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Tara Angell – Come Down (2005) (Ryko/Musikvertrieb)

Tara Angell – Come Down (2005) (Ryko/Musikvertrieb)

Erstellt am: 01.04.2005
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Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Allgemein

Die Kraft der Ruhe

Zurücklehnen, runterkommen und geniessen: Tara Angell lässt mit "Come Down" die Probleme des Alltags zu vernachlässigbaren Problemchen werden und erinnert daran, dass irgendwo auf dieser Welt so etwas Wunderbares wie die Ruhe existiert.

Das Songwriting ist für Tara Angell sehr wichtig, wichtiger gar als das Singen oder das Gitarrenspiel. Sie führt deshalb stets ein Notizbuch bei sich, um ihre Gedankengänge festzuhalten und darin Überlegungen anzustellen. Aus den Skizzen versucht sie mit einer möglichst kleinen Anzahl von Wörtern eine Geschichte zu kreieren. Mit ihrer jungenhaft klingenden, aber sehr warmen Stimme erzählt Tara Angell von Hoffnung, Freiheit und Schmerz. Wie Liebe vergeht, vom Verlassenwerden, wie die Natur imstande ist, Schmerz tilgen zu können. "Come Down" strahlt eine bewundernswerte Ruhe aus und wird dadurch ihrem Namen mehr als gerecht. Die Platte lädt ein, runterzukommen. Runter vom tagtäglichen Zeitdruck, runter vom Stress, runter von der psychischen Belastung. Man tut einen Schritt zurück, betrachtet sich in seinem Spiegelbild aus einer anderen Perspektive. All dieses Unglück, alles, was einem im Leben bedrückt, verliert vollkommen an Bedeutung. "Come Down" schafft es, mit seinem melancholischen, schwermütigen Folk-Sound den Zuhörer gedanklich alles in Relation setzen zu lassen und nachdenklich, ja sogar etwas traurig zu stimmen. Es ist aber eine Traurigkeit mit einem stets vorhandenen Urvertrauen an das Gute, an die Hoffnung. Der Blick ist nach vorne gerichtet, auch wenn die Vergangenheit und die Gegenwart einen innerlich zerreissen könnten. Jedes Schlechte trägt an sich etwas Gutes und dieses Gute ist es, an dem man sich festhalten soll.
Nicht nur inhaltlich, auch musikalisch überzeugt Tara Angell. Obwohl sie normalerweise akustische Gitarre spielt, hat sie ihr Album mit einer elektrischen aufgenommen, um an passenden Stellen mit Effekten arbeiten zu können. Die Instrumentalisierung ist auf ein Minimum reduziert, das Schlagzeug wird wirkungsvoll als Rückhalt eingesetzt, der einen immer wieder zurück in die Realität holt. Mit "Come Down" lässt sich diese Welt gedanklich herrlich verlassen, um sie zu überdenken, sie zu hinterfragen, sie ruhiger anzugehen. Man wird in eine Schein-Traurigkeit versetzt, ohne dabei die Hoffnung zu verlieren, ohne unglücklich zu sein. Tara Angell erinnert mich teilweise an "The Cranberries", wobei sie eine noch selten erlebte, angenehme Ruhe ausstrahlt.
Mein persönlicher Tipp: Es war wieder einmal ein harter Tag. Vollkommen erschöpft setzen wir uns zu "Come Down" auf unsere Hollywood-Schaukel. Zu einem guten Glas Wein lassen wir unseren Blick langsam über die grüne Wiese auf die im Dunst kaum erkennbaren Berge am Horziont schweifen, schliessen die Augen und stellen uns vor, wie die Erde um ihre eigene Achse rotiert – irgendwo – immer und immer wieder.

Seit 7. März 2005 im Handel.

Anspieltipps: Untrue, Hollow Hope, The World Will Match Your Pain, Mr. Faith, The Big One
similar artists: The Cranberries

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Bio:
Tara Angell ist mit den Platten von Neil Young und den '70s Rock'N'Roll-Bands "Deep Purple" und "Creedence Clearwater Revival" aufgewachsen und durch sie geprägt worden. Sie studierte an der Jazzschule und arbeitete hinter den Bars von Konzertclubs in New York, bis sie selbst zur Gitarre griff und ihr erstes Album vollkommen selber finanziert hat, ohne zu wissen, ob sie überhaupt einen Plattenvertrag erhalten w¨rde. Produziert wurde "Come Down" von Joseph Arthur, der sogar selber Hand anlegt an Bass und Keyboard. Ein starkes Debüt, dem hoffentlich Weiteres folgen wird!


Diskographie:
> Come Down (2005)

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