliver,
dieser Typ, den Marissa bei der Therapie kennengelernt hat, nimmt
alle mit zum Auftritt von Rooney.

Oh ja, diese Folge liebe ich!
Ich fand sie auch sehr gut. Oliver wird
ja dann auch noch verhaftet und am Schluss der Episode sitzen alle im
Poolhaus, nur er…
steht draussen und beobachtet sie
durchs Fenster.

Genau! Oliver wird also allem Anschein
nach Probleme verursachen. Um deine ursprüngliche Frage zu
beantworten: Ich wäre nicht Oliver. Vielleicht Seth. Ja, ich
glaube, ich wäre Seth Cohen. Den finde ich sehr cool, ausserdem
hört er sich gute Sachen an. Wie sieht es bei dir aus? Summer
vielleicht? Oder Anna?

Nein, Seth ist eine gute Wahl. Ich
wäre auch Seth, schätze ich.

Wirklich? Ich bin nämlich auch ein
grosser Summer-Fan.

Nein, ich bleibe dabei. Ich bin
Seth.

Aber lass uns nun zurück zum
Thema kommen. Du warst gerade im Begriff, mich zu beratschlagen.
Inzwischen habe ich mir auch etwas überlegt.

Also, wen ich ganz toll finde, das
ist der Junge, der im Kiosk bei mir in der Nähe arbeitet. Ab und
zu unterhalten wir uns kurz, aber im Grunde kennen wir uns nicht. Was
mache ich jetzt? Ich gehe schon jeden zweiten Tag vorbei und kaufe
Kaugummis.

Das ist sehr gut, jetzt weiß er,
wie frisch dein Atem ist.
(lacht) Stimmt. Heute habe ich ihn
übrigens auch wieder gesehen. Ich glaube, er war nervös. Er
hat nämlich alles falsch eingetippt.

Ein gutes Zeichen, definitiv.
(überlegt) Was könntest du noch erwerben, um deine
Qualitäten hervorzuheben? Zeitschriften vielleicht? Du könntest
hochstehende Wirtschaftsmagazine kaufen, um ihm zu zeigen, wie
intelligent du bist.
Ich schätze, daraus wird
nichts. Er weiss bereits, dass ich Glamour und diesen ganzen Mist
lese.

Damit solltest du allerdings so schnell
wie möglich aufhören. Das würde sich sicherlich auch
positiv auf sein Bild von dir auswirken. Ausserdem solltest du bei
deinen Käufen auf ihn eingehen. Ich meine, ich weiss ja nicht,
was für ein Typ er ist, aber wenn er aussieht, als würde
er rauchen, könntest du Zigaretten holen und so weiter.
Grundsätzlich rate ich dir, durch die Produkte, die du erwirbst,
zu ihm zu sprechen. Ich denke, das ist eine Sprache, die er verstehen
wird. (lacht)
Vielen Dank, das werde ich
versuchen. (lacht)

Um abrupt das Thema zu wechseln: Wie
sieht es bei euch mit Groupies aus? Ich wette, ihr habt viele davon.

Um dir die Wahrheit zu sagen: Wir sind
nicht wirklich eine Groupie Band. Ich meine, im kindlichen,
unschuldigen Sinne des Ausdrucks – Leute, die dir folgen, weil sie
deine Musik mögen – vielleicht schon, aber nicht im
schmutzigen Rock’n’Roll Sinn des Begriffs.

Keiths Freundin ist beispielsweise
gerade für unseren Merchandisingstand zuständig. Ich selbst
befinde mich in einer Langzeitbeziehung mit einer Frau aus New York,
insofern liegt jetzt alles an Michael. (lacht) Und er tut sein
Bestes, wenn ich das mal so sagen darf.

(lacht) Interessant. Michael ist ja
indirekt auch derjenige, der für die drei Katzen auf dem Cover
verantwortlich ist, oder?

Ja, er hat damals eine streunende Katze
aufgenommen. Was er ihr nicht angesehen hat, sie war auch sehr klein,
ist, dass sie schwanger war. Ein paar Tage später hat sie dann
sechs Junge unter Michaels Bett gekriegt. Er hat es nicht übers
Herz gebracht, sie herzugeben, also blieben sie drei Monate bei ihm,
bis sie alt genug waren, um weggegeben zu werden.

Irgendwann sind wir dann darauf
gekommen, dass wir sie mit auf die Bilder nehmen könnten. Nicht
unbedingt mit der Intention, eines dann für das Cover zu
verwenden, eher aus Spass.

Haben sie auch Namen, die Katzen?
Selbstverständlich.
Wie heisst diejenige, die du hältst?
Babyspats. Der Name ihrer Mutter lautet
Spats und weil sie ihr so gleicht, heisst sie jetzt so. Die graue
heisst Tiger. Nein, Little Tiger. Kein wirklich beeindruckender Name,
was? Und Keith hält Little Bear. Die Namen haben sie übrigens
Michael zu verdanken.
Und hast du Babyspats aussuchen
dürfen?

Ich weiss es nicht mehr. Irgendwann
hielt ich sie einfach in den Händen und sie hat sich als gute
Wahl herausgestellt.
Prima. Nun, ich war letzte Woche in
Paris und habe dort diese unglaublich schräge Postkarte
entdeckt, die diverse Katzen um den Eiffelturm herum versammelt
zeigt. Natürlich konnte ich nicht anders und habe sie euch
mitbringen müssen.

Echt? (nimmt die Karte entgegen) Oh
Gott, wie fabelhaft ist das denn bitte?

Ja, nicht? Auch mit dem Eiffelturm
in der Mitte. Ganz toll.

Paris und seine Katzen. Sehr bizarr.
Ich mag sie sehr. Vielen Dank! Weißt du was, ich hänge sie
gleich hier im Bus auf. Keith und Michael müssen sie einfach
sehen.
Oh, ich fühle mich geehrt.

Lass uns über „Inaction“,
den dritten Song auf „With Love And Squalor“ sprechen.
Ausserdem jenen Song, den ich am liebsten mag. Was kannst du mir über
das Lied erzählen?

Was sagt Keith da genau? Hilf mir kurz
auf die Sprünge.
I’m counting on
my relative friends / ‘Cause this keeps coming up again and again /
And if everybody knows how it’s gonna end / Why doesn’t someone
stop me“.

Genau. Also, ich denke, dass er in
diesem Teil an seine Freunde appelliert und ihnen vermitteln möchte,
dass sie ihm doch bitte sagen sollen, ob die Situation, in der er
sich gerade befindet, wirklich so destruktiv ist, wie sie ihm
erscheint.
Und, ist sie es?
Nun, es ist so, dass er ein Mädchen
mag, sich aber nicht traut, sie anzusprechen. Sie mag ihn
offensichtlich auch, aber keiner von Beiden geht auf den Anderen zu.
Was übrigens auch die Thematik von „Nobody Move, Nobody Get
Hurt“
ausmacht.

Kannst du „With Love And
Squalor“
in weniger als zehn Worten zusammenfassen?

Ja, das kann ich.
Machst du es auch?
(lacht) Klar. Lass mich nur kurz überlegen. (denkt angestrengt
nach) Wie nennt man diese Maschinen, weißt du, jene, die
aussehen wie Autos oder Tiere, und in die man kleine Kinder setzt?
Man wirft dann eine Münze ein und sie bewegen sie sich vorwärts
und rückwärts. (ahmt die Bewegungen nach) Weißt du,
was ich meine? (lacht)
Ich glaube schon. (lacht)

Gut, ich werde mich nämlich auf eine solche Maschine beziehen.
Und zwar ist es ein automatischer Stier. Also, unser Album ist wie
eine Klapperschlange auf dem Rücken eines automatischen Stiers.
Sehr kreativ.
Eigentlich ist es ja eher sehr idiotisch. (lacht) Aber irgendwie
passt es, finde ich. Ich meine, es gibt voraussehbare Elemente darauf
und dann auch solche, die den Hörer zu überraschen
vermögen, insofern ist der Vergleich wirklich gar nicht so
unpassend.

In Ordnung. Also, ich habe kürzlich einen Artikel gelesen,
der sich darum handelt, dass es Dinge gibt, die man unbedingt einmal
im Leben getan haben sollte. Darum, dass es ein gewisses Mass an
Verrücktheit gibt, das man auf jeden Fall erreichen sollte. Dich
halte ich für einen Menschen, der schon einige dieser Dinge
getan hat in seinem Leben. (Chris nickt zustimmend und lacht)
Deswegen habe ich, teilweise auf dem Artikel basierend, eine kleine
„Have you ever…“-Liste für dich kreiert, die ich dir jetzt
einfach vorlesen werde, wobei du mir mitteilen sollst, wie weit du in
dieser Angelegenheit bereits gekommen bist, in Ordnung?

Ja,
klar. (lacht) Das ist doch mal etwas Anderes. Leg los.

Prima. Hast du jemals einen Baum umarmt?
Was?
Einen Baum umarmt? Vielleicht? (lacht)
Nein, sollte ich das? (lacht)
Das soll sehr befreiend wirken, habe ich gelesen. Vielleicht
solltest du es ausprobieren.


Hast du jemals „Ich liebe dich“ gesagt und es auch so gemeint?

Ja.
Hast du schon einmal einen Striptease bis zum Ende durchgezogen?
Ich glaube schon, ja.
Hast du Paris, abgesehen von beruflichen Ausflügen dorthin,
besucht?

Ja, das habe ich, mehrmals sogar. Eine wirklich wunderbare Stadt. Mit
den weltbesten Katzen. (lacht)
(lacht) Da hast du allerdings Recht. Wie sieht es mit Kindern aus?
Hast du jemals ganz alleine auf ein Baby aufgepasst?

Auch das habe ich mit Bravour gemeistert. Ich musste auf meinen
kleinen Bruder aufpassen, als ich 14 war.
Bist du schon einmal während eines Auftritts in hysterisches
Gelächter ausgebrochen und konntest nicht mehr aufhören?

Oh ja. Man glaubt es nicht, aber das passiert sogar ziemlich oft.
Keith und ich unterhalten uns während der Songs, meist natürlich
mit dem Ziel, das Publikum zu unterhalten, aber manchmal endet
einfach alles damit, dass wir zu lachen beginnen und niemand weiss,
weshalb. Oft wissen wir es auch selbst nicht. (lacht)
Hast du jemals eine völlig Fremde, oder auch einen völlig
Fremden, gebeten, mit dir auszugehen?

Nein, dafür war ich nie mutig genug.
Aber du hast sicherlich einmal einen ganzen Tag über einen
fremden Akzent nachgeahmt?

Das mache ich sogar regelmässig. (lacht)
Würdest du das für mich demonstrieren?
Natürlich. (lacht und fährt dann in bestem Australian
accent fort) „I’m here talking to you about several things
involving my adventurousness.“
(lacht) Sehr schön, danke. Dann kommt jetzt eine ernstere
Frage: Warst du jemals wunschlos glücklich und völlig
zufrieden mit deinem Leben, so wie es in dem Moment war?

(sich noch immer wie ein Australier ausdrückend) Ja, das war
ich.
Schön zu hören. Hast du einmal ein Strassenschild
entwendet?

Um ehrlich zu sein, habe ich bisher nie das Bedürfnis verspürt,
ein Strassenschild zu besitzen.
Ach so, dann kommt das noch. (Chris lacht) Hast du jemals länger
an Liebeskummer gelitten als die Beziehung gedauert hat?

Ja, ich glaube, das habe ich. Vor ein paar Jahren war ich einmal zwei
Tage lang mit einer Frau zusammen und ich schätze, ich habe
hinterher länger gebraucht um über sie wegzukommen.
Hattest du je Sex mit einer Person, die halb oder zweimal so alt
war wie du zu jenem Zeitpunkt?

Definitiv nicht mit jemandem, der halb so alt war. Das wäre noch
immer höchst illegal. (lacht) Ich bin noch nicht alt genug, dass
das okay wäre. (denkt nach) Ich glaube, ich hatte auch nie Sex
mit jemandem, der doppelt so alt war wie ich.
Würdest du das gerne nachholen?
Klar, ja. Dagegen hätte ich nichts. Allerdings hätte ich
etwas dagegen, mit jemandem zu schlafen, der halb so alt ist wie ich.
Wie alt bist du?
Ich bin 28.
Das würde dann 14 ergeben. Ja, stimmt, das wäre
vielleicht nicht das Beste.

Aber hey, ich meine, wenn ich 65 bin, werde ich natürlich
liebend gerne Sex mit einer Frau haben, die halb so alt ist wie ich.
(lacht)
Nun, das glaube ich dir aufs Wort. (lacht) Okay, die nächste
Frage wäre dann, ob du jemals deine Haare gefärbt hast.

Auch das habe ich gemacht, tragischerweise. Ich habe sie gebleicht,
mit Zitronensaft, damals war ich ungefähr 15 und helle Haare
schwer in Mode. Es hat schrecklich ausgesehen.
Ist es jemals vorgekommen, dass du dich als Mädchen
ausgegeben hast?

Nein, niemals.
Hast du dich schon mal per Internet verliebt?
Irgendwie schon, ja. Ich habe das Mädchen zwar zuvor schon
einmal getroffen, aber nur einmal. Dann haben wir angefangen, uns
E-Mails zu schicken und ich habe mich in sie verliebt. E-Mails sollte
man nicht unterschätzen; man kann sehr viel über eine
Person erfahren anhand der Art, wie sie schreibt. Nun, aus besagten
elektronischen Nachrichten resultierte dann unsere Beziehung, also
würde ich schon sagen, dass ich mich per Internet verliebt habe.
Auch wenn die Partnerschaft nicht wirklich lange gedauert hat.
Zwei Tage?
(lacht) Nein, ein wenig länger. Die
Zwei-Tage-Beziehung habe ich davor geführt.
Okay. Dann eine letzte Frage: Hast du jemals einen anderen Mann
geküsst?

Im dramatischen, einen Showeffekt-erzeugenden
Sinne? Ja. Aber nicht aufgrund sexueller Anziehung, das nicht.

In Ordnung. Ich muss sagen, ich bin beeindruckt. (lacht) Und ich
danke dir ganz herzlich für das tolle Gespräch.

Ich danke dir, es war eine willkommene Abwechslung. Siehst du dir die
Show an?
Auf jeden Fall.

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Foto: Nadja El Kinani

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