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Interview mit Michael von der Heide

Interview mit Michael von der Heide

Erstellt am: 14.05.2008
Autor:
Erstellt am: 14.05.2008   Autor:

Interviews

„Ich habe ein relativ grosses Maul.“

Kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Albums „Freie Sicht“ haben wir Michael von der Heide in einem Zürcher Hotel zum Kaffeeplausch getroffen, um mit ihm über seine Musik und Gott und die Welt zu plaudern.

Gleich zum Albumtitel „Freie Sicht“: Laut Deinem Pressetext bedeutet der Titel, sich selbst gefunden zu haben. Hast Du Dich erst jetzt mit dem achten Album gefunden?
Nein, nein, das ist also ein Prozess. Ich weiss, dass ist tatsächlich so gestanden in der Info und für den Moment mag es ja auch richtig gewesen sein … Aber ich glaube, es ist auch ein Lebensziel. Das tönt sonst so abgeschlossen: „Jetzt weisi, wer i bin.“ Ich würde eher sagen: Man kommt dem näher …


In einem Song singst Du, dass man für das Erschaffen der Welt sieben Tage gebraucht hat und dass Du einen mehr bräuchtest. Du bist also tatsächlich noch auf dem Weg?

Ja, natürlich …


Um nochmals auf den Beschrieb Deines neuen Albums zurückzukommen: Es heisst, es würde auch darum gehen, sich gewisse Sachen beim Hören einzugestehen, dass man sich regelrecht dabei ertappt fühlen würde.

Hhm, das habe ja nicht ich geschrieben, aber ich war einverstanden …


Ja, jetzt kommt die Frage: Wie war das für Dich denn beim Songschreiben? Du musstest Dir ja sicherlich auch ein paar Dinge eingestehen.

Doch, sicher! Wie zum Beispiel bei dem Lied „Immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, dann geht’s nicht mehr.“ Das ist auch ein wenig eine Gratwanderung, wo ich sage, das ist eine relativ harte Aussage. Aber sie stimmt für einen dann ja auch. Es ist einfach so. Man denke ja an die Floskel „Wenn das Glas halb leer ist, ist’s halb voll“, an der man angeblich erkennen können soll, ob man ein positiver oder ein negativer Mensch ist. Nein, so ist es nicht, denn: Es ist halt einfach so!


Aber man kann ja tatsächlich entweder sagen „halb leer“ oder „halb voll“ … Es bedeutet rein inhaltlich das Gleiche, wobei es aber schon etwas über die Haltung des Sprechenden ausdrückt.

Ja, aber es ist doch haargenau das Gleiche! Man kann es wenden und drehen, wie man will – es ist, wie es ist.


Wie würdest Du’s denn sagen: „Halb leer“ oder „halb voll“? Deine Musik ist ja nicht gerade fröhlich.

Du findest das Album traurig? Na ja, Du bist ja auch noch recht jung.


Was hat denn das damit zu tun?

Weiss ich doch nicht! Könnte ja sein! Aber nein … Es ist nicht traurig, es ist melancholisch! Für mich ist das Glas aber auch halb voll, denn ich bin ein positiver Typ.


(lacht) Ah, ok, so viel zum Thema Konsequenz in der Aussage … Zurück zu Deiner Antwort, Du seist ein positiver Typ: Wenn man sich das Album anhört, müsste man ja eher denken, das Leben sei nicht gerade ein Zuckerschlecken …

Nein, das Leben ist schon nicht gerade einfach. Oder findest Du etwa schon?


Nein, aber es gibt ja auch Leute, die sehen immer alles positiv und sind chronisch überglücklich.

Ja, aber das ist ja auch nicht gesund … Ich war auch mal so. Hatte auch mal so Phasen, in denen ich gedacht habe, „es ist alles egal“. Und irgendwann kommt’s und Du sagst: „Nein, nicht wahr …“ Das stimmt ja einfach nicht. Aber es ist schon schön, wenn  man eine positive Grundhaltung hat. Es ist ja auch wichtig zum Leben und Überleben. Aber gerade viele auch junge Jugendliche, die keinen Job finden, das ist alles nicht schön, und wenn man ein Mensch ist und Mitgefühl hat – das finde ich nicht lässig! Da finde ich nicht alles positiv. Oder wenn ich zum Beispiel Tagesschau schaue: Nein, ich finde nicht alles positiv. Ich zum Beispiel sehe mich aber – mues grad Holz alänge – als Glückskind. Aber jemand in meiner Situation könnte vielleicht finden: „Ich muss noch ein wenig mehr haben!“ Aber nur ganz tolle Leute kenne ich also nicht. Ich habe früher in der Psychiatrie gearbeitet und habe viele Menschen miterlebt, denen ging es immer nur gutgutgutgut und dann irgendwann ging es gar nicht mehr. Also wir Menschen haben zwei Dinge oder noch mehr in uns.


Ist es denn nicht so, dass fröhlichere Musik allgemein besser ankommt? Man betrachte ja nur mal die Hitparade … Dir war es also nichtsdestotrotz wichtiger, das zu machen, was Dir wichtig ist, egal, ob die Leute die Musik verdauen können oder nicht?

Ich denke, das ist eine Platte, die gewinnt mit Mehrmals-Hören. Es hat ein Leid, das ein wenig schmissig ist, aber es ist jetzt sehr wahrscheinlich nicht eine Platte, die Du, wenn Du in den Ausgang gehst, hören möchtest beim Parat machen oder wenn Du mit Deiner Freundin ein Cüpli nimmst. Sie ist für einen anderen Moment.

Für welchen denn?

Jaaah, Du kannst das auch, wenn Du ein Cheminée hast, vor dem Cheminée-Feuer mit einem Glas Rotwein hören. Es ist auch mehr wie ein Buch. Du kannst es auch zum Aufstehen nehmen, es zieht Dich nicht runter, aber es ist jetzt nicht ein Album, das Dich … „jeeeeee!“ Das isch‘s nöd. Aber traurig ist für mich die CD nicht – ich bin auch kein trauriger Mensch.


Hhm?

Nein, nein. Ich habe zwar auch schon mal einen Tag, oder zwei oder drei … Aber das geht dann wieder vorbei.


Du hast ja bereits mit sehr vielen Stilrichtungen experimentiert. Wie würdest Du dieses neue Album denn einordnen resp. umschreiben?

Ich würde dem einfach sagen: „Aktuelle akustische Popmusik.“

Ah ok. Das ist ja sehr … ähm… einfach formuliert.

Ja, aber das ist halt so! Und schau, wegen der Hitparade vorhin: Ich frag mich das ja manchmal auch, aber vielmals stimmt’s ja nicht. Oftmals ist’s ja von all den Liedern nur eines, das Du über die Jahre hinweg mitnimmst und an das Du Dich erinnern kannst. Zum Beispiel „I Will Always Love You“, geschrieben von Dolly Parton, aber durch Whitney Houston berühmt gemacht. Das ist eigentlich ein ganz trauriges Lied, ein Abschiedslied. Und alle wünschen es sich bei der Hochzeit …

Hhm, nicht gut.

Nein, das ist gar nicht gut (lacht). Aber eben, es ist ein ganz trauriges Lied, aber es hat halt auch Romantik, es hat Melancholie drin. Oder – ich will es zwar nicht vergleichen, aber … – „Imagine“ von John Lennon. Das ist keine fröhliche Bombe. Oder auch in der Hitparade „Stark“ von Ich + Ich. Oder Norah Jones… Oder? Das ist ja auch nicht gerade … Aber die anderen gibt’s natürlich auch immer, die „gäge vüre“. Die sind halt toll im Radio, sehr wahrscheinlich, wenn Du am Bürotisch sitzt, gibt es noch einem noch ein wenig Schwung … Darum sind ja auch diese Formate entstanden: Dass man nicht zu sehr aufhört mit Arbeiten (lacht). Hat ja aber auch einen part of a horrible plan (lacht).


Zurück zu Deinem neuen Album: Es wurde ja vom Team um Ich + Ich produziert. Wie ist diese Zusammenarbeit zustande gekommen? Ich + Ich sind ja zurzeit sehr erfolgreich und sehr bekannt.

Ja, hhm, ich bin befreundet mit der Gründerin resp. Erfinderin von Ich + Ich, Annette Humpe, die auch die meisten Lieder von Ich + Ich geschrieben hat, sie ist ja Produzentin, schon über 10 Jahre. Und vor ein paar Jahren hat sie mal gesagt: „Komm, Du musst mal mit meinen Jungs was machen“ und so, „Du brauchst auch ein wenig frischen Wind, musst auch ein wenig mit den Jungen …“. Wirklich guet. Ich habe natürlich auch Freude, dass die jetzt so Erfolg haben und so jemand wie Du, eine Junge, die auch kennt und so.


Wie lange habt ihr denn zusammengearbeitet resp. wie lange hat’s gedauert von der ersten Idee bis zum Album?

Zwei Jahre. Das tönt jetzt so lange … Aber nicht durchgehend. Immer mit Unterbrüchen. Ich habe mal sogar Hip-Hop-Tracks eingesungen am Anfang ….

Was?!

Ja, bis das gekommen ist!  Aber das hätte ja nicht gepasst.

In der Tat.

Aber wir wollten halt mal schauen.

So quasi „mol luege“ …

Ja, wir wollten schauen, wie’s tönt. Und ich musste schon sagen: Der Song selber ist geil! Aber das muss eine junge Berliner Band machen. Das bin nicht ich. Obwohl es mir auch gefällt und ich das singen kann. Aber es stimmt einfach schon nicht ganz, weisch.


Was hast Du denn in den anderen drei Jahren gemacht? Dein letztes Album ist ja fünf Jahre zurück.

Ja, genau. Ich habe eine Best Of, also eine Rückblende rausgegeben. Habe viel live gespielt, habe mal noch Musik gemacht für einen Film, „Le jeune homme“ und für andere geschrieben, auch für 2raumwohnung. So öppe. Bin also schon immer tätig gewesen. Bin nicht faul gewesen. Also mängmol au fuul.


Manchmal muss man ja auch faul sein, nicht wahr?

Ja, man muss. Die Kreativität kommt sonst nicht! Es kommt nichts, wenn Du nur immer “use use use“ …  Muss auch mal wieder „ine ine ine“.


Wenn Du jetzt Deine acht Alben betrachtest: Wie würdest Du denn Dein neues jetzt einordnen?

Als das Schönste!


Das Schönste?!

Joohh. Aber das sagen ja alle, die ein neues Album draussen haben.

Aber findest Du das wirklich, oder sagst Du es eben nur?

Nein, ich finde das wirklich. Doch. Aber es ist auch schwierig zu vergleichen, weil die alle anders sind. Aber das ist so ein Album, das ich mir gewünscht habe. Ich mag auch Alben, die man sich von A bis Z anhören kann, die einen einheitlichen Sound haben mehr oder weniger, oder eine Stimmung. Meine Platten waren vielmals ja schon „mal so mal so“, dann hab ich noch ein Volkslied dazwischen genommen, was viele Leute auch geschätzt haben, aber wo viele auch gefunden haben: „Ich kann diese Platte nicht dürelose.“ Weisst Du so …  „Mal wieder einen Song und dann muss ich wieder zwei spulen.“ Aber ich fand halt immer, und so war ich auch: „Isch doch alles möglich!“ Eigentlich ist ja wirklich alles möglich, aber man darf auch andere Sachen berücksichtigen … (lacht)

Welcher ist denn Dein Lieblingssong auf dem neuen Album?

In einem Jahr müsstest Du mich nochmals fragen. Dann hat man genug Distanz.

Sind die Kinder noch zu klein, um ihre Macken zu erkennen?

Ja, es ist genau wie mit Kinder (lacht)! Wenn man welche hat, würde die Mutter wahrscheinlich sagen: „Ich habe alle gleich gern!“

Aber mit der Zeit verändern sich die Kinder ja …

Ja, es verändert sich. Und ich habe auch gemerkt, dass ich zum Teil auch ein wenig bestechlich bin. Dass mir viele Lieder auch gefallen, die dem Publikum sehr gefallen.


Man merkt ja halt auch, dass die Leute Freude haben.

Ja, wenn man an einem Konzert singt und man merkt, dass sie einen Song besonders gerne haben … Dann berührt das nochmals anders, als bei einem, wo Du merkst, dass die ihn jetzt ein wenig schwierig finden. Aber trotzdem machen, weil es muss sein. Ich habe eine Nummer – aber ich säg Dir nöd weli – im Moment im Konzert, die sind wir immer noch am Umarrangieren. Jedes Mal das Gleiche. Wir wollen ihn zwar noch nicht rauswerfen, der Text ist gut und die Musik ist gut, aber wir bringen es noch nicht so ganz äne. Und das spüren die Leute dann glaubs auch auf der Bühne. Also nicht im Kopf, aber irgendetwas ist halt dann ein wenig verhalten.


Um nochmals auf die Zusammenarbeit zurückzukommen: Du hast ja schon mit SEHR vielen Leuten zusammengearbeitet …

Ich bin ja auch schon SEHR alt, gäll! Der vorher hat gesagt: „Jetzt bist Du ja schon ein wenig älter …“ Und ich habe gesagt: „Ich bin noch überhaupt nicht alt, ich bin noch ganz jung!!“


Ja, Du bist NICHT alt, Du bist wirklich noch seeeeeeehr jung! (lacht) Weisch, ich weiss mittlerweile, mit welchen Sätzen man bei älteren Männern gut ankommt (lacht) …

Gseeesch, Du bisch guet! (lacht)


Zurück zur Frage: Gibt es noch Leute, mit denen Du unbedingt zusammenarbeiten möchtest? Mit Nina Hagen hast Du Dir ja einen grossen Traum erfüllt.

Ähm. Ganz viele, ehrlich gesagt.


Hhm?

Jaaa. Das ist ja so wie im Leben. Vielmals entsteht ja auch etwas, oder man macht mit jemandem Musik, den man auch einfach nur kennenlernt. Du denkst: „Wow, komm, wir machen mal was zusammen!“ Das geschieht organisch. Aber dass ich jetzt jemanden hätte, den ich am Anschreiben bin …  Das hab ich im Moment nicht.

Hast Du denn kein Idol?

Doch, das war eben die Nina Hagen! Und in der Schweiz war es Kuno Lauener. Mit dem habe ich ja auch was gemacht. Und in der Schweiz … Also nach dem Kuno habe ich wie so gedacht … Ich will ihn ja nicht zu hoch auf den Sockel stellen, aber …


So quasi: Es gibt nichts mehr nach Kuno?

Ja, ich würde ja auch ihn beleidigen, wenn ich jetzt gerade wieder mit jemand anderem was ähm … machen würde. Weisch. Was natürlich nicht stimmt, aber so … Nei, isch grad mal guet. Live duettiere ich mit der Sina und mit ihr möchte ich wieder einmal etwas aufnehmen. Also auch sie. Wir haben uns gesagt, nach den vielen Jahren, in denen wir uns besuchen und miteinander singen, ist es an der Zeit, dass wir mal was Schönes rausgeben. Irgendwann. Nöd grad jetzt. Wir sind noch zu jung dafür, wir fühlen uns noch nicht reif genug dafür (lacht).

Ja, gewisse Leute sind tatsächlich erst sehr spät reif, ja, ja …

Äbe gäll!


Mir ist aufgefallen, dass Du in jedem Artikel als „Chansonnier“ bezeichnet wirst. Wieso machst Du ausgerechnet Chanson oder das, was die Leute halt als Chanson bezeichnen?

Das hat man mir dann mal plötzlich gesagt. Weil ich viel französisch gesungen habe.


Aber gewisse Lieder sind schon sehr weit von Chanson entfernt … Du hast viel Jazziges drin, zum Beispiel. Entschuldige, wenn ich so direkt bin, aber das, was Du machst, ist kein Chanson.

Findsch au, gäll. Ich habe halt immer wieder mal ein Chanson gesungen. Und ich habe schon immer gesagt, es geht ins Pop-Chanson, dort ist der Begriff grösser. Aber ich finde das mit der Musik … Also Heavy Metal ist’s nicht.

Hhm. Eher nicht, nein.

Ich kann amel eher Dinge ausschliessen. Es fällt mir einfacher, Dinge auszuschliessen, die es halt nicht sind.


Hip-Hop ist’s auch nicht.

Genau. Free Jazz ist’s auch nicht. Aber es hat auch mal einen jazzigen Touch. Und halt auch einen akustischen. Und einen folkigen. A bitzli Singer-Songwriter hat’s auch drin. Es sind einfach schöne Lieder (lacht).


Hättest Du aber einen Lieblingschansonier, eine Lieblingschansonnière? Du warst ja lange in Frankreich, wie mir ein Freund erzählt hat.

Ja. Ich habe gern Edith Piaf gehabt. Das ist ja so die Übermutter der französischen Sängerinnen. Und in Frankreich habe ich auch sehr gerne, sind jetzt auch wieder sehr populär, die schönen Frauen ohne Stimmen.


Nun ja, die Frauen, die zwar schön sind, aber nicht singen können, sind ja zurzeit leider nicht nur in Frankreich sehr populär.

Ja, stimmt. Das ist ein richtiges Genre, diese Lolitas. Aber eine Zeit lang war das in Frankreich, 70er/80er Jahre, 60er auch … Brigitte Bardot … Jane Birkin … Und jetzt sind glaube ich 80 Prozent der Französinnen … „J’aime toi, mon amour.“ Auch Carla Bruni geht in die Richtung.


Oh je.

Findsch schlimm ? Also als Sängerin oder als Madame La Présidente?

Das Zweite.

Ich au.


Ich verstehe sie einfach nicht.

Ich au nöd.


Na ja, Macht macht sexy. Hö hö.

Ja, genau, einerseits verstehe ich das schon sehr gut … Ich kann es zwar nicht nachvollziehen, aber man sieht ihr an, was sie will. Darum kann ich die Musik nicht mehr hören.


Ja?

Nein, ich kann’s nicht mehr hören. Es hat für mich den Zauber verloren. Ihre erste Platte habe ich sehr gerne gehabt, aber ich kann sie nicht mehr hören. Ich habe jetzt wirklich das Bild von ihr mit diesem Mann … (schneidet eine Sarkozy-Grimasse)  Es hat den Zauber verloren. Sie hat jetzt die Musik jetzt so schön ruiniert. Aber sie gibt ja schiins jetzt ein neues Album raus, habe ich gerade gestern gelesen. Sie will halt gliich alles. Ich dachte, jetzt müsste sie ja nicht mehr Musik machen. Sie will trotzdem alles. Sie ist eine, die alles will. Und es noch bekommt!

Wobei ich mich schon frage,  ob ein Mann wie Sarkozy wirklich alles sein kann … (lacht)

Ja, es ist ja kein John F. Kennedy!! Man sagt ja auch, sie würde der Jackie O. nacheifern.


Oder Prinzessin Diana … Was aber noch eher passen würde, wenn man dann die Analogie zwischen Sarkozy und Charles weiterziehen würde …

Wieso, wegen den Ohren?


Nein, weil die beide ein wenig Deppen sind.

Ah, Du meinst also, die beiden sollen zusammenkommen? (lacht)


Haha (lacht). Ärmmm (räusper). Könntest Du Dir vorstellen, ein Album mal ganz alleine zu machen? Wie ich gehört habe, managst Du Dich ja ganz alleine. Stimmt das?

Ja, zumene grosse Teil.


Aber brauchst Du Menschen um Dich herum zur Inspiration?

Ja, im Moment schon. Ich bin auch jemand eher wie Du, der gerne an eine Party geht und halt auch mal erst sehr früh am Morgen ins Bett kommt, der gerne unter die Leute geht (lacht). Ich bin nicht der Einzelgänger oder halt der depressive Künstler daheim, der sich dann tagelang einverbarrikadiert. Diesem Klischee entspreche ich nicht. Also ich bin schon auch alleine, um viele Ideen zu entwickeln, aber dann gehe ich gerne raus. Aber es gibt ja auch die anderen und die machen das ja auch gut so. Aber ich kenne auch Leute, die haben Mühe mit anderen. Die IHREN Ton, IHREN Gedanken, IHR Wort haben wollen. Kenne ich viele. Aber ich bin nicht so.


Dein Album wurde ja in Berlin produziert. Wirst Du auch im Ausland touren oder bleibt’s bei der Schweiz?

Ich gehe sogar nach Wien für einen Gig. Und ab Herbst werde ich auch in Deutschland touren.


Du hast ja bereits sehr viele Dinge gemacht. Warst Schauspieler, Musiker, bist sogar im Zirkus aufgetreten als Stimmartist und Dein ursprünglicher Beruf ist Krankenpfleger. Was machst Du am liebsten?

Singen.

Und schauspielern? Du bist ja sehr oft aufgetreten.

Ja, ich habe bei sehr vielen Stücken mitgewirkt, aber ich sehe mich nicht als Schauspieler. Ich habe vor allem gesungen in den Theaterstücken und nur wenig geschauspielert. Richtig schauspielern ist wirklich ein anderer Job. Die echten Schauspieler würden mich lynchen, wenn ich jetzt sagen würde, ich sei Schauspieler. Das bin ich nicht.


Hhm, habe mich bei einigen Leuten umgehört, was sie von Dir als Künstler halten und muss Dir ehrlich sagen, dass alle nur von Deiner Schauspielerei gesprochen haben … Alle haben gesagt, Du seist ein hervorragender Schauspieler.

Das ist eben frustrierend. Das, was man am liebsten macht, das wänd‘s nöd. Aber viele sagen mir auch nach Gigs – ich interagiere mit dem Publikum und unterhalte es, bin manchmal auch frech -, ich müsste Schauspieler werden. Nei, wetti nöd! Oder andere sagen, ich müsste Comedy machen. Nei, wetti au nöd! Ich will genau das hier. Und das hat ja auch Platz in den Live-Konzerten.


Man ist ja in einem gewissen Sinne auch Entertainer als Sänger, von dem her ist ein wenig Schauspielerei ja inbegriffen.

Ja, genau.

Aber das Singen ist im Vordergrund?

Genau.

Dann muss ich das den Leuten wohl mal sagen …

Na ja, ist ja egal, wenn das denen besser gefallt … Kann ich auch nichts dran ändern.


Hhm, das ist seltam. Es haben wirklich einige Leute in meinem Alter erzählt, sie hätten Dich in einem Stück gesehen.

Ja, wahrscheinlich sind das so theaterinteressierte Leute, gell?

Hhm.

Die gibt’s eben auch noch. Ich kenne halt nicht so viele theaterbegeisterte Menschen. Ausser Schauspieler. Aber die anderen sagen alle, sie gehen nicht gerne ins Theater. Gehst Du gerne ins Theater?

Ärmm, nein …

Gsesch, ich au nöd. Gehe halt mit bei Freunden oder so, aber sonst … Ich gehe halt lieber an einen Gig.


Zu etwas ganz anderem: Es ist ja so, dass Du die Nation extrem spaltest: Die einen lieben Dich, die anderen hassen Dich. Wie gehst Du damit um?

Tja, solange ich das nicht jeden Tag face-to-face miterlebe, ist mir das relativ egal.


Dann sind die Leute recht zurückhaltend?

Ja, schon. Und ich bin auch jemand, der sich wehren kann. Ich habe ein relativ grosses Maul. Bei so etwas bin ich gar nicht scheu, nicht mehr. Aber eigentlich ist man, und das ist bei vielen so, die auf der Bühne sind, sehr harmoniesüchtig. Und eigentlich verstehe ich manchmal nicht, was das Problem ist … Ich mache ja nur, was ich mache. Was soll das?

Du bist halt speziell und gewisse Menschen können grundsätzlich nicht damit umgehen.

Ja, das ist tatsächlich so. Aber das macht den anderen Teil halt auch aus… Das ist halt dieses Schwarz-Weiss. Andererseits ist’s ja auch positiv. Dafür haben die anderen umso mehr Freude. Man ist den Leuten jedenfalls nicht egal. Aber weisst Du, es gibt auch sehr viele Leute, die sagen mir, sie fänden mich noch einen coolen Typen, könnten aber mit meinem Sound nichts anfangen. Wenn ich sie dann frage, was sie denn gehört haben, antworten sie: „Nichts.“ Das sind halt die Vorurteile oder eine gewisse Schublade, die schnell zu ist und die dann auch ganz lang geschlossen bleibt.

Das ist schade.

Ja, schon. Aber die, die mich kennenlernen würden … Ich ha se no immer omekriegt. (lacht)

Das stimmt. (lacht)

Obwohl ich das gar nicht will. Mit zunehmendem Alter kann man es auch besser kanalisieren. Solche Dinge gibt es halt, es ist ok. Aber wenn das jemand vor 10 Jahren gesagt hätte, das hat mich schon sehr mitgenommen. Es mag eim scho. Weil ich ja nicht einmal die Chance habe, diese Person blöd zu finden, weil ich sie ja gar nicht kenne. Das ist ja das Unfaire.

(lacht)

Oder nicht? Das ist wirklich unfair. „Ah, Du findest mich ein Arschloch? Ich kenn Dich nicht einmal.“

Wie denkst Du über die Schweizer Musikszene? Glaubst Du, dass die Leute in Frankreich oder Deutschland offener sind?
Das glaube ich nicht. Man sagt ja auch immer, in der Schweiz als Musiker sei es so schwierig. Aber meine Kollegen, die nicht bekannt sind in Deutschland, die sagen auch, in Deutschland sei es soo schwer. Weisch wie, so nes grosses Land! In Frankreich und Italien z.B. geht man halt einfach mit den einheimischen Künstlern ganz anders um. Das gehört zu ihnen, sie sind stolz darauf. In Frankreich ist 70% der Musik am Radio französisch. Oder in den Charts: Was man bei uns sieht, sieht man da nie. In Deutschland und in der Schweiz hat man halt noch Mühe mit Eigenem. Man ist stolz auf Sportler, eine Leistung, die man messen kann. Wer isch dä Schnellscht gsi? Und in der Schweiz sind’s noch die Missen. In der Musik ist das halt anders. Aber es hat gebessert in den letzten 30 Jahren. Man ist auf einem guten Weg. Es ist aber immer noch elendiglich, das finde ich auch. Ich habe auch heute noch viele Kollegen, die sagen, sie hätten sich noch nie für Schweizer Musik interessiert, ich sei eine Ausnahme.


Da fragt man sich doch: Wieso?

Das ist halt dieser Komplex. Es muss alles von aussen kommen, dann hat es einen Wert. Und dieser Komplex wird noch lange in den Leuten bleiben.


Welche Botschaft möchtest Du den Menschen mit Deiner Musik mit auf den Weg geben? Was sollen sie mitnehmen nach einem Konzert oder nachdem sie sich die CD angehört haben?

Oh, also nach einem Konzert sollen sie erfüllt rausgehen, ein Wechselbad der Gefühle haben. Es soll reichhaltig sein. Für meinen Geschmack darf es einmal auch traurig sein oder hart, aber man soll rausgehen mit dem Gefühl: „Wow.“ Wie nach einem tollen Vier-Gänger. Und die Message … Hhm, das finde ich immer schwer. Jedes Lied hat doch eine andere Botschaft und sie ist halt was Musik ist: Love, Peace & Happiness.


(lacht)

Ja, doch! Es ist ein Angebot, um doch dem Alltag schnell zu entfliehen.


Kannst Du mir noch sagen, welches die letzten fünf CDs waren, die Du gekauft hast?

Hhm. Ich kaufe nur noch selten CDs. Ich lade mir alles runter.


Hhm?!

Legal, natürlich, auf iTunes! Ich habe sooo viele CDs, bestimmt etwa 5000. Ich bin wirklich so ein CD-Junkie. Ich habe mein Geld schon immer für CDs ausgegeben. Aber jetzt kaufe ich nur noch so Sammlungen oder so ähnlich. Habe gerade eine gekauft von Claude François, die jetzt auch in den Charts ist. Ist glaube ich jetzt 30  Jahre tot, ein französischer Sänger, den ich früher ganz furchtbar fand. Habe es im Schweizer Fernsehen im Dok gesehen und dachte: „Mol, die muesi au ha, die Sammlig“! Und … was habe ich denn sonst noch gekauft? Ah, Philipp Fankhauser, der Blueser da, der Schweizer. Ich sage auch noch Sina, aber sie hat mir auch eine geschickt … Aber ich habe sie auch gekauft! Von den Kollegen kaufe ich es immer, fürs Glück. Ich bin halt ein wenig abergläubisch. Hhm, was habe ich denn noch gekauft …?

Kannst auch ein Album nennen, das Du runtergeladen hast.

Ja, hhm, ich bin halt langsam auch einer, der nur Lieder runterlädt … Nicht mehr ganze Alben. Müssen’s denn fünf sein?

Ja, bitte.

Guet, de muesi halt no gschnäll studiere … Ah, doch, ich habe mir noch eine bestellt auf cede.ch. Carola, eine schwedische Sängerin. Happiness! Ganz fröhlicher Sound.


Oh je. (lacht)

Wie’s nur die Schweden können, oder? (lacht) Und dann noch Züri West.


Also mehr Schweizer CDs als ausländische?

Ja, ich kaufe viele Schweizer CDs.

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