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Interview mit Kaiser Chiefs
Interview mit Kaiser Chiefs

Interview mit Kaiser Chiefs

Erstellt am: 14.04.2006
Autor:
Erstellt am: 14.04.2006   Autor:

Interviews

Interview mit Simon Rix, Bassist der Kaiser Chiefs, am 03. März 2006 im Fri-Son, Fribourg.

Simon und die Popkulturen

Mit Simon Rix zu sprechen, das ist, als hätte man ein Kulturmagazin vor sich aufgeschlagen. Nur mit hübschen Locken und britischem Akzent. Und manchmal auch ohne Kultur.

Wie geht es dir?
Mir geht es prima und dir?

Ebenso, danke. Wie war die Tour bis jetzt?
Es hat mir unheimlich gut gefallen, die Shows verliefen ohne Ausnahme praktisch problemlos und die Fans vermochten mich immer wieder aufs Neue zu überraschen. Ich kann es manchmal kaum glauben.
Dass ihr so viele Bewunderer habt?
Genau. Dass es da draussen so viele Leute gibt, die uns sehen und hören wollen. Das ist wirklich unglaublich. Die Zahl unserer Fans ist drastisch gestiegen, glaube ich.

Das ist mir auch aufgefallen; allerdings, als ich mir das Forum auf eurer Webseite angesehen habe. Die sind ja ganz schön aktiv. Was hältst du persönlich von dieser Plattform? Meldest du dich dort ab und an zu Wort?
Anfangs, als es noch nicht so regelmässig von so vielen Leuten bewirtschaftet wurde, habe ich mich öfter dort gemeldet, inzwischen hat es aber so eine Art Eigendynamik entwickelt, weißt du?
Inwiefern hat es das?
Neulich beispielsweise, da wollte ich mich zu etwas äussern und wurde prompt von einem der zahlreichen Administratoren gerügt und darauf hingewiesen, meine Antwort doch bitte in einem anderen Bereich des Forums zu posten. Seitdem habe ich es nicht mehr probiert. (lacht)

kaiserchiefs_simonrix

Nun, ich habe gelesen, dass ihr zu Anfang eurer Karriere überhaupt keine hochgesteckten Ziele hattet. Wie hat sich das inzwischen, wo ihr nun ungefähr sechs Millionen Google Hits vorweisen könnt, verändert?
Sechs Millionen? Echt?
Ja.
Cool. Was unsere Ziele anbelangt: Die ändern sich immer wieder. Man liest ja immer wieder über uns, dass wir keine grossen Erwartungen hatten, was teilweise auch stimmt, jedoch ist es aber grundsätzlich einfach so, dass wir das Ganze Schritt für Schritt angehen wollten, weißt du? Uns war es zu Beginn erst einmal ein Anliegen, bei einem Festival spielen zu dürfen. Dann erst kamen die ausverkauften Auftritte, das Auftauchen in einer Top Ten-Liste, das Verkaufen des Albums und so weiter. Und sieh uns an; inzwischen waren wir sogar bei den NME Awards.
Das ist in der Tat beeindruckend. Wie sieht es in Sachen Zukunft aus? Worauf arbeitet ihr gerade hin?
Darauf, ein neues Album zu produzieren, dass hoffentlich besser ist, als das vorherige. Du siehst: Wir sind schon ambitioniert.
Sieht so aus, ja.
Aber auch realistisch.

Das ist nicht das Schlechteste. Etwas ganz Anderes: Was hörst du dir momentan an?
Da gibt es so einiges. Ein paar neue Sachen von den Veils beispielsweise. Darüber hinaus die neue Platte von den Strokes und von Belle & Sebastian. Und Yellowcard, hier aber eher vereinzelte ältere Stücke.
Jene auf „Ocean Avenue“?
Unter Anderem, ja. Das ist ein gutes Album.
Allerdings. Ich mag ja diese Ode an den Vater so sehr.
Wo er seinem Vater dankt und ihn wissen lässt, dass er werden möchte wie er?
Genau. Das ist so ein cooler Song. Aber zurück zur Frage: Was magst du denn sonst noch?
Als wir unser erstes Album aufgenommen haben, hat Nick parallel dazu eine Platte gemacht, worauf er ein paar Sachen aus seiner damaligen DJ-Zeit zusammengenommen hat, die höre ich mir auch regelmässig an.

Ich habe dich ja vorhin gerade vom Lesen abgehalten. Was macht so jemand wie du sonst noch den ganzen Tag über?
Ich lese schon ziemlich oft wenn wir auf Tour sind.
Welches ist dein Lieblingsbuch?
Der Fänger im Roggen.
Gute Wahl. Kennst du „Franny and Zooey“ von Salinger?
Ich habe davon gehört, es aber nie gelesen.
Dann hol das bitte nach, du wirst es sicherlich mögen.
Ich werde es mir merken.

Womit beschäftigst du dich, abgesehen vom Lesen, auch noch regelmässig?
Ich verkörpere das Musikerklischee, hänge oft im Tourbus herum und sehe mir Filme an.
Ein Filmfan, sehr schön. Spielberg oder Kubrick?
Spielberg.
Falsch. (Simon lacht)
Ja, aber: Kubrick ist vielleicht der bessere Filmemacher, aber Spielberg macht all die guten Filme. Ich meine, Jaws war gut, E.T. war gut, Jurassic Park war gut.
Natürlich mag ich auch Kubrick, jedoch sind seine Filme auf eine so spezielle Art faszinierend, dass man sie sich nur einmal im Leben ansieht und dann nie wieder. Nehmen wir beispielsweise Eyes Wide Shut, kennst du den? Mit Tom Cruise?
Und Nicole Kidman, ja.
Würdest du dir diesen Film ein zweites Mal ansehen wollen?
Ich habe ihn schon mindestens dreimal gesehen, aber ich verstehe, was du meinst.
Eben. Oder auch Clockwork Orange. Der Film an sich hat mir sehr gefallen, aber ich habe nie wieder das Verlangen verspürt, ihn mir erneut zu Gemüte zu führen. Aber gut fand ich ihn schon.
Das ist ja auch ein ausserordentliches Werk.
Wusstest du, dass Nicks Grossvater eine Rolle darin hatte?
Nein, ehrlich? Wie cool.
Ja, nicht? Nick erwähnt das immer und immer wieder. (lacht)

Das kann ich mir vorstellen. Nennst du mir deinen absoluten Lieblingsfilm? Denjenigen, den du dir am häufigsten ansiehst, wenn du gelangweilt im Tourbus rumhängst?
Klar. Das ist The Sting mit Robert Redford, Paul Newman und ein paar unbekannteren Schauspielern.
Den kenne ich nicht. Worum geht es?
Das ist so ein Gangsterfilm im Stil von Fight Club, nur besser.
Ja? Den fand ich nämlich toll.
Was er auch ist, zweifellos. Dann solltest du ihn aber auch unbedingt The Sting ansehen. Er hat wirklich mehr Pfiff als Fight Club.

Natürlich habe ich es nicht für nötig befunden, dir eine einzige seriöse Frage zu stellen, aber ich finde, wir sollten es im Sinne von Nick Hornbys High Fidelity – „What really matters is what you like, not what you are like.“ – dabei belassen.
In Ordnung.
Gut, dann danke ich dir herzlich für das Gespräch und wünsche dir viel Spass heute Abend.
Gern geschehen.

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Foto: Nadja El Kinani

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