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Interview  mit Fuck The Facts

Interview mit Fuck The Facts

Erstellt am: 04.02.2009
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Erstellt am: 04.02.2009   Autor:

Interviews

Bereits vor Jahren bin ich das erste Mal über den Namen dieser Band gestolpert, der so ziemlich die richtige Anwort auf alle unwillkommenen Fragen ist: Blast ihr uns in die Schuhe, wir euch um die Ohren! Mit Blastbeats, rasenden Riffs, gekonnten Gitarrenharmonien, derbem Gesang und variantenreichem Songwriting. Erstmals kann man die sympathischen Kanadier aus Montreal nun in Europa live erleben, am 18. Februar treten sie mit den Holländern Antigama und Dr. Doom im Dynamo in Zürich auf. Grund genug, Bandgründer und Gitarristen Topon Das mal auf den Zahn zu fühlen.

Ich finde euren Bandnamen super – woher kommt er und stosst ihr auf Probleme wegen dem F***-Wort?
„Fuck The Facts“ war der Titel eines Songs von Naked City. Für mich beinhaltet er alles, was ich mit dieser Band tun und lassen will. Das Ziel war immer, uns nicht um musikalische Grenzen zu kümmern und keine Einschränkungen hinsichtlich dessen, wie eine Band sein soll, zu akzeptieren.
Zu groben Problemen hat der Name nie geführt, obwohl natürlich nicht alle Läden unsere CDs ins Sortiment aufnehmen und auch schon Konzerte wegen des Namens abgesagt wurden. Auf der anderen Seite haben wir auch, gerade weil wir uns Fuck The Facts nennen, schon viel Presse gekriegt. Wahrscheinlich hält es sich am Ende ungefähr die Waage, auf jeden Fall hat uns der Name noch nie daran gehindert, etwas zu tun und wenn man unsere CDs nicht in Supermärkten findet, finde ich das auch nicht schlecht.

Die Band begann als Projekt von dir in den späten 90er-Jahren, seit 2001 ist Fuck The Facts eine komplette Band, die auch live auftritt. Nach über 500 Auftritten schippert ihr nun das erste Mal nach Europa. Wieso hat es so lange gedauert?
Wir haben bloss die richtige Gelegenheit abgewartet. Seit Jahren haben wir nach Europa kommen wollen und viele unserer befreundeten Bands haben es getan und waren begeistert. Auf der einen Seite war es vielleicht auch ein bisschen Faulheit, Angst vor dem Unbekannten, auf der anderen Seite war auch das Timing oft schwierig. Über all die Jahre wollten wir es aber immer nach Europa schaffen und mit diesem Album haben wir uns vorgenommen: wir tun es, auch wenn wir nur eine Reihe Kellershows im Vorprogramm von einem betrunkenen Mönch, der Rassistenwitze erzählt, machen können.
Zum Glück haben uns dann Doomstar Bookings kontaktiert, die uns zusammen mit Antigama, deren Musik mir selbst sehr gut gefällt, als Package gebucht. Nun ist es also endlich soweit und wir spielen nicht nur in Europa, sondern sogar mit einer Band, die ich unbedingt selbst sehen will.

Was sind eure Erwartungen?
Ich hoffe bloss, dass alles so reibungslos wie möglich abläuft, wir gut spielen und eine gute Zeit verbringen werden.

Was dürfen eure Fans erwarten, spielt ihr auch älteres Material oder liegt der Fokus ausschliesslich auf dem aktuellen Album „Disgorge Mexico“ (Relapse Records, 2008)?
Wir werden uns auf die Songs der letzten drei Releases, die Split mit Leng Tch’e, „Stigmata High Five“ und „Disgorge Mexico“, konzentrieren. An und für sich hätte ich auch gerne einige ältere Tracks gespielt, aber wir mögen es, wenn unsere Shows relativ kurz und auf den Punkt gebracht rüber kommen. Im Grunde könnt ihr Songs von den genannten Releases erwarten, einfach roher, lauter und schneller.

Euer aktuelles Album ist eine abwechslungsreiche Vollbedienung für alle, die auf extremen Metal stehen. Wie war der Entstehungsprozess, stellt ihr selbst eine Entwicklung fest in eurer Arbeitsweise, wie schreibt ihr eure Songs?
Zuerst mal: Danke, es freut mich, das zu hören. Alles in der Band ist immer in einem Entwicklungsprozess. Was das Songwriting angeht, kann ich sagen, dass es noch nie so effizient war, wie in der aktuellen Besetzung mit Mel (Gesang), Vil (Schlagzeug) und mir (Gitarre). Wir haben keinen festen Weg, wenn es darum geht, neue Musik zu schreiben. Beim neuen Album ist das Meiste in einer Jam-Situation entstanden, was nichts anderes heisst, als dass ich mit Vil im Proberaum Riffs rausknoble und wir diese mit der Zeit zu dem arrangieren, was wir unter einem guten Song verstehen. Davon machen wir eine schnelle Aufnahme, die wir heim nehmen, um dort weiter daran zu arbeiten, indem wir Abläufe ändern, zweite Gitarren dazu spielen etc. Nach dieser Phase machen wir eine komplettere Aufnahme, die an Mel weitergereicht wird, damit sie Gesang und Texte ausarbeiten kann.

Schreibt Mel bei Fuck The Facts alle Texte und wie wichtig sind euch diese?
Mel hat, seit sie 2002 in die Band eingestiegen ist, fast alle Texte geschrieben. Ich mag die Texte auf „Disgorge Mexicos“ sehr und kann sagen, dass dies das erste Mal der Fall ist in dieser Band. Ich finde Mel hat wirklich Fortschritte gemacht und hart an sich gearbeitet für dieses Album. Ich stelle fest, dass Texte für uns generell an Bedeutung gewonnen haben und denke, das ist wirklich ein wichtiger Teil, der einen guten Song ausmachen oder auch kaputt machen kann. Es bedeutet einem doch einfach mehr, wenn man einen Song mag und dann in den Texten auch etwas findet, das einen anspricht.

Welches sind eure eigenen Lieblingssongs von Fuck The Facts? Weshalb?
Das ist hart zu sagen, für mich sind immer die neueren Songs meine Favoriten. Es gibt aber auch ältere Sachen wie „Unburden und „23-17’41“, die ich als wirklich gelungen betrachte, wenn auch die Aufnahmen ziemlich ungehobelt klingen.  Natürlich habe ich auf jeder Platte meine Lieblingssongs, allerdings habe ich auch Phasen, in denen mich diese oder jene Songs mehr ansprechen. Die Frage lässt sich wirklich kaum beantworten.

Eure Musik ist für mich ein interessantes Gemisch aus klassischem Death Metal, gemischt mit Grind- und Hardcore-Einflüssen. Wie würdest du euren Sound beschreiben?
Ich denke da hast du den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen. Als Teenager, anfangs bis mitte 90er Jahre, war ich total „into Death Metal“, Sachen wie Malevolant Creation, Cannibal Corpse, Morbid Angel, Carcass, etc… Ich nehme an, heute versteht man darunter Old School oder Classic Death Metal. Meine nächste Phase war dann Grindcore im Stile von Brutal Truth,  Napalm Death, Phobia…diese Sachen haben mein Songwriting sicher geprägt. Hardcore war nie wirklich mein Ding, obwohl ich Bands wie Deadguy oder Black Flag sehr mag – allerdings bin ich nicht mal sicher, ob man die überhaupt als Hardcore bezeichnen kann. Mel hingegen hat einen stärkeren Hardcore- und Punk-Background. Unser Schlagzeuger Vil hingegen ist zehn Jahre jünger als ich und bringt schon deswegen ganz andere Einflüsse mit.
Wenn wir Songs schreiben, kümmern wir uns aber sowieso nicht um irgendwelche Stilmerkmale – wir werfen alle Ideen in einen Topf und schauen was rauskommt, was uns gefällt behalten wir, der Rest kommt auf die Halde.

Welche würdest du als deine wichtigsten musikalischen Einflüsse bezeichnen?
Ich höre eigentlich immer Musik und finde auch in fast allem etwas Interessantes.  Ich bin letztlich halt selbst ein grosser Fan und mag auch die Geschichte vieler Musiker. Einige meiner grössten Einflüsse kommen nicht mal von Musikern aus Bands oder von bestimmten Alben, sondern einfach von Musikern die schon lange da sind und immer wieder interessante Musik produziert haben.

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich gelesen habe, dass Mel Mongeon nicht ein Instrument spielt sondern singt. Ihre Stimme ist so dermassen rauh und tief…
Oh – diese Frage kommt immer! Also für uns ist es definitiv kein Diskussionsthema mehr, dass wir eine Sängerin haben – Mel ist seit sieben Jahren in der Band, anfangs hat sie bloss ausgeholfen, als dann aber unser damaliger Sänger das Handtuch warf, ist sie fest eingestiegen. Wir haben uns nie gedacht: Hey, es wäre doch cool, eine Frau am Gesang zu haben. Mel ist echt ein wichtiger Teil von Fuck The Facts, weil sie sich von Anfang an stark eingebracht hat.

Wie erlebt ihr das Touren? Was sind für euch die schönen Seiten vom Tourleben, was ist schwierig und mühsam?
Einer der wichtigsten Gründe, wieso ich die Band gründete, war, weil ich auf Tour gehen wollte und wusste, dass es mit den anderen Bands, in denen ich gespielt habe, nie klappen würde. Ich liebe es, all die verschiedenen Orte zu sehen und neue Leute kennen zu lernen. Das ist der Hauptgrund, wieso wir es tun und weil wir das alles mögen, ist es auch nicht so hart für uns. Natürlich gibt es Unannehmlichkeiten: Genug oder gut zu schlafen ist oft schwierig und nur schon vernünftig zu essen und gesund zu bleiben kann auf Tour zu einer Herausforderung werden. In der letzten Zeit haben wir die Touraktivitäten auch etwas reduziert, das hat aber andere Gründe. Wir sind halt immer noch eine kleine Band mit relativ geringem Bekanntheitsgrad und können nicht immer und überall auftreten, das funktioniert einfach nicht. Im letzten Jahr haben wir trotzdem fast hundert Konzerte gespielt, wir sind also immer noch ziemlich viel unterwegs. Wir lassen einfach die paar Shows, von denen wir denken, dass sie uns nicht weiterbringen aus, statt einfach überall Ja zu sagen.

Was hört ihr im Tourbus?
Unser Radio ist im Bus ist dummerweise im Eimer – nun benutzen wir halt alle unsere Ipods. Wenn ich nicht gerade was Bestimmtes hören will, läuft meiner im Shuffle-Modus.

Ok, zum Schluss: Nenne bitte noch fünf deiner persönlichen Lieblingsalben:
Brutal Truth – Need To Control
Mr. Bungle – Disco Volante
Secret Chiefs 3 – Book M
OLD – The Musical Dimension of Sleastack
The Mars Volta – De-loused In The Comatorium

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