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Interview mit Flink
Interview mit Flink

Interview mit Flink

Erstellt am: 01.05.2007
Autor:
Erstellt am: 01.05.2007   Autor:

Interviews

Interview mit der Luzerner Band Flink – namentlich Adi, Martin, Jonathan und Hannes – am 27. April 2007 in der Schüür, Luzern.

Before Sunset

…spielt sich im versteckten Garten eines Innerschweizer Konzerthauses eine Komödie in zwei Akten ab.

Teil I

Wie geht’s euch?
Martin: Ich werde gerade ein wenig von Kopfschmerzen geplagt, aber das ist vermutlich wetterbedingt. Ansonsten geht’s mir prima.
Jonathan: Mir auch.

Gut, dann hätten wir das ja geklärt. Und ihr freut euch bestimmt auf den Auftritt heute Abend, oder? In der Schüür aufzutreten ist ja sozusagen ein Heimspiel für euch.
Beide: Ja, auf jeden Fall.
Nehmt ihr das auch so wahr? Ich meine, unterscheidet sich das Publikum in Luzern aus eurer Sicht eklatant von dem anderswo?
Martin: Ich persönlich habe das Gefühl, dass die Luzerner eher zurückhaltend sind. Hierbei zu ergänzen ist, dass es hier eine extrem hohe Dichte an Bands gibt, somit sind die meisten Zuhörer selbst Musiker und nehmen eher eine Beobachtungsposition ein. Es ist nicht so, dass ich das nicht gut finden würde, aber daraus resultiert halt zwangsläufig, dass etwas weniger zurückkommt, als es andernorts der Fall ist.

Viele Bands gibt es tatsächlich: „Luzern Rock City“ ist momentan in aller Munde. Darf ich euch um eine kurze Stellungnahme diesbezüglich bitten?
Jonathan: Es gibt sicherlich viele Bands. Auch gute Bands, was sich beispielsweise beim „Friday2Friday“-Festival in der Schüür gezeigt hat. Das war auch generell ein toller Anlass, weil man mit diesen ganzen Bands ein wenig enger in Kontakt getreten ist.

Und welche davon hat euch ganz besonders beeindruckt? Welche Luzerner Band würdet ihr hypen, wenn ihr die Möglichkeit dazu hättet?
Jonathan: Solitune. Aber das sagen alle. Marygold sind auch sehr, sehr gut.
Martin: Stimmt. Ich habe sie bisher nie live gesehen, aber das Album gefällt mir sehr.

In Ordnung. Zu euren Alben ist zu sagen, dass ihr das erste in Schweden und das zweite in Spanien aufgenommen habt. Was darf man vom dritten erwarten?
Martin: Es wird bestimmt auch nicht in der Schweiz produziert. Für den ganzen Prozess ist das sehr förderlich, da wir so die Möglichkeit haben, uns ganz und gar auf die Musik zu konzentrieren, ohne abends nach Hause zu gehen und wieder dem Alltag zu verfallen.
Jonathan: Ich tendiere momentan dazu, noch einmal nach Spanien zu gehen. Und Adi, unser Schlagzeuger, ist momentan auch auf dieser Linie, obwohl wir das im Grunde noch gar nicht richtig diskutiert haben. Der Schlagzeug-Sound ist aber auch wirklich extrem gut; das ist eine der schwierigsten Disziplinen und wirklich essenziell.
Auch die Zusammenarbeit war hervorragend.
Martin: Und das Dorf. Uns stand da sogar ein zweistöckiges Ferienhaus mit Meersicht zur Verfügung.
Jonathan: In Schweden haben wir damals im Studio – auch ein schönes Haus auf dem Land zwar, aber eben doch ein Studio – auf dem Boden geschlafen.

Inwiefern unterscheidet sich denn das in Spanien aufgenommene „Moog“ von eurem Debüt „ontheoutsideoflife“?
Jonathan: Die neuen Songs sind definitiv kompakter, weil wir halt genau wussten, was wir gerne besser machen würden und das haben wir dann umgesetzt. Beim zweiten Album haben wir ziemlich konsequent darauf geachtet, die Lieder ein wenig zu reduzieren, d.h. Überflüssiges wegzulassen und das Ganze ein wenig knapper, kürzer und knackiger erscheinen zu lassen.
Knapp, kurz und knackig, alles klar. (lacht) Nie die Macht der Alliteration unterschätzen. Aber ich weiss, was du meinst; es scheint alles viel homogener.
Jonathan:
Genau.
Martin: Ja und ausserdem hatten wir den Komfort, mehr Songs zur Selektion zur Verfügung zu haben.
Jonathan: Und generell ist es einfach viel, viel besser produziert.

Was war die tollste Sache, die euch bisher passiert ist und von der ihr sicher seid, dass ihr sie nicht erlebt hättet, hättet ihr Flink nicht gegründet?
Jonathan: Wir hätten uns bestimmt nicht mit Nada Surf im Backstage-Bereich bei lagerfeuerähnlicher Atmosphäre warmgesungen.
Martin: Allgemein freuen wir uns auf jedes Konzert, das ist immer wie Weihnachten für uns.

Das klingt tatsächlich cool. Und jetzt zu etwas ganz Anderem: Was könnt ihr mir über den Prozess erzählen, der hinter einem Song steckt? Ich meine, geht ihr immer nach demselben Muster vor oder ist es eine eher spontane Sache?
Martin: Meist ist es so, dass Jonathan mit einer Songstruktur beginnt, die er zu Hause mit seinem Laptop aufnimmt. Im Proberaum wird das dann umgesetzt und teilweise ein wenig abgeändert. Ich mache dann später mithilfe der akustischen Gitarre die Melodie und schreibe den Text.
Ach ja? Ich dachte, Jonathan schreibe die Lyrics.
Martin: Nein, das bin ich. Ich schätze, ich fände es seltsam, etwas zu singen, was ich nicht geschrieben habe.
Ja, das glaube ich dir. Obwohl’s das ja schon gegeben haben soll. (lacht)
Martin (lacht): Ja, so was habe ich auch schon gehört.

Ich finde ja „Well Well Well“ sehr cool, wie vermutlich alle. Was denkt ihr, was ein Flink-Fan optimalerweise tun sollte, während er sich diesen Song anhört?
Jonathan: Wie lang ist der Song? Zwei Minuten und 23 Sekunden?
Martin: Eigentlich ist das ideal für wilden Sex. (lacht) Das ist mir gerade spontan eingefallen.
Da würde ich etwas von den Two Gallants vorziehen, die haben längere Songs. (lacht)

Welcher Song ist momentan der meistgespielte auf euren iPods?
Jonathan: Der erste Song vom neuen Blonde Redhead-Album.
Martin: Ich bin ein wenig zurückgefallen und höre mir seit einiger Zeit wieder sehr oft die Smashing Pumpkins an. „Mayonaise“ finde ich beispielsweise sehr cool.
Jonathan: Und der dritte Song vom 31 Knots-Album, „Savage Boutique“; den höre ich mir extrem oft an.

Okay, und jetzt eine Anwendungsaufgabe: Welche Musiker wären in einer von euch zusammengestellten „Allstar Rockband“?
Beide: Chris und Fabrice von Favez müssten auf jeden Fall dabei sein.
Jonathan: Und dann gibt es da noch Descendents, eine Melodic Punk-Band der 80er, die an sich schon fast die Inkarnation der perfekten Besetzung ist; da wären Milo beim Gesang, Karl Alvarez am Bass, Stephen Egerton an der Gitarre und Bill Stevenson am Schlagzeug…
Martin: …oh, jetzt gibst du aber Gas. (Alle lachen)
Das habe ich mir auch gerade gedacht. Hattest Du auch Poster von denen, die du dann diagonal im Zimmer aufgehängt hast? (lacht)
Jonathan: Zufälligerweise nicht. (lacht) Ich habe sie spät entdeckt, aber das ist eine Band, die in sich einfach optimal ist.
Und zu guter Letzt vielleicht noch eine Frau?
Jonathan:
Ja, vielleicht Shannon Wright, die hat mich schwer beeindruckt vorgestern.
Und dann noch Shara Warden von My Brightest Diamond. Die spielen ja auch beide sensationell Gitarre und haben einen ganz eigenen Stil. Und Kim Gordon dürfte auch jederzeit dabei sein, wie auch der Schlagzeuger von den Melvins.
Das klingt doch schon mal vielversprechend.

Wie sehen denn eure Pläne für die Zukunft aus?

Jonathan: Heute Abend auftreten. Und dann lösen wir uns auf. (lacht)
Martin: Vorher würden wir aber gerne noch ein paar Konzerte in Spanien spielen, das wäre echt super. Unser Produzent kümmert sich gerade darum, jedenfalls hoffen wir das. (lacht)

Okay und jetzt kommen wir zu meiner Lieblingsfrage: Die amazon.com-Sache. Jonathan, du kennst sie ja.

Jonathan: Oh je, jetzt habe ich mich gar nicht vorbereitet.
Quatsch, gib’s zu, du überlegst dir darauf schon seit geraumer Zeit eine Antwort. (lacht)
Martin: Worum geht’s denn genau?
Jonathan: Welche drei CDs…
Martin: …man auf eine Insel mitnehmen würde? (Alle lachen)
Natürlich. Es gibt doch bei amazon.com unter jeder CD diese Liste, die zeigt, woran diese Kunden sonst noch so interessiert waren. Die Frage lautet, welche drei Alben du gerne unter eurem sehen würdest.
Jonathan: Kurz gesagt: Was haben die Leute, die unsere CD kaufen, sonst noch gekauft?
Oder einfach bloss angesehen, das macht das Ganze noch ein wenig willkürlicher. (lacht)
Martin: Ich würde sagen: Favez.
Jacqueline: Oder Pornofilme. (Alle lachen)
Jonathan: Und Nada Surf. Aber noch etwas Lustiges, ein Kinderbuch vielleicht. So etwas wie „Die kleine flinke Maus“. Oder „Fritzi Flink, die kleine Maus.“. Oder halt wirklich Pornos, so à la „Flinke junge Mädchen“. (Alle lachen)
Dir ist aber schon klar, dass der Sinn der Sache nicht ist, ein anderes Produkt mit dem Begriff „Flink“ im Titel zu finden, oder? (lacht)
Jonathan (lacht): Ja, aber vielleicht sind sie ja dadurch auf uns gekommen.

(Der Soundcheck für Flink steht an.)

Jonathan: Wir sollten gehen, tut mir sehr Leid.
Aber ich hätte doch noch tausend Fragen. Nun ja, so schlimm ist es auch nicht. Darf ich vorher aber noch kurz ein Foto schiessen?
Beide: Selbstverständlich.
Und Schokolade habe ich euch auch mitgebracht, obwohl ihr selbst hier wohnt und vermutlich genug davon habt.
Beide: Wow, vielen Dank.
Gern geschehen.
Martin: Das ist jetzt wirklich schade. Habt ihr nicht vielleicht Lust, hier zu warten? Allzu lange sollte es nicht dauern.
Das sollte sich machen lassen.

Teil II

Na, wie war’s?
Martin: Gut, obwohl es nicht unbedingt förderlich war für meine Kopfschmerzen.
Jacqueline: Vielleicht solltest du deinen Bierkonsum ein wenig einschränken.
Martin: Ja, nach der Schmerztablette war das Bier wahrscheinlich wirklich nicht unbedingt eine gute Wahl.
Jacqueline: Ausser, wenn du jetzt darauf aufbaust, und noch einmal eine Tablette schmeisst, dann könnte es interessant werden. (lacht)

Martin:
Und du hattest noch hundert Fragen?
Naja, eigentlich waren es ja bloss noch zwei. Ich wollte eben meine Macht ein wenig ausspielen. (Man lacht) Aber lass uns trotzdem weiterfahren: Wer oder was hat euch am meisten beeinflusst?
Martin: Bei der Produktion unseres jüngsten Werks?
Nein, im Leben.
Martin: Hätte ich bloss nicht nachgefragt. (lacht) Okay, pass auf, jetzt wird’s philosophisch: Ich glaube, das waren die Enttäuschungen. Die beeinflussen einen mehr als Freude, denke ich.
Davon gibt es ja auch mehr.
Martin: Stimmt.
Jonathan: Und natürlich: Die Sendung mit der Maus! Die war extrem lehrreich, man hat unglaublich viele Dinge gelernt über das Leben und die Welt. (Zustimmendes Nicken von allen Seiten)
Martin: Die Frage ist echt schwierig. Bis zum Alter von sechs Jahren war es vermutlich meine Mutter, dann bis zwölf die Schulfreunde, mit denen ich mich geprügelt habe.
Jonathan: Ehrlich?
Martin: Ja, ich war immer am kämpfen.
Das sind wir auch. (lacht)
Martin: Und später haben wir uns auch gegenseitig beeinflusst, schätze ich.

(Die restlichen Bandmitglieder stossen zur heiteren Gruppe.)

Martin: Adi, was hat dich beeinflusst?
Jacqueline: Sag etwas Spannendes: Sex, Drogen…
Adi: Musik.
Und vielleicht noch ein Buch?
Martin: Da fallen mir diese zwei unglaublichen Filme ein; es ist zwar ein wenig weichspülermässig, aber einen Einfluss auf mich hatten definitiv Richard Linklaters „Before Sunrise“ und „Before Sunset“.
Die sind wirklich phänomenal.
Martin: Die haben mich echt berührt. Vermutlich sind unsere Lyrics deswegen so romantisch.

Wahrscheinlich. Und wo wir gerade beim Thema Film sind: Ich habe mir eure Trash Clips auf youtube.com angesehen…
Martin & Jonathan: Wow.
…die wirklich sehr, sehr geil sind. Wer filmt das alles denn?
Jonathan: Es war so, dass wir eigentlich die Videokamera unseres Bassisten mit nach Spanien nehmen wollten, allerdings haben wir sie dann vergessen und nach weiteren technischen Problemen haben wir uns mit einer normalen Digitalkamera beholfen – einige haben wir dann aber doch noch im Nachhinein zugeschnitten.
Ja, eben. Im einen sieht man ja dann auch zwischendurch diese tanzenden Menschen. Wo habt ihr die gefunden?
Jonathan: Das war in Barcelona, der Tanz nennt sich Sardana und ist traditionell katalanisch.
Und sehr cool. Die solltet ihr ein wenig mehr anpreisen, diese Trash Clips.
Martin: Und wie preist man die an?
Oh, da müsste ich jetzt meinen Mann fragen. (lacht)

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Fotos: Nadja El Kinani

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