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Interview mit Malajube

Interview mit Malajube

Erstellt am: 06.08.2007
Autor:
Erstellt am: 06.08.2007   Autor:

Interviews

Interview mit Mathieu Cournoyer, Bassist von Malajube, am 05. August 2007 auf dem Spielplatz hinter der Roten Fabrik, Zürich.

Enchanté!

Es ist lange her, seit ich das letzte Mal auf dem Rasen gespielt habe. Der warme Sommerabend am See und die vorzügliche kanadische Unterhaltung von Mathieu Cournoyer boten glücklicherweise die perfekten Umstände für einen neuen Versuch.

In Ordnung, lass mich nur noch kurz abchecken, wie lange ich dich behalten darf.

Ach, ich habe Zeit, mach dir darüber keine Sorgen.Wunderbar. Dann möchte ich als Erstes mal wissen, wie’s dir geht.
Alles prima – das ist auch ein wirklich schöner Platz hier und das Wetter ist phänomenal.Ja, das stimmt. Also, ich habe mir überlegt, dass wir vielleicht die Fragen, die beinhalten, in welchem Studio ihr aufgenommen habt und wie ihr zu eurem Label gekommen seid, einfach weglassen und stattdessen ein Spiel spielen.
Eine Freundin hat es mir geschenkt und es ist im Grunde dazu da, das Eis zwischen Leuten, die sich nicht allzu gut kennen, zu brechen. Was ziemlich erbärmlich ist, aber es macht trotzdem Spass. (lacht) Was sagst du?
Das hört sich super an, lass uns das spielen.

Wunderbar. (verteilt die Karten mit den Fragen auf dem Rasen)
Soll ich eine ziehen?
Gerne, ich werde dir dann die Frage übersetzen.

Also, wer ist deiner Meinung nach die grossartigste Person aller Zeiten?
Das ist meine Freundin, würde ich sagen. Aber das ist ein wenig kitschig, was?
Nein, das ist doch prima, das nehm’ ich. (lacht)
Ich meine, sie ist vielleicht nicht der grossartigste Mensch der Welt, rein objektiv gesehen, aber für mich ist sie das.

Hey, möchtest du diese Frage vielleicht vorlesen?
Klar, ich versuch’s: „Gibt es deiner Meinung nach Dinge, über die man keine Witze machen sollte?“.
Das klingt richtig gut. Hast du eine Idee, was es bedeuten könnte?
Nein, keine Ahnung.
Die Frage lautet, ob es Sachen gibt, über die man sich nicht lustig machen sollte.
Ja, ich denke schon.
Ehrlich? Ach so, das erstaunt mich natürlich. (lacht) Was denn beispielsweise?
Vielleicht Inzest oder Vergewaltigungen. Wobei, auch darüber gibt es Witze, über die ich lachen kann.
Es kommt ja auch immer auf den Witz an.
Stimmt. Vermutlich gibt es also nichts, was dermassen heilig ist.

Wenn du willst, kann ich mich revanchieren, indem ich die nächste Frage auf Französisch übersetze; was meinst du?
Sehr gerne, ja.
Also: „Wenn du dein Alter ändern könntest, wärst du dann gerne jünger oder älter als jetzt?“
Dein Französisch ist ja wirklich fabelhaft.
Danke, aber das täuscht. Und, wie lautet deine Antwort?
Ich schätze, ich wäre dann gerne wieder jünger.
Welche Zeit war denn bis jetzt die beste deines Lebens?
Ich glaube, die hatte ich mit 17.
Was ist passiert, als du 17 warst? (Mathieu denkt nach) Ich meine, abgesehen von… na ja, allem. (Beide lachen)
Gut gesagt. Es war wirklich alles; ich bin von zu Hause ausgezogen, wurde langsam selbstständig, bin durch Europa gereist etc. Wie alt bist du denn?
Ich bin 18.
Wow, geniess das.
Ich gebe mir alle Mühe. (lacht)

Oh, das ist eine tolle Frage: Was ist die grösste Ironie am Leben?
Ich weiss es nicht. Die Liebe?
Komm schon, das kannst du besser. Du musst hier schliesslich die Band repräsentieren. (lacht)
Stimmt, aber mir fällt echt nichts ein. (lacht)
Soll ich mir etwas Philosophisches ausdenken und es dann einfach einfüllen?
Ja, tu das. (lacht)

Der beste Witz, den du je gehört hast?
Darin bin ich unglaublich schlecht, ich kann mich nie an Witze erinnern. Die einzigen, die ich nicht vergesse, sind irgendwelche anstössigen Witze eines Bekannten, „baby jokes“ zum Beispiel.
Dann nehme ich einen „baby joke“. (lacht)
Nein, das ist echt zu hart.
Komm schon, ich habe vorhin bei meinen Freunden einen Witz über Hitler gerissen, du kannst es mir also getrost erzählen. (Mathieu lacht)
Okay, wie kannst du ein Baby zum Weinen bringen?
Keine Ahnung.
Nein, ich kann’s echt nicht erzählen, das ist nicht einmal lustig. Tut mir Leid.

Kein Problem. Auch hier eine gute Frage: Wie siehst du aus, wenn du dein lustigstes Gesicht machst? Warte kurz, ich zücke mal eben meine Kamera. (lacht)

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Nun, gab es in deinem Leben ein Ereignis, von dem du rückblickend nicht mehr glauben kannst, dass du das gemacht hast oder zumindest ein Teil davon warst?
Ja, ich habe einmal nackt vor tausend Leuten gespielt.
Ach, ehrlich?
Ja, in Quebec. Und meinen Bass habe ich auch kaputtgeschlagen an dem Abend. Das war wirklich grandios. (lacht)
Sieht so aus. (lacht) Das kommt bestimmt in deine Biographie.
Ja, vermutlich. (lacht) Schade, dass ich kein Bild davon habe.
Ach, mach dir darüber keine Sorgen; ich bin mir sicher, dass hundert pubertierende Mädchen welche gemacht haben. (lacht)

Wenn du einen Moment deines Lebens noch einmal durchleben könntest, welcher wäre das?
Ich schätze, das wäre der Augenblick, in dem ich meine Freundin zum ersten Mal gesehen habe.
Wie habt ihr euch denn kennengelernt?
Sie arbeitet im Café bei mir um die Ecke in Kanada, dort bin ich dann monatelang hingegangen.
Und wer hat den ersten Schritt gemacht?
Das war ich: Ich hab ihr meine Nummer aufgeschrieben. Sie lachte erst nur, und meinte: „That’s so lame!“ (Mathieu lächelt). Aber dann hat sie doch angerufen.
Und wie lange seid ihr jetzt schon zusammen?
Inzwischen sind es zweieinhalb Jahre.
Schön, das freut mich für euch.

Auch hier, sehr interessant: Welche der sieben Todsünden begehst du am meisten?
Ich kann mich gerade nicht an alle erinnern.
Mir fällt spontan auch nur Neid ein, wie armselig. (lacht)
Und Habgier.
Ja, entscheide dich am besten zwischen Neid und Habgier.
Dann bin ich lieber neidisch.

Lass uns noch zwei nehmen: Was bereust du bis jetzt am meisten?
Ich bereue gar nichts.
Klar, das sage ich den Leuten auch immer. Aber es gibt bestimmt Dinge oder Entscheidungen, die sich als nicht besonders klug erwiesen haben.
Da hast du schon Recht, ja. Ich schätze, ich würde vielleicht die Schule nicht abbrechen; nach der High School habe ich ungefähr zwei Monate lang studiert, bis ich es dann aufgegeben habe.
Was hast du damals studiert?
Sprachen.
Ehrlich? Welche denn?
Spanisch und – man glaubt es kaum – Deutsch.
Deutsch, echt? Und das sagst du mir erst jetzt?
Ja, ich war, wie gesagt, nicht lange da und habe das Meiste auch schon wieder vergessen. Na ja, und manchmal frage ich mich, was gewesen wäre, wenn ich damals anders entschieden hätte. Aber von jetzt aus gesehen, finde ich es gut, wie es ist.
Schön. Gut, dass wir darüber gesprochen haben. (lacht)

Und zum Schluss erzählst du mir bitte noch von der “längsten Minute”, die du überstehen musstest.
Das muss in der High School gewesen sein. (lacht) Du stehst alleine vor deinem Lehrer und hast keine Ahnung, was du sagen sollst.
Oh, damit bin ich vertraut. (lacht)
Ja?
Klar, ich habe gerade meine Abschlussprüfungen hinter mich gebracht.
Ehrlich? Du hast sicherlich bestanden, oder?
Ja.
Toll, gratuliere! Jetzt bist du bestimmt froh, dass es vorüber ist, was?
Ja, sehr. Danke.

Nun, bevor wir aufhören, gebe ich dir noch die Schweizer Schokolade, die ich für dich mitgebracht habe.
Echt? Das ist ja super, danke dir.
Gern geschehen. Vielleicht solltest du sie allerdings erstmal in den Kühlschrank legen.
Das werde ich tun. Danke!

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Fotos: Nadja El Kinani