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Interview mit Fotos
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Interview mit Fotos

Erstellt am: 21.11.2006
Autor:
Erstellt am: 21.11.2006   Autor:

Interviews

Interview mit Sänger Tom und Schlagzeuger Beppo von Fotos am 16. November 2006 in der Boa, Luzern.

„Sind sie ein Heiliger?“

„Moral ist messbar.“, findet die Weltwoche und publiziert sogleich einen Test, mittels welchem sich herausfinden lassen soll, wieviel davon man besitzt. Beppo und Tom lassen sich bereitwillig darauf ein.
Liebe Fotos, ich muss euch gleich zu Anfang etwas gestehen.
Beppo: Ja?

Ich hatte gar keine Zeit, mich auf eurer Homepage oder auf sonstigen Seiten umzusehen, um irgendwelche pikanten Details von euch zu erfahren, die ich jetzt mit euch diskutieren könnte.
Tom: Kein Problem.
Das bedeutet, dass ich sozusagen bloss eure Musik kenne – die ich sehr, sehr mag – und jetzt gerne erfahren würde, was das denn für Leute sind, die solche Lieder machen.
Tom: Das klingt doch schon mal gut.
Zu diesem Zweck habe ich eine bestimmte Ausgabe einer Zeitschrift mitgebracht, in welcher sich viele, viele Tests finden; und so einen würde ich jetzt gerne mit euch machen. Geht das?
Beppo: Ja, das können wir machen.

Wunderbar. Nun, ich habe mir drei Sachen ausgesucht, die interessant werden könnten: Zum einen gibt es da einen Test mit dem Titel „Haben Sie den richtigen Job?“, dann ein Asylquiz (lacht) und – mein persönlicher Favorit – „Sind Sie ein Heiliger?“.
Beppo (lacht): Also, wenn wir das machen, dann gleich richtig. „Sind Sie ein Heiliger?“. Ist das in Ordnung, Tom?
Tom: Ja, geht klar.

Wunderbar, dann fangen wir gleich an: Was halten Sie von dem Gedanken, dass man zuerst sich selbst etwas Gutes tun muss, bevor man anderen Gutes tun kann?
a)Ich stimme nicht zu.
b)Ja, es geht wohl nicht anders.
c)Ich stimme zu.

Tom: Zum Warmwerden sage ich jetzt mal, ich stimme zu.
Beppo: Ja, ich auch.

Okay. Würden Sie sich auf eine aussereheliche Affäre einlassen?
a)Ich würde treu bleiben.
b)Ich weiss nicht.
c)Ich könnte mir eine Affäre vorstellen.

Beide: Treu bleiben.

In Ordnung. Haben Sie sich schon mal vorgedrängt?

a)Ja, aber nur selten.
b)Ja, schön ofter.

Tom: Selten. (Beppo nickt)

Ein Kollege von Ihnen gewinnt fünf Millionen Franken – Euro – im Lotto. Wie reagieren Sie?
a)Ich freue mich ehrlich für ihn.
b)Ich freue mich zwar für ihn, wünsche mir aber, auch einmal so viel Glück zu haben.
c)Was für ein Glückspilz! Warum konnte mir das nicht passieren?

Beide: a).


Wie edel. Die nächste Frage: Würden Sie je auf die Idee kommen, therapeutische Hilfe zu suchen, wenn Sie Ihre Wut nicht beherrschen könnten?


a)Ja.
b)Nein, ich würde selbst versuchen, etwas dagegen zu tun.
c)Nein.


Beppo:
Ja.

Tom:
Echt? Nur, weil ich meine Wut nicht unter Kontrolle habe? Ich würde vermutlich erst einmal versuchen, selbst etwas dagegen zu unternehmen. Deswegen gleich zum Therapeuten gehen? Ich weiss nicht.

Beppo:
Ja, aber wenn ich pausenlos irgendwelche Menschen zerhacke.

Tom:
Es kommt natürlich auch darauf an, ob man die zerhackt.

Beppo:
Ich schliesse mich dir sonst auch an. Deine Antwort macht natürlich auch Sinn.

Also probiert ihr es erstmal selbst?


Beide:
Ja, genau.

Beppo:
Aber gut, dass wir darüber gesprochen haben. (lacht)
Genau, das muss man ja auch einmal thematisieren. (lacht)

Tom:
Stimmt, man muss ja über solche Dinge auch reden. (lacht)


Sie sind Single und Ihr bester Freund hat eine neue Partnerin, die Sie selbst sehr attraktiv finden. Was würden Sie in dieser Situation vermutlich tun?


a)Solange die beiden zusammen sind, behalte ich meine Gefühle für mich.
b)Ich behalte meine Gefühle zwar für mich, flirte aber manchmal dezent mit dem neuen Partner.
c)Ich sorge als Erstes dafür, dass der neue Partner weiss, dass ich ihn attraktiv finde, und gebe ihm jede Möglichkeit, mir zu zeigen, dass er meine Gefühle erwidert.


Beide:
Auf jeden Fall a).

Tom:
Sind wir zu nett? (lächelt)

Ein bisschen, ja. (lacht)


Besässen Sie gerne salomonische Weisheit?


a)Danach sollte man auf jeden Fall streben.
b)Ja.
c)Darüber habe ich noch nie nachgedacht.


Tom:
Ich muss jetzt auch dummerweise fragen, was die salomonische Weisheit ist.

Beppo:
König Salomon, der wusste alles.

Tom:
In Ordnung. Darüber habe ich definitiv noch nie nachgedacht.


Was halten Sie von Menschen, die ständig mit ihren Leistungen prahlen?


a)Sie sind unsicher und fürchten wohl, dass sie nicht genug anerkannt werden.
b)Sie stören mich nicht.
c)Sie gehen mir auf die Nerven.


Beppo:
Ehrlicherweise Antwort c).

Tom:
Ich schliesse mich an.

Oh, wir fangen also langsam mit dem Polarisieren an. (Alle lachen)


Glauben Sie, dass das Gute über das Böse siegen wird?


a)Ja.
b)Ich bin nicht sicher.
c)Nicht in der heutigen Zeit.


Tom:
Als Misanthrop muss ich leider c) sagen.

Beppo:
Ich wäre eigentlich eher a). Aber wir müssen uns ja einigen. Und realistischerweise schliesse ich mich dir an.


Halten Sie sich selbst für einen unverbesserlichen Optimisten?


a)Ja.
b)Nicht unverbesserlich, aber bis zu einem gewissen Grad bin ich optimistisch eingestellt.
c)Nein, ich müsste mich wohl eher als Pessimisten bezeichnen.


Beide:
b).


Wie sehr müssen Sie sich motivieren, bevor Sie ungeliebte Arbeiten erledigen?


a)Ein wenig, aber was sein muss, muss sein.
b)Relativ stark.
c)Sehr, und wenn ich solche Aufgaben umgehen kann, dann tue ich das in jedem Fall.


Tom:
Was getan werden muss, muss getan werden.

Beppo:
Es kann eine Zeit lang so etwas wie c) sein, aber irgendwann kommt der Punkt, wo a) nötig wird.

Tom:
Stimmt. Irgendwann mache ich die Steuer dann doch. Und dann denkt man sich: Beim nächsten Mal mache ich das direkt…

…und dann hängt man trotzdem wieder vor dem Fernseher und sieht sich alte Episoden von Charmed an. Wunderbar.


Beppo (lacht):
Exakt.


Versuchen Sie, immer mit den Nachbarn Schritt zu halten? Ach so, das ist ja auch so erstrebenswert, nicht wahr?


a)Nein.
b)Nein, ich will möglichst nichts mit ihnen zu tun haben.
c)Ja, wenn es geht.


Tom:
Ich bin tatsächlich nicht so auf Nachbarn fixiert.

Beppo:
Ich auch nicht, die sind mir echt egal. Antwort a).

Wie oft haben Sie schon auf einen Spendenaufruf im Fernsehen reagiert?


a)Schon oft.
b)Gelegentlich.
c)Nie.


Beide:
Leider nie.

Tom:
Beim Tsunami war’s ja beispielsweise so, dass ich etwas machen wollte, es im Endeffekt aber doch irgendwie wieder verbaselt habe.

Beppo:
Verbaselt. Du sprichst schon wie die Schweizer.


Wie oft waren Sie schon so betrunken, dass Sie nicht mehr gerade gehen konnten?

a)Noch nie.
b)Weniger als fünfmal.
c)Fünfmal oder öfter.

Beide:
c).

Ich schätze eure Ehrlichkeit sehr. (lächelt)


Sollten Schwerverbrecher, die ihre Haftstrafe verbüsst haben, wieder in die Gesellschaft integriert werden?


a)Ja, wenn sie ihre Zeit abgesessen und sich gebessert haben, sollten wir sie ohne Vorbehalte wieder aufnehmen.
b)Vielleicht, aber nur in Ausnahmefällen.
c)Bestimmte Verbrecher sollten nie wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden.


Beppo:
Ja, also Moment. Was war das erste?

Man sollte sie ohne Vorbehalte wieder aufnehmen.


Beppo:
Ich finde, man sollte abwägen.

Sehr vernünftig. Also b)?


Beide:
Ja, b).

Halten Sie Glücksspiele für gefährlich?


a)Ja.
b)Nur, wenn sie nicht mehr zum Spass betrieben werden.
c)Nein, wenn jemand spielen will, ist das seine Sache.


Beide:
a).

Tom:
Ja, Gefahr.


Wie lange sehen Sie täglich fern, ohne etwas anderes nebenbei zu erledigen?


a)Weniger als zwei Stunden.
b)Zwischen zwei und vier Stunden.
c)Mehr als vier Stunden.


Beppo:
Da gehen wir, glaube ich, auseinander, denn ich habe keinen Fernseher.

Tom:
Nein, bei mir sind es auch definitiv nicht zwei Stunden.

Beppo:
Dann a)?

Tom:
Genau.

Und was siehst du dir so an, weniger als zwei Stunden täglich?


Tom:
Ich gucke Tatort ganz gerne. Und manchmal noch Tagesschau.


Ärgern Sie sich über Menschen, die Ihnen vor dem Supermarkt Spendenbüchsen unter die Nase halten?


a)Nein.
b)Manchmal.
c)Ja.


Beide:
Ja!

Die gehen gar nicht?


Beide:
Nein, die nicht. (Alle lachen)


Prima. Dann kommen wir jetzt zur Auswertung. Wer mag zusammenzählen?
(Tom und Beppo nehmen sich der ganzen Zählerei artig an.)


Tom (liest das Ergebnis vor):
„Sie sind weder Heiliger, noch Sünder, sondern leben auf der Mittelspur. Ihnen ist klar, was ‚richtig’ und was ‚falsch’ ist, aber Sie sind auch nicht abgeneigt, manchmal etwas über die Stränge zu schlagen und sich ein wenig Abenteuer und Genuss zu gönnen. Seien Sie versichert, dass jeder Mensch in mancher Hinsicht ein Heiliger und in anderer ein Sünder ist. Der Unterschied liegt lediglich darin, wie unterschiedlich stark die beiden Seiten ausgeprägt sind.“

Oh je. (lächelt)


Tom:
War ja gar nicht so schlecht.

Beppo:
Na ja, ich dachte, wir hätten ein bisschen mehr Profil.

Tom:
Wir sind halt Nette.

Beppo:
Ist das ziemlich kirchlich-konservativ, das Magazin, Nadja?

Nun ja, nicht wirklich, würde ich sagen.


Gut, liebe Fotos, dann bedanke ich mich herzlich fürs Entgegenkommen und Mitmachen, es hat mir sehr viel Spass gemacht mit euch und zum Dank habe ich euch auch Schokolade mitgebracht, wir sind ja hier immerhin in der Schweiz.


Beppo:
Vielen lieben Dank auch dir.

Tom:
Ja, danke.

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Foto: Nadja El Kinani
Testfragen: Weltwoche