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Interview mit Shout Out Louds

Interview mit Shout Out Louds

Erstellt am: 24.08.2007
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Erstellt am: 24.08.2007   Autor:

Interviews

Interview mit Frontmann Adam Olenius, Gitarrist Carl von Arbin, Schlagzeuger Eric Edman und Multiinstrumentalistin Bebban Stenborg von den Shout Out Louds am 6. August 2007 in der Roten Fabrik zu Zürich.

Things to do, places to go.

Einen Tag nach ihrem Auftritt auf der Rote-Fabrik- Sommerbühne sprach ich mit fast allen Bandmitgliedern der Shout Out Louds bei hochsommerlichen 30 Grad Celsius über Mut, Melancholie und Mondrian.


Erst mal zu eurem gestrigen Konzert. Es war das zweite Mal, dass ich euch live sah, das erste Mal war in Deutschland am Southside-Festival…

Adam: Ah ja!


…und ihr sagtet, es war euer erstes Schweizer Konzert, nicht?

Adam: Das erste richtige Konzert, wir haben letztes Jahr in der Nähe von Nyon gespielt.


Wie ist es so, vor Schweizer Publikum zu spielen?

Adam: (scherzend) Wir hassen es!

Ich fragte bloss, weil man oft hört, dass das Schweizer Publikum ein bisschen lahm sei, kaum tanze, nicht mitsinge usw.
Carl: Ich fand es gut. Es war ein sehr netter Abend. Es war Sonntagabend…
Adam: (unterbricht) Ich war wirklich erstaunt, dass so viele Leute kamen, denn wir waren ja noch nicht so oft in der Schweiz. Ein paar italienische Freunde kamen übrigens aus Italien hierher, um uns zu sehen und auszuhelfen, ein wenig Stimmung zu machen. Du weisst ja, wie die Italiener sind… Aber mir gefiel es.
Carl: Ich fand die ganze Umgebung hier sehr schön. Ich war positiv überrascht von diesem Ort.


Und dann noch das schöne Wetter…

Carl: Genau! Wir waren den ganzen Tag schwimmen.

Welcher war euer erinnerungswürdigster Gig?
(beide überlegen lange)
Adam:
Wir machen viele verschiedene Erfahrungen, die alle auf ihre Art gut sind. Doch das erste Konzert, das wir jemals gaben, war natürlich ganz speziell für uns und daran werden wir uns immer erinnern.
Carl: Wir hatten nur drei Songs und wir spielten diese drei Songs und waren sehr nervös. Das Publikum bestand nur aus Freunden von uns und wir wussten nicht, was wir erwarten sollten. Aber sie fanden uns so gut, dass sie eine Zugabe forderten und wir spielten die drei Songs ein zweites Mal… Das war ein sehr erinnerungwürdiges Konzert.


Und für dich, Adam?

Adam: Ich denke auch, dass man sich an bestimmte, bedeutsame Shows eher erinnert, das erste ausverkaufte Konzert zum Beispiel, das ist sehr speziell. Aber ich erinnere mich auch sehr gut an einen Auftritt in Montreal auf unserer ersten Tour. Die Energie war so gut, es war zwar ein winziges, heruntergekommenes Lokal ohne Bühne, aber nach diesem Gig waren wir plötzlich viel spielfreudiger. Es gibt ja immer Konzerte, bei denen du was Neues ausprobierst und das dann für eine Weile so weiter ziehst. Und ich erinnere mich einfach, dass dieser Auftritt sehr chaotisch war und bei den folgenden Auftritten versuchten wir auch, so chaotisch wie möglich zu sein. Heute machen wir wieder anderes, arbeiten mehr an den Harmonien oder den Gefühlen oder so.

(Drummer Eric hat sich während Adams Ausführungen zur Runde hinzugesellt.) Ich stelle ihm dieselbe Frage.
Eric: (überlegt lange) Ich erinnere mich an viele Auftritte, gute wie schlechte… Ich erinnere mich an München, wo wir im Dezember 2005 auftraten, ich glaube, wir spielten nicht besonders gut, und die Drums fielen vom Podium, aber es war eine tolle Atmosphäre im Raum, das Publikum mochte es.
Carl: Ja, das war ein gutes Konzert, ich erinnere mich.
Eric: Wir hatten viel Spass, auch wenn es nicht unbedingt unser bestes Konzert war. Wir hatten ein gutes Gefühl auf der Bühne.

Kommen wir zu eurem neuen Album. Mir brennen zwei Fragen unter den Nägeln. Erstens: der Titel – Our Ill Wills. Was ist damit gemeint? Geht es um will im Sinne eines Testaments?
Adam: Das Thema des Albums ist es, Dinge hinter sich zu lassen oder in der Zeit zurück zu gehen. Als Band reist man zusammen herum und steckt die ganze Zeit zusammen, so dass man sich gemeinsam verändert. Man sieht des anderen Fehler und dunkle Seiten. Es kommen viele verschiedene Dinge in diesem Titel zum Ausdruck.

Was ist das Wichtigste, das ihr vererben würdet?
(allgemeines Überlegen)
Adam: Ich habe keine Kinder…
Eric: Darüber möchte ich lieber nicht nachdenken.
Adam: Es ist zu früh, um darüber nachzudenken. Wir denken nicht über den Tod nach.

Sorry, ich wollte keine schlechte Stimmung verbreiten… Was ich mich weiter gefragt habe: Was bedeuten die Flaggen auf dem Cover?
Eric: Das sind Buchstaben und sie bedeuten Shout Out Louds: Our Ill Wills.

Das leuchtet ein! Wessen Idee war das?
Adam: Carl und ich kümmern uns um das Artwork, das war unsere Idee. Unser Proberaum liegt im Keller eines Hotels und dort steigen viele Matrosen und Marineangehörige ab. Touristen natürlich auch, aber es ist ein ziemlich kleines Hotel und es hat überall Bilder und Schiffe und Flaggen. Und neben dem Raum, in dem wir üben, liegt ein Archiv, in dem es Fotos aus dem frühen 20. Jahrhundert gibt. Es war ein sehr inspirierendes Umfeld, so viele grafische Elemente direkt vor unserer Nase. Wir hatten viele Ideen, entschieden uns letztlich aber dafür, uns genauer anzusehen, was in unserer Nähe war. Auf einem Boot zu sein, zu segeln, das ist beinahe wie in einer Band zu spielen.
Carl: Und Touren ist wie zur See zu fahren.

Eine schöne Metapher. Sagt mal, wo kommt eigentlich der – mit Verlaub – etwas dämlich klingende Titel „Howl Howl Gaff Gaff“ her?
Adam: Nicht meine Idee!
Eric: Ihr wart in Russland, du und Ted…
Adam: Das Wort „howl“ bezieht sich aufs Heulen der Wölfe, die wir ja auch im Artwork integriert haben. Und „gaff“ ist tatsächlich ein albernes Wort. Es ist russisch für bellen. Und unser erstes Demo hiess „Howl Howl Gaff Gaff“ und als wir das Album betiteln mussten, griffen wir darauf zurück. Wir dachten uns, dass es eine Menge Fragen dazu geben würde…
Carl: Wir fanden es interessant, wie die Leute etwas nennen. Wenn du russisch sprichst, dann ist das, was diese Hunde tun „gaff“, im Schwedischen heist es „skälla“, das Wuff. Es geht einfach darum, dasselbe auf unterschiedliche Weise zu sagen. Verstehst du? Verschiedene Worte für dasselbe Ding. Das kam bei dieser Russlandreise heraus.

Wart ihr auch in Russland auf Tour?
Adam: Nein, nein, das waren nur ich und Ted, wir machten dort Urlaub, nachdem wir unser erstes Demo aufgenommen hatten und „gaff“ war ein Wort, das in unseren Köpfen stecken blieb.

Ich empfinde eure Musik ist vor allem auf dem ersten, etwas weniger auf dem zweiten Album, als ziemlich melancholisch. Seid ihr ein Haufen Melancholiker oder woher kommt das?
Eric: Wir sind halt Schweden… (alle schmunzeln)
Carl: Ich finde das etwas sehr Schönes. Ich mag es nicht, wenn es zu melancholisch wird und es nur noch nach Geflenne klingt. Ich mag den Kontrast zwischen fröhlicher oder uptempo Musik und traurigen, melancholischen Texten. Ich finde es eine schöne Art, etwas zu sagen…eine bittersüsse Art, eigentlich. Wir versuchen auch, nicht zu traurig oder zu fröhlich zu sein, den richtigen Mittelweg zu finden.
Adam: Ich denke wir sind ziemlich positive und freundliche Menschen. In der Musik kommt vielleicht auch ein wenig unsere andere Seite zum Tragen.

Die dunkle Seite der Shout Out Louds, sozusagen. Eine weitere Facette ist ja auch live zu erkennen, wenn ihr den Leuten so richtig einheizt. Das Konzert am Southside zum Beispiel war extrem wild, die Leute tanzten und sprangen wie wild herum. Ihr werdet euch wohl kaum erinnern, aber…
Adam: (unterbricht) Doch, doch, ich erinnere mich!


…das fühlt sich doch für eine Band bestimmt ganz gut an, nicht?

Adam: Ja, es ist wichtig, dass man verschiedene Seiten zeigen kann. Es kommt auch immer darauf an, in welcher Stimmung man ist, wenn man auftritt, das ist ja immer anders. Wenn wir einen Song aufnehmen, ist die Stimmung so, live dann wieder anders.
Carl: Ich mag es natürlich, oben auf der Bühne zu stehen und die Leute tanzen und sich bewegen zu sehen. Aber manchmal, so wie am Southside, people can get too dancy, they can go…bananas. (Adam und Eric lachen) Und das ist auch lustig, aber es ist wichtig, dass es nicht einfach nur eine besoffene Nacht wird, dass die Leute auch den Moment geniessen und nicht nur stagediven und einander weh tun.


Schade, dass Bebban nicht hier ist, ich hätte sie gerne noch was gefragt…

Adam: Sie ist dort unten am See… Eigentlich könnte sie auch ein wenig arbeiten.


Was hat euch dazu bewogen, mit Musik anzufangen?

Carl: Ich habe immer davon geträumt, eine Band zu haben… Wir waren eigentlich ziemlich alt, als wir die Band gründeten, etwa 24, und normalerweise spielt man ja so mit 15 Jahren in einer Band. Ich fand es schon toll, einmal in der Woche mit meinen Freunden zu proben, obwohl keiner von ihnen ein Instrument spielte. Zu Beginn ging es eher darum, etwas mit Freunden zu machen. Ich fand es toll, dass wir eine Band gründeten, denn ich hatte noch nicht mal eine elektrische Gitarre, bevor es die Shout Out Louds gab, bloss eine akustische. My Rock’n’Roll dreams were over… Ich dachte, ich würde niemals eine Band haben.
Adam: Aber was waren deine Einflüsse?
Carl: Ähm…
(alle lachen und geben sich ratlos)

Habt ihr keine alltime favourites?
Adam: Nicht wirklich… Ich erinnere mich daran, dass ein Freund mir ein grosses Beatles-Songbook auslieh, als wir anfingen, und ich versuchte, all die Songs zu spielen. Aber es gab nie die eine Gruppe… Aber ich mochte Guns’n’Roses!

Die können natürlich auch ein Einfluss sein. (Bebban ist inzwischen dazu gestossen.)
Hallo Bebban, ich wollte dich was fragen zu Blue Headlights, dem Song, in dem du die Lead-Vocals singst. Bist du wirklich so stark von Nico von Velvet Underground inspiriert, wie du dich im Lied anhörst?
Bebban: Wirklich? Das war keine Absicht. Ich mag zwar sehr, was sie gemacht hat, aber beabsichtigt war das nicht.


Wird es noch weitere Songs geben, die du singen wirst?

Bebban: Ich weiss es nicht, mal sehen… Keine gute Antwort, ich weiss.


Danke trotzdem! Wo waren wir? Ah ja, die Guns’n’Roses…

Adam: Wenn man jünger ist, interessiert man sich halt für die grossen Rockbands… Eric und ich spielten mit 18 schon mal zusammen in einer Band, damals wollten wir den Erfolg so sehr. Und ich bin wirklich froh, dass wir, als wir mit den Shout Out Louds anfingen, eigentlich gar keine hohen Ziele hatten. Wir schickten keine Demos an Labels, wir wollten nur live auftreten. Es war ein ganz neuer Anfang, ohne allzu viel davon zu erwarten. Das ist vielleicht der Grund dafür, dass es dann plötzlich klappte, als wir keinen Druck mehr verspürten und nicht mehr wie verrückt etwas anstrebten. Es ging alles plötzlich ganz natürlich voran. Ich denke, heute werde ich mehr beeinflusst von der Musik von anderen Künstlern, vor allem von älteren, klassischeren Künstlern. Ich höre zum Beispiel oft Tom Waits, das habe ich früher nicht getan. Diese klassische Art, Songs zu schreiben, inspiriert mich sehr. Diese zeitlosen Melodien, die du dann mit einer guten Produktion verändern oder einfach vollkommen auf den Kopf stellen kannst und trotzdem hört man noch die altmodische Melodie heraus. Alte Jazz-Stücke, zum Beispiel von Chet Baker, schöne, melancholische Melodien, die du beliebig anpassen kannst.


Machst du eigentlich das Songwriting ganz allein?


Adam:
Nein, alle helfen ein wenig. Ich mache die meisten Melodien und die Texte. Es gibt Songs, an denen ich ganz alleine arbeiten muss, um herauszufinden, welche Emotionen sie vermitteln sollen, aber es gibt auch Songs, die wir schon früh zusammen spielen und wo jeder einen Teil beisteuert und über die wir lange diskutieren. Wir arrangieren auch alles zusammen, streiten, reden, diskutieren, bis die Luft knapp wird. Unser Proberaum ist so klein, dass wir nur zwei Stunden lang proben können und manchmal ist die Luft einfach…

Carl:
(ergänzt)…weg!

Adam:
Wir spielen eine Stunde und diskutieren eine Stunde.


Könnt ihr euch keinen grösseren Proberaum leisten?


Adam:
Momentan nicht… Der Preis ist ziemlich gut und der Raum liegt sehr zentral. Es gibt ein paar Proberäume in der Stadt, aber die meisten liegen ausserhalb und es ist doch sehr angenehm, einfach das Fahrrad zu nehmen oder zu Fuss zur Probe zu gehen. Aber wir haben Pläne, die Verhandlungen laufen…


Viel Glück damit! (zu Carl und Adam) Ihr zwei macht ja das Artwork und ihr habt ja auch Kunst studiert, oder?


Adam:
Zwei Jahre lang, ja. Dann haben wir die Band gegründet. Diese Schule hat uns beim Artwork sehr geholfen, denn wir haben alles in der Schule und am Arbeitsplatz entworfen. Wir haben sehr oft den Drucker benutzt und Massen von Papier und Klebefolie verbraucht. Mir gefällt das sehr, dass wir auch diese Seite unserer Kreativität ausleben können und nicht nur auf Musik fokussieren. Ted dreht ja auch zusammen mit seinem Bruder alle unsere Videos. Es ist manchmal sehr anstrengend, alles selbst zu machen, aber bis jetzt klappt das sehr gut. Jetzt, wo das Album draussen ist, bin ich sehr glücklich, dass wir es selbst gemacht haben. Es ist toll, dass man dem Artwork und den Videos ansieht, dass sie von uns stammen. Man muss nicht so viel organisieren, wenn man es selbst macht, das ist das Gute daran. Es könnte sich ja auch irgendein Typ darum kümmern, der uns nicht mal kennt… Aber wir sind da ziemliche Kontrollfreaks. Vor allem, wenn das Album aus der Fabrik kommt und du die Kartons öffnest… Es ist ein gutes Gefühl, das Papier zum ersten Mal zu fühlen und alles sieht toll aus. Das ist, wie wenn man einen Preis gewinnen würde.


Dann seid ihr ja Experten zum Thema Kunst, ich habe da nämlich ein kleines Problem: Ich bin zu einer Party eingeladen, für die man sich verkleiden muss. Das Motto ist Kunst. Habt ihr eine Idee, wie ich mich verkleiden könnte?


Adam:
Du könntest ein Bild auswählen und dich entsprechend anziehen…


Ich dachte an „Das letzte Abendmahl“, aber…


Adam:
Du hast schöne Ohrringe, du könntest… Ah, wer hat das schon wieder gemalt? Rembrandt?


Meinst du das „Mädchen mit dem Perlohrring“?


Adam:
Ja, ja, genau!

Eric:
Nein, es war nicht Rembrandt, es ist älter… Es ist nicht Da Vinci, aber ich glaube, es ist italienisch…

(Kurze Diskussion auf Schwedisch, die zu keinem eindeutigen Resultat führt. Und es war übrigens Vermeer, meine lieben Herren Kunststudenten.)


Eric:
Oder du nimmst ein billiges weisses Kleid und spritzt es mit Farbe voll – wie Jackson Pollock.

Adam:
Ja, du könntest Jackson Pollock sein! Oder du könntest ein Mondrian sein und blaue, rote und schwarze Linien aufmalen. Es gibt viele Möglichkeiten! Oder du könntest Rauschenberg sein und einen grossen Reifen um deinen Bauch tragen. Aber ich glaube nicht, dass das sehr bequem wird…


Nicht wirklich, nein… Aber vielen Dank für die Vorschläge. Ihr habt gestern während des Konzerts erzählt, dass euer Bassist von einem neun Meter hohen Gerüst in den Zürichsee gesprungen ist. Ihr habt euch nicht getraut?


Adam:
Nein, wir lagen währenddessen am Strand. Carl sprang vom kleineren Turm.


Was war denn das Mutigste, das ihr jemals getan habt?


Eric:
Von einer zehn Meter hohen Klippe zu springen.

Carl:
Schwer zu sagen…

Adam:
Ich fuhr vor ein paar Wochen das erste Mal auf einer Achterbahn in Stockholm. Die steht schon seit eh und je da und ich habe mich nie getraut, damit zu fahren. Danach fühlte ich mich sehr mutig. Aber ich glaube nicht, dass ich das jemals wieder tun werde… Aber die anderen haben mich gezwungen. „Los mach es!“ und wir gaben ein Konzert in der Nähe des Vergnügungsparks und so hab ich’s halt gemacht… Ich fliege nicht gern und ich mag keine Höhen, eigentlich habe ich vor fast allem Angst.


So wie Bright Eyes, die fliegen ja auch nie. Weil Conor Oberst Flugangst hat…


Adam:
Auch über den Ozean nicht?

Frank Lenggenhager (von Lautstark) schaltet sich ein:
Ja, er kommt per Schiff.


Deshalb mussten sie ein Konzert in der Schweiz absagen.


Eric:
Ich hörte dasselbe über J. Mascis von Dinosaur Jr., die fliegen auch nie.


Ich dachte mir eigentlich, dass jemand von euch bei der Mut-Frage Surströmming erwähnen würde…


(gemischte Reaktionen)


Eric:
Ah, der fermentierte Fisch. Ja, der riecht ziemlich schlimm… Aber der Geschmack ist dann gar nicht so schlecht. Aber wenn du so eine Dose öffnest, musst du das draussen machen, sonst stinkt es ziemlich stark. Es ist eine alte schwedische Tradition. Man isst es im August, so um diese Jahreszeit, wenn es ein Jahr eingemacht ist. Ich habe es schon einige Male probiert, es ist recht salzig und der Spass besteht mehr in der Tradition als im Geschmack. Es ist nicht soo schlimm – ist ja nur Fisch!


Sonst noch jemand?


Carl:
Ich habe ihn versucht, aber ich mag das nicht. Aber ich probiere gerne neue Dinge aus.

Eric:
Was das Essen betrifft, versuchen Ted und ich eigentlich alles. So lange es nicht giftig ist…


Habt ihr irgendwelche Schweizer Speisen gekostet – Käse, zum Beispiel Fondue?


Eric:
Schweizer Käse mag ich sehr gerne, aber als ich in China war, ass ich auch Kakerlaken.


Das ist mutig!


Eric:
Oder auch Schlangen…

Adam:
Schmecken Schlangen nicht sehr trocken?

Eric:
Nein… Sie schmecken wie Hühnchen. Alles schmeckt wie Hühnchen. Es war nicht besonders schmackhaft.


Ich hörte, dass in Deutschland einer Frau die Wohnung gekündigt wurde, weil sie im Treppenhaus eine Dose Surströmming geöffnet hatte…


(alle lachen)


Eric:
In China gibt es diese Frucht, die Durianfrucht, die riecht im Innern wie ein totes Tier, wie verwestes Fleisch. Die stinkt so sehr, dass es in Hotels in Hongkong verboten wurde, solche Früchte hereinzubringen. Aber die habe ich nicht probiert.

Carl:
Wie seltsam…

Eric:
Man sagt, sie schmecke ziemlich gut, aber der Geruch ist so schräg. Sie sieht aus wie eine Melone, aber mit Stacheln drauf.

Adam:
Das ist eine Warnung!

Eric:
„Iss mich nicht!“

Adam:
„Ich stinke!“


A propos stinken, Adam, du isst keinen Käse…


Adam:
I’m getting better though. Ich habe mich letzte Weihnachten an ein Raclette gewagt. Mit einem schönen Haufen Kartoffeln und vielen Zwiebeln. Aber leider bin ich kein Käse-Fan. Wenn ich gross bin, kommt das dann schon noch.


Ich wollte euch noch fragen, wo ihr euch in zehn Jahren seht – was macht ihr dann?


Eric:
Oh.

Carl:
Ich habe keine Ahnung.

Adam:
Ich weiss nicht…

Carl:
Ich möchte, dass die Band, egal, wie es weitergeht, so bleibt, wie sie war. Dass wir immer noch Musik zusammen machen, auch wenn wir nicht mehr touren oder Platten aufnehmen oder so. Aber dass wir immer noch etwas erschaffen. Es wird wohl so sein, dass uns Dinge dazwischen kommen, Familien, Kinder… Ich weiss nicht, ob die Band für immer da sein wird. Vielleicht wird es anders sein, vielleicht werden wir immer noch da sein.

Adam:
Wir werden auf die 40 zugehen in zehn Jahren!

(alle lachen)


Eric:
Ich werde wohl Kinder haben.

Adam:
Ich hoffe, dass wir noch mehr Alben herausgeben können, denn es gibt noch so viele Ideen, die wir ausprobieren wollen. Es fühlt sich noch nicht fertig an, wir stehen erst am Anfang. Aber zehn Jahre sind eine lange Zeit, um kreativ zu sein, um zu wissen, wohin du gehst. Kreativität hängt davon ab, was um dich herum passiert. Ich denke, dass wir, auch wenn wir kein Publikum haben, oder keine Labels, die mit uns arbeiten wollen, uns trotzdem noch im Hotel treffen und proben und vielleicht wieder für unsere Freunde spielen werden. Aber ich hoffe, dass wir weiterhin Alben herausgeben können. Wir werden wahrscheinlich für uns selbst weiterspielen, zurück zur Kunsthochschule gehen und wieder cut and paste. Aber es gibt immer noch Orte, an denen wir noch nicht gespielt haben und Songs, die wir noch nicht aufgenommen haben. Ich denke, wir werden weitermachen.

Carl:
Things to do, places to go.

Adam:
Ja, genau: Songs to record, guitars to tune…



Shout Out Louds live

20. September im ISC, Bern
21. September in Les Docks, Lausanne
> Hören und Kaufen
> Rezension des aktuellen Albums > Offizielle Webseite

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