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Interview mit Hot Club de Paris

Interview mit Hot Club de Paris

Erstellt am: 02.03.2007
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Erstellt am: 02.03.2007   Autor:

Interviews

Interview mit den Jungs von Hot Club de Paris am 19. Februar 2007 in der Boa, Luzern.

All you need to know about Paris

Ein Speed-Date mit einer Promqueen und ihren Jüngern.

Alasdair, wie geht es dir?
Alasdair: Mir geht’s prima, aber ich bin ziemlich müde. Letzte Nacht haben wir wieder bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Es ist also meine eigene Schuld, aber ich werde es bestimmt überleben.

Und wie hat dir die Tour bis jetzt gefallen?

Alasdair: Es war unglaublich, wirklich. Wir haben in Amsterdam, einer meiner Lieblingsstädte, angefangen und die positive Grundstimmung hat sich dann über die Auftritte in Deutschland bis jetzt stetig verbessert. Obwohl ich anfügen muss, dass das Lokal in Basel wohl eine Nummer zu gross für uns war. (lacht)
Ehrlich? Wart ihr in der Kaserne?
Alasdair: In der Kaserne, genau. Na ja, so schlimm war’s auch gar nicht; gegen Ende sind dann ziemlich viele Leute aufgetaucht.

Gibt’s irgendwelche speziellen Ereignisse in naher Zukunft, auf die du dich freust?

Alasdair: Ja, wir machen nämlich etwas bei den NME-Awards. Und ansonsten…
(Matthew stösst dazu) Matt, gibt’s da sonst noch etwas?
Matthew: Wie lautet die Frage?
Alasdair: Ob wir etwas Spezielles machen in Zukunft.
Matthew: Da fällt mir bloss ein, dass wir bald in Brasilien ein Konzert geben werden.
Ehrlich? Wie cool ist das denn?
Matthew: Ja, nicht? Irgendein Typ hat angerufen und gefragt, ob wir Lust hätten, bei einem Festival in Brasilien mitzuwirken und wir haben spontan zugesagt.
Das ist wirklich super.

Matthew, du bist ja nicht bloss ein Mitglied der Band, sondern sozusagen auch der Tourmanager, oder?
Matthew: Nenn mich doch Matt, so nennen mich alle meine Freunde. Matthew klingt so elitär. (lacht) Aber um deine Frage zu beantworten: Ja, im Grunde bin ich das schon. Obwohl ich es nicht wirklich Tourmanagement nennen würde.
Inwiefern? Das ist doch bestimmt sehr hektisch, nicht?
Matt: Ein bisschen schon, ja. Aber im Endeffekt lasse ich mir ja nur die Postleitzahlen der Orte geben, wo wir sein müssen und den Rest erledigen wir dann gemeinsam.

Ihr seid ja Brüder; was haben eure Eltern gesagt, als ihr ihnen eröffnet habt, dass ihr Musiker werden wollt?
Alasdair: Nicht viel, um ehrlich zu sein. Als ich ihnen gesagt habe, dass ich kündige, um unabhängiger zu sein, was Auftritte anbelangt, meinten sie bloss: Ach, wirklich?
Matt: Und es ist ja nicht so, als hätten wir zuvor in der AIDS-Forschung oder so gearbeitet; wir haben nichts wirklich Wichtiges getan.

Und könnt ihr mir drei Dinge nennen, die sich geändert haben, seit ihr (überlegt) Stars seid?
Matt: Du bist die Erste, die uns Stars nennt. (lacht)
Alasdair: Oh ja. Darauf haben wir lange gewartet. Tausend Dank!
Gern geschehen.
Matt: Nun ja, ich habe zugenommen.
Alasdair: Ich habe abgenommen.
Matt: Meine Freundin hasst mich jetzt mehr, weil ich nie da bin.
Alasdair: Ich kann keine Freundin kriegen, weil ich nie da bin.
Ach, Quatsch. Du bist super, du findest bestimmt in jeder Stadt eine. Das ist doch auch nicht das Schlechteste.
Alasdair (lächelt): Das ist süss, danke. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben.

Meine nächste Frage bewegt sich auch auf diesem Themengebiet: Habt ihr je Speed-Dating ausprobiert?
Alasdair & Matt: Eigentlich nicht, nein.
Ja, vermutlich nicht. Es ist ziemlich seltsam.
Matt:
Es gab zwar diese halbjährliche Speeddating-Veranstaltung an meiner Schule, aber ich habe nie mitgemacht. Ich wäre bestimmt fürchterlich bei sowas.
Alasdair: Ich sollte es vielleicht ausprobieren. (Alle lachen)
Neulich habe ich nämlich eine Dokumentation darüber gesehen und jetzt würde mich folgendes interessieren: Was würdet ihr einem Menschen, mit dem ihr gerade mal drei Minuten habt, über euch erzählen, um ihn zu faszinieren?
Matt: Ich schätze, ich würde mit ihr über Musik sprechen, weil ich das einfach dauernd tue. Vermutlich würde ich ihr sagen, was sie sich anhören soll und sie nach ihren Lieblingsbands fragen.
Alasdair: Ich habe keine Ahnung. Echt. (lacht) Ich würde bloss stumm dasitzen, verloren aussehen und kläglich scheitern.

Bestimmt nicht. (lacht) Ihr kennt doch bestimmt diese amerikanischen High School-Teenie-Filme, oder?
Matt: Du meinst „American Pie“ und so weiter?
Ja, so ungefähr. Es gibt ja bei dieser Art von Filmen immer wiederkehrende Stereotypen, wie beispielsweise den Star-Quarterback, die Promqueen, den Freak etc. Ich wüsste gerne, wer ihr wärt.
Matt: Ganz klar: Die Abschlussballkönigin! (lacht) Nein, keine Ahnung. Al, du?
Alasdair: Ich würde eine dieser Nebenrollen auf dem Campus besetzen, die keinen Text haben.

Ich habe den Artikel gesehen, den ihr für „Dazed & Confused“ geschrieben habt.
Alasdair: Den editierten?
Nein, selbstverständlich das Original. Darin stellt ihr ein  Sea-Mixtape zusammen.
Matt: Exakt.
Aus offensichtlichen Gründen hätte ich jetzt gerne drei Songs, die ihr auf ein Paris-Mixtape nehmen würdet.
Alasdair: Ein Paris-Mixtape. (überlegt) Django Reinhardt. Egal was.
Matt: Absolut. Oh, und diesen Blue-Song von Eiffel65.
Nein, auf keinen Fall.
Matt (lacht): Mir fällt nichts Besseres ein, was bereits im Titel auf Paris verweist.
Alasdair: Vielleicht noch die französische Nationalhymne. Was meinst du?
Matt: Ja, die nehmen wir noch. Wir haben es sowieso schon verbockt.
Ein bisschen schon, ja. (lacht)

Derjenige von euch, der das Artwork gemacht hat, ist nicht hier, oder?

Matt: Nein, das ist Paul. Es spielt grade Tischfussball.
Ach so, klar. Meint ihr, ihr könntet mir etwas über diesen Prozess erzählen, oder war das wirklich eher seine Sache?
Matt:
Na ja, im Grunde haben wir es schon gemeinsam gemacht. Er kam halt eines Tages mit diesem ganzen Anker-Thema an, weil es eben zum Titel „Drop It Til It Pops“ passt.
Alasdair: Und der Hai steht für Gefahr.
Gefahr, tatsächlich?
Alasdair: Auf jeden Fall. (lacht)
Und der andere Fisch?
Alasdair: Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, was der andere Fisch soll. Matt?
Matt: Der repräsentiert vermutlich uns.
Alasdair: Ja, wahrscheinlich.

In „Who Am I“ singt ihr darüber, wie wichtig es in machen Situationen ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wann musstet ihr denn das letzte Mal versuchen, ruhig bleiben?
Alasdair: Als ein Promoter in Liverpool uns vor ein paar Jahren übers Ohr gehauen hat.
Matt: Ja, das war schlimm. Aber das letzte Mal ist bestimmt nicht so lange her; bei mir jedenfalls nicht. (lacht)
Alasdair: Matt wird ziemlich schnell wütend.
Oh, du hast also anger management issues?
Matt: Wahrscheinlich schon. Alasdair ist im Gegenzug der coolste Mensch, den ich kenne; ihn bringt praktisch nichts auf die Palme.
Alasdair: Oh, meine letzte Situation war, als wir von einer kurzen Tour zurückgekommen sind und ich meine WG völlig chaotisch aufgefunden habe. Das hat mich echt geärgert.
Matt: Bei mir sind das eher Situationen, die ich nicht im Rahmen eines Interviews besprechen möchte, schätze ich. Ist das in Ordnung?
Natürlich, kein Problem.
Alasdair: Ich habe dich das letzte Mal richtig ausser Kontrolle erlebt, als Paul deine heissgeliebte Gitarre in Holland an einem Bahnhof vergessen hat.
Oh je. Das kann ich gut verstehen. Hast du sie wieder?
Matt: Ja, zum Glück. Ich hänge extrem an ihr, sie ist mein baby.

(Paul stösst dazu.)

Matt: Hey mate, ich erzähle ihr gerade, wie du in Holland meine Gitarre vergessen hast. (lacht)
Paul: Ich habe mich entschuldigt. Mindestens zehnmal.

Nächste Frage: Wo und wie seht ihr euch selbst in zehn Jahren?

Matt: Tot.
Alasdair: Allein.
Paul: Verkrüppelt.
Das nenne ich Statements! (Alle lachen)
Paul: Ich habe jetzt schon einen schwachen Knöchel; wahrscheinlich werde ich nur noch mit dem Gehstock unterwegs sein.
Matt: Falls ich noch lebe, werde ich unterrichten, nehme ich an.
Ehrlich? Welches Fach?
Matt: Verschiedene. Auf der Primarstufe.
Ja?
Matt: Ja, das war es, was ich eigentlich machen wollte.
Alasdair: Ich werde ziemlich sicher auf Kosten des Staats in einer kleinen, schrecklichen Wohnung in einer noch schlimmeren Gegend leben.
Mit Katzen?
Alasdair: Ja, überall Katzen.
Und mit einem Jimi Hendrix-Poster.
Alasdair: Das Hendrix-Poster nicht zu vergessen, ja.
Paul: Ich werde wieder im Haus meiner Eltern wohnen, herumsitzen und einfach nur warten.
Alasdair: Darauf, dass ihr Haus zu deinem wird. (Alle lachen)

Eine letzte Frage habe ich noch: Gibt es einen speziellen Song oder eine Zeile, die ihr nicht mehr aus dem Kopf kriegt?
Alle drei (singend): I am not the same boy!
Aha. (lacht)
Alasdair: In Liverpool gibt es eine Band namens Ambulance und die haben dieses schreckliche Lied, “I Am Not The Same Boy”, dessen Text nur aus diesem einen Satz besteht, der dauernd wiederholt wird. Und sobald man es einmal gehört hat, ist man für immer verloren, weil es sich einfach so schnell und hartnäckig im Kopf festsetzt.
Paul (trällernd): I am not the same boy, I am not the same boy, I am not the same boy.
In der Tat, sehr catchy. (lacht)
Matt: Dabei haben wir es erst ungefähr zweimal gehört, vor ungefähr einem Jahr. Aber es verfolgt uns.
Paul: Mich verfolgt noch dieser Artikel aus irgendeiner Zeitschrift, die uns Pop-Jünger nannte. Pop-Jünger. Ich meine, was soll das?
Ich finde das super. Ehrlich.
Alasdair: Du hast Recht. Jünger. Das ist ein völlig unterbewerteter Begriff, den man viel öfter benutzen sollte.
Auf jeden Fall.

Okay, meine Lieben, wir sind jetzt beim Ende angelangt. Meint ihr, ich könnte noch kurz ein Foto von euch schiessen?
Alle: Klar. (Sie arrangieren sich, wobei – siehe Bild – Alasdair auf Paul liegt und Matt sich dazulegt.)
Paul: Ist das zu sexy?
Nichts ist zu sexy. Unsere Leser werden sich freuen. Wunderbar, vielen lieben Dank. (Die Jungs stehen wieder auf.)
Matt: Darf ich mal sehen? Ich sehe bestimmt schrecklich aus.
Quatsch.
Paul: Also ich habe es sehr genossen. Es hat gut getan, wieder einmal gehalten zu werden. (lacht)

Ach ja, was ich fast vergessen hätte: Ich habe euch Schweizer Schokolade mitgebracht.
Alasdair: Ehrlich?
Nein, ich dachte bloss, es würde sich gut anhören. (lacht) Klar ehrlich. Hier, damit ihr mich nicht vergesst.
Paul: Oh Gott, das ist ja toll. Werden wir bestimmt nicht. Danke!
Matt & Alasdair: Ja, danke.
Paul: Du bist unsere Heldin, das ist wirklich lieb von dir.
Und sehr, sehr gern geschehen.

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Foto: Nadja El Kinani

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