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Interview mit The Kooks

Interview mit The Kooks

Erstellt am: 10.11.2006
Autor:
Erstellt am: 10.11.2006   Autor:

Interviews

Interview mit Hugh Harris, Gitarrist der fabelhaften Kooks, am 06. November im Volkshaus, Zürich.

Geschichten von unterwegs

Der zuvorkommende, liebenswerte, humorvolle und nette Hugh Harris über…

…Auftritte unter ziemlich betrunkenen Umständen.

Ich bin nicht besonders stolz darauf, aber in Manchester habe ich vor der Show fürchterlich viel getrunken, was dann zur Folge hatte, dass ich dachte, ich sei Hendrix.
Stell dir das mal vor. Selbstverständlich ging das nicht lange gut und nach ungefähr vier Songs bin ich umgefallen. Wobei ich bloss eines dachte: „Das hat jetzt verdammt uncool ausgesehen!“. Also habe ich einfach auf dem Boden weitergespielt und die Leute haben es mir abgekauft. Trotzdem: Seitdem lasse ich von Alkohol die Finger. Vor einem Gig, meine ich. (lacht)…seine erbarmungslosen Bandkollegen.
Luke erinnert mich oft an Woody Allen. (lacht) Er ist auch so ein trockener alter Mann. Nein, ernsthaft; ich ertappe mich oft bei dem Gedanken, dass er erstaunlich viele Parallelen zum grossen Meister aufweist, aber genauer kann ich es auch nicht erklären.
Und Paul könnte Pocahontas sein. Weil das so lustig klingt. Pocahontas. Nein, er wäre Al Pacino in Scarface. Er kriegt was er will und ist ab und an ein wenig erbarmungslos. Alles in allem ist er aber ein wirklich liebenswerter Kerl. Und mehr fällt mir zu meinen Bandmitgliedern gerade nicht ein; irgendwie bin ich nicht geistreich genug für solche Fragen.…die eine Sache, die er an anderen Leuten am meisten verabscheut.
Ich schätze mich als ziemlich tolerante Person ein, aber wenn ich eines hasse, dann ist es Arroganz. Ich kann es nicht ausstehen, Menschen zu begegnen, die sich nicht bemühen, eine positive Atmosphäre entstehen zu lassen; sowas regt mich wirklich auf.
Es gibt auch gewisse Bands, die schon so abgehoben sind, dass sie keinen Finger mehr rühren und das ist dann jeweils eine ziemliche Enttäuschung, wenn wir sie treffen.

…das Vergnügen, mit zwölf Männern in einem Sarg schlafen zu dürfen.
Manchmal ist es wirklich hart, nie zu Hause zu sein, aber wir versuchen, dankbar dafür zu sein, dass uns so viele Möglichkeiten offen stehen und dass wir tun dürfen, was wir eben tun. Es fällt mir teilweise schwer, es einen Job zu nennen, aber im Grunde ist es das schon. Unser Alltag besteht nicht nur aus Auftritten, er beinhaltet auch das Leben in dieser chaotischen Sardinenbüchse (hebt einen zerfledderten Strohhut auf, der im Tourbus auf dem Boden liegt); ausserdem schläft man nachts mit zwölf Männern in einem Sarg. (lacht) In zwölf Särgen.

thekooks_hughharris

…die schönen Menschen in der Schweiz.

Ich bin gerne hier, die Schweiz ist ein schönes Land. Heute morgen habe ich einen Spaziergang am See gemacht, das war wirklich wundervoll.
Und was mir auch aufgefallen ist, ist, dass die Menschen hier ausnahmslos alle schön sind. Wirklich. Es ist schon fast seltsam, wie konzentriert die Anzahl an Schönheiten hier ist.

…die Notwendigkeit der Seele.

Es ist ein bisschen kitschig, aber ich schätze, dass eine gute Band vor allen Dingen eines braucht: Eine Seele. Und gerade das ist es, was heutzutage oft verloren geht.
Deswegen nehmen wir alles in „vier Jungs in einem Raum“-Manier auf; alles Andere wäre einfach nicht ehrlich. Das Aufnehmen in separaten Räumen zu verschiedenen Zeiten würde es komplett unmöglich machen, so etwas wie einen magischen Moment auf einem Album einzufangen. Es fällt mir schwer, es in Worte zu fassen, aber wenn wir hier von Angesicht zu Angesicht miteinander plaudern, dann ist das doch auch tausend Mal schöner und ehrlicher als ein Telefongespräch über Kabel und so weiter. Darum geht es mir. Das finde ich wichtig.

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Foto: Nadja El Kinani