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Interview mit The Blue Van
Interview mit The Blue Van

Interview mit The Blue Van

Erstellt am: 20.04.2005
Autor:
Erstellt am: 20.04.2005   Autor:

Interviews

„Unsere Musik in drei Worten? Spassig, rollend und laut!“

Anlässlich der ersten grossen Tour trafen wir das dänische 60er Rock’n’Roll Quartett The Blue Van (Steffen Westmark, Soren V. Christensen, Allan F. Villadsen, Per M. Jorgensen) vor ihrem Konzert im ABC Mixx in Luzern. Umgeben von zahlreichen über-coolen Mod-Garage-Typen, war es der Interviewerin schon ein wenig unangenehm, aber das Gespräch mit The Blue Van entpuppte sich als recht easy. Sehr wortkarg und ziemlich müde, wussten The Blue Van nicht sonderlich viel zu erzählen, machten aber das Beste daraus.
Ivana Leiseder: Hallo zusammen. Wie geht’s? Nervös?
Per: Uns geht’s gut, danke.
Allan: Nein, nervös noch nicht. Vielleicht später. (lacht)

Seid ihr zum ersten Mal hier in der Schweiz?
Soren: Yeah.

Gefällt’s euch hier? Habt ihr noch was anderes ausser Luzern gesehen?
Soren: Yeah, wir waren noch in Meiringen. Wir spielten in einem Hotel – es waren nicht sehr viele Leute da, aber es war trotzdem sehr nett.

Was ist aus eurer Sicht das Beste daran, auf der Bühne zu performen?
Allan: Na ja… zu sehen, wie das Publikum reagiert.
Steffen: Und das Spielen an sich. Es macht uns grossen Spass. Yeah.

Könnt ihr mir vielleicht in ein paar Sätzen die Geschichte der Band zusammenfassen? Ich habe gelesen, dass ihr die Gruppe mit nur 12 Jahren gründeten…
Allan: Ja, das stimmt. Wir spielen jetzt schon seit zehn Jahren zusammen.
Steffen: Wir kennen uns seit dem Kindergarten. (lacht)

Das ist ja cool!
Allan: Ja, und das begann dann… Zuerst hatten wir noch einen anderen Drummer… Aber dann kam Per und irgendwann begannen wir dann die Musik zu spielen, die wir heute spielen, 60ies Rock’n’Roll.

Was denkt ihr, ist denn der grösste Fortschritt, den ihr im Laufe dieser 10 Jahre gemacht habt?
Steffen: Na ja, der Plattenvertrag mit TVT Records.
Allan: Yeah. Wir konnten dann aufhören zu arbeiten und uns nur auf die Musik konzentrieren, konnten von der Musik leben. Das war das Beste an der ganzen Sache.

Die Leute halten euch für den heissesten skandinavischen Newcomer-Act. Was denkt ihr darüber?
Steffen: Na ja, wir freuen uns natürlich. Ist nett. Endlich wird unsere Musik wahrgenommen und akzeptiert.

Ich habe gelesen, dass euch unter anderem The Kinks recht beeinflusst haben. Was für Einflüsse gibt es sonst noch?
Allan: Hhm, Bands wie The Who, The Kinks und Small Faces, aber auch neuere Bands wie Kings Of Leon oder Hot Hot Heat. Es ist also nicht alles aus den 60er Jahren – aber na ja, das meiste. Oh, und der Blues hat uns auch beeinflusst.

Na ja, denkt ihr dann, stimmt es, dass ihr, wie es in der Presseinfo steht, vollkommen unberührt seid von der populären Musik der letzten drei Jahrzehnte?
Soren: Nee, das haben wir nie gesagt, das denken die Leute von uns. Wir haben nie wirklich darüber nachgedacht. Wir wuchsen einfach in einer kleinen Stadt auf und hatten keine anderen Bands, die wir als Vorbilder nehmen konnten oder so was… Wir hatten nur uns. In dieser Hinsicht blieben wir wohl schon unbeeinflusst.

Was unterscheidet euch von all den anderen 60ies Rock’n’Roll-Bands? Was macht euch so speziell?
Soren: Na ja, die Tatsache, dass wir von den Neunzigern sind, macht uns speziell. (lacht)
Allan: Na ja, wir jammen. Alle anderen Retro-Bands spielen einfach immer dieselben drei Akkorde. Wir weiten die Songs auf beispielsweise 20 Minuten aus und interpretieren.
Soren: Ja, und ich denke, wir sind mehr von Grossbritannien inspiriert als all die anderen 60ies Bands, die sich eher an Amerika orientieren.

Gibt es aus eurer Sicht ähnliche neue Bands wie euch da draussen?
Allan: Nein, nicht wirklich… Na ja, vielleicht The Black Keys. Aber ansonsten… nein.

Um über euer neues Album zu sprechen… Könnt ihr mir etwas zum Titel sagen? Was ist die Kunst des Rollens? Wie definiert ihr die? (Anm. der Redaktion: Der Titel des Albums lautet „The Art Of Rolling“.)
Soren: Na ja, wir meinen damit, dass wir gute Musik machen.
Steffen: Ja, gute Musik. Wir dachten einfach, es sei ein spassiger Titel und würde genau die Art von Musik umschreiben, die wir spielen.

Wenn ihr die Musik auf dem Album in drei Worten zusammenfassen müsstet, welche wären es?
Per: Unsere Musik in drei Worten? Oh je… Hhm… Mal sehen… Spassig, rollend und laut! (lacht)

Was ist die Nachricht an die Leute, die eure Musik hören?
Allan: Na ja, einfach Spass zu haben.
Steffen: Ja, und wenn sie etwas in der Musik hören, ist es natürlich auch grossartig. Wenn sie sich in irgendeiner Weise in den Lyrics wieder finden, wenn sie denken, die Texte sprechen sie an.

Denkt ihr denn, kann die Musik heutzutage überhaupt etwas bewirken oder ist alles hoffnungslos?
Allan: Na ja, wenn die Leute an ein Konzert gehen und für eine Stunde Spass haben, ist das doch grossartig. Mehr braucht’s gar nicht.
Soren: Ja, und ich denke, wenn du ein Kind oder Jugendlicher bist und dein Held etwas sagt, kann das dich schon sehr beeinflussen.
Steffen: Genau. Und wenn die Leute unsere Musik hören, können sie doch auch ihre alltäglichen Sorgen zumindest für einen Moment beiseite schieben und einfach Spass haben.

Die meisten eurer Texte sind relativ einfach zu verstehen, während Songs wie „Word From The Bird“ nicht gleich zu erfassen sind. Wie kommt ihr auf die Texte?
Steffen: Na ja, die meisten Songtexte sind einfach Gedichte, die ich im Laufe der Zeit geschrieben habe. Ich lasse mich durch all die verschiedenen Bücher, die ich lese, inspirieren.

Was für Bücher?
Steffen: Na ja, ich lese alles. Und ich versuche, alle Klassiker zu lesen.

Ihr habt nebst dem Album auch eine EP veröffentlicht, von der ihr vier der fünf Songs auf den Longplayer gepackt habt. Wieso habt ihr den Song „Peine, Forte Et Dure“ nicht auch übernommen? Ich finde den cool!
Per: Ja, danke.
Steffen: Na ja, um die EP besonders zu halten – sonst würden die Leute sie ja nicht kaufen. Zudem waren wir uns einig, dass dieser Song irgendwie nicht auf das Album passen würde. Wir wollten den Song zuerst als B-Seite veröffentlichen, entschieden uns dann aber, ihn auf die EP zu packen.

Was ist der beste Aspekt des Recordings?
Steffen: Hhm, es macht einfach Spass. Man kann so viel mit dem Sound machen, es ist Wahnsinn. Man kann verschiedene Dinge ausprobieren und wenn man den Punkt erreicht, an dem es perfekt klingt, ist es wundervoll. Das Resultat dann zu hören, ist einfach grossartig.

Seid ihr denn zufrieden mit dem Resultat?
Per: Ja, auf alle Fälle.

Habt ihr Helden, mit denen ihr gerne mal zusammenspielen würdet?
Soren: Tz, mein Held starb kürzlich. Pech gehabt.
Allan: Na ja, die Rolling Stones wären noch gut.
Steffen: B.B. King. (lacht)
Per: Yeah.
Allan: Oder Tom Waits.

Welches sind eure Pläne für die Zukunft?
Allan: Touren und touren und touren. (lacht) Wir werden nächste Woche nach London gehen und danach in die Staaten für ein paar Monate, um Hot Hot Heat zu supporten. Wir freuen uns sehr darauf.
Steffen: Im Sommer werden wir auch an Festivals spielen. Rock am Ring, Rock im Park, dann noch in der Schweiz.

Gibt es denn ein Traumvenue?
Soren: Tz, na ja, Royal Albert Hall.

Na ja, das werden wir noch sehen…
(alle lachen)