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Interview mit Leech und Long Distance Calling
Interview mit Leech und Long Distance Calling

Interview mit Leech und Long Distance Calling

Erstellt am: 23.01.2009
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Erstellt am: 23.01.2009   Autor:

Interviews

Sergej Weber von Archetype Promotion gab mir die Möglichkeit, aufgrund der Veröffentlichung der Split-EP 090208 (ja, dies ist zwar ein Weilchen her, die Artisten haben sich Zeit gelassen), ein paar Fragen an Leech und LongDistanceCalling zu stellen. Dies geschah per E-Mail und war somit nicht dermassen spontan, wie man es sich von Interviews gewohnt ist. Serge (Drums) von Leech und Jan (Bass) von LDC haben sich freundlicherweise die Zeit genommen und die Fragen beantwortet. Nachfolgend was dabei rausgekommen ist. Dank geht an die Bands, an Serge und Jan im Besonderen sowie an Sergej.

Ich tue jetzt einfach mal so, als sei dies ein mehr oder minder echtes Gespräch. Besten Dank fürs beantworten der Fragen schon mal zu Beginn…Und besten Dank für das Album 090208. Wie ihr eventuell bereits auf exitmusic.ch nachgelesen habt, gefällt mir die Platte ausserordentlich.

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Leech und Long Distance Calling entstanden? Wie habt ihr einander gefunden? Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Jan: Hey erst mal! Wir haben am 09.02.08 eine gemeinsame Show in der Schweiz gespielt und waren sofort musikalisch voneinander angetan. Beide Bands hatten zuvor nichts von einander gehört. Im Laufe des Jahres kam dann die Idee etwas gemeinsam zu machen und das Resultat ist die Split-EP mit dem Titel „090208“, was gleichzeitig das Datum unserer gemeinsamen Show war.

Wie ist die gemeinsame Tour gelaufen? Welcher Auftritt hat am meisten gesteppt?
Serge: Die Tour war super! Es hat echt grossen Spass gemacht, mit den Jungs von LDC. Für uns war es bis jetzt die angenehmste Tour. Es ist wichtig, dass man sich gut versteht, wenn man ein paar Tage gemeinsam unterwegs ist – und das haben wir!
Der Gig im Kiff in Aarau war besuchertechnisch sicher der beste, weil halt auch am meisten Leute da waren…aber vom spielen her war es Eisenach – da hat einfach alles gepasst!
Jan: Die Tour war super! Die Jungs von Leech sind einfach die nettesten Menschen, die man sich vorstellen kann und, genauso wie wir, nie um einen dummen Spruch verlegen. Das passt einfach perfekt zusammen, menschlich wie musikalisch.

Ich als Zuhörer empfinde etliche, postrock-typische ’kalte Schauer’ während ihr spielt, also so ein Gefühl des deftigen Weggehauen-Werdens ob eurer gewaltigen Gitarrenwände, egal ob ab Platte oder live. Welche Emotionen spürt ihr bzw. was empfindet ihr persönlich während dem Spielen? Wie geht es euch dabei? (Entschuldigt bitte diese Frage, doch mein Psychologiestudium zwingt mich beinahe, diese zu stellen Lächelnd)
Jan: Ich kann natürlich hier nur für mich sprechen aber ich bekomme bei einigen Parts immer noch Gänsehaut während wir spielen. Man steigert sich selbst so in diese Songs und ihre Atmosphäre, dass man alles um sich herum vergisst. Das ist bei dieser Art von Musik schon etwas Besonderes.

Und gleich anschliessend bzw. passend: Welche Emotionen wollt ihr beim Publikum auslösen? Soll das Publikum ’nur’ zu Boden gerockt werden oder habt ihr ’höhere’ Ziele? Vielleicht auch: Welche Botschaft wollt ihr an den Mann / die Frau bringen? Was versucht ihr mit der Musik auszudrücken?
Serge: Natürlich wollen wir eigentlich nur das Eine: Die Leute gnadenlos zu Boden rocken…hahaha! Ich glaube, dass ist mit unserer Musik ja noch recht schwer. Natürlich haben wir solche Teile in unserer Musik aber wir haben auch ruhigere Passagen, die schon fast ins Ambientive reinspielen.
Wir wollen dem Zuhörer einfach unsere Musik weitergeben und sie teilhaben lassen, an dem was wir machen. Was wir alle damit ausdrücken sind unsere Gefühle – die je nach Abend auch total anders sein können…ich denke die ‚Message’ in unserer Musik läuft ausschliesslich über Gefühle, da wir keinen Gesang haben. Aber Gefühle sind oft stärker und berühren tiefer, als die meisten Sänger…
Jan: Wir als Long Distance Calling wollen den Zuhörer/Zuschauer mit auf eine Reise nehmen, auf der ein breites Spektrum an Emotionen abgedeckt wird. Natürlich führen manche langen Parts zu einem tranceähnlichen Zustand, aber wenn wir nach vorne rocken darf auch gerne mal das Haar geschüttelt werden 

Woher nehmt ihr die Ideen / die Inspiration zu eurer Musik? Und hierzu passend: Welche Bands hört ihr Privat bevorzugt?
Jan: Das ist bei uns ganz verschieden und somit nicht allzu leicht zu beantworten. Im Bandbulli wird von Katatonia über Tool, Porcupine Tree, Isis, 80er-Metal bis zu Trentemöller eigentlich alles gehört. Als Inspiration würde ich diese Bands allerdings nicht zwangsläufig sehen, die Inspiration entsteht eigentlich mehr aus unserer momentanen Situation / Laune heraus.

Wie kontert ihr die Kritik (mir persönlich zwar unverständlich, ist mir von Kollegen, die mit dem Genre nicht ganz warm werden, jedoch schon des öfteren zu Ohren gekommen), dass Postrock insgesamt kaum mehr Neues zu bieten hat? (Ich höre dann so doofe Kommentare wie: jaja, die spielen eh nur mit ihren Spannungsbögen, lassen mal die Sau raus und beginnen wieder von vorne…und diese Bands tönen eh alle gleich…da mal ein bisschen Computer, da mal Streicher, hier noch ne Steel-Guitar, doch insgesamt erkenne ich kaum einen Unterschied…)
Anders formuliert: Was macht euch einzigartig?   
Serge: Wir selber und die Musik die wir spielen, dass macht uns einzigartig. Hör Dir die erste Leech-    Platte an, hör Dir die neue Platte an – merkst Du etwas? Genau, Du kannst hören, dass es     sich um die gleiche Band handelt! Obwohl die Produktionen total verschieden sind, aber Du erkennst sofort, dass wir das sind. Darum geht es!
Was ist denn Postrock und wie definiert der sich? Ich persönlich kann mit diesem Begriff nicht viel anfangen…sind wir Postrock? Leech ist ganz einfach Rockmusik mit Sphäre und Pop-    Melodien – und was hier ganz wichtig ist – der Hörer braucht Zeit, um sich mit Leech zu befassen!
Jan: Da möchte ich mich meinen Kollegen von Leech anschliessen. Auch bei LDC hört man meiner Meinung nach sehr schnell, dass wir das sind. Wir spielen mit den unterschiedlichsten Elementen und trauen uns auch diese einzusetzen. Bei vielen Postrock-Bands hört man in der Tat keine grossen Unterschiede und das ist ja auch ok so. Wir allerdings versuchen eine uns eigene Mischung zu schaffen, in der extrem ruhige, melancholische Parts gleichberechtigt neben progressiven Strukturen . , Rockriffs und elektronischen Sounds stehen und miteinander harmonieren. Allein durch unseren Drummer Janosch, der auch bei Misery Speaks spielt, klingen wir teilweise wesentlich härter als viele unserer Artgenossen.

Soweit ich am Konzert im Sedel mitbekommen habe, arbeiten LDC an neuem Material. Worauf darf ich mich freuen bzw. gefasst machen und wann erscheint die Arbeit? Und wie sieht die Zukunft von Leech aus (Veröffentlichung von “The Stolen View“ in Deutschland und dann?)
Jan: Das neue LDC-Album ist so gut wie fertig. Es ist komplett aufgenommen und gemixt, wir lassen es gerade mastern. Eine VÖ ist für April geplant. Du kannst dich auf ein Album gefasst machen, das im Gegensatz zu „Satellite Bay“ dynamischer, ein wenig schneller und insgesamt bunter ist. Wir sind gespannt, was die Leute sagen.

Dann danke ich freundlichst für die Mitarbeit. Nach diesem Interview haben wir zwei Rezensionen (090208 und The Stolen View ), einen Konzertbericht (Sedel, Luzern) und dieses Interview auf exitmusic.ch, da sollte doch der eine oder andere Leser aufhorchen und vor allem hinhören.
Dann wünsche ich euch alles Beste für die kommenden Jahre, freue mich auf weitere Alben bzw. Konzerte und danke euch für eure Musik.

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