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Melissa Mars – La Reine Des Abeilles (2005) (France/Universal Music)

Melissa Mars – La Reine Des Abeilles (2005) (France/Universal Music)

Erstellt am: 01.04.2005
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Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Allgemein

Kinderpyjama-Schmetterling

Mit "La Reine Des Abeilles" präsentiert Melissa Mars ihr zweites Album nach "Et Alors". Es ist der Versuch, die Wesen von Bad-Girl, Femme-Fatale und Fee zu vereinen – die Suche nach einer Identität mit mässigem Erfolg.

Irgendwo habe ich über diese Platte gelesen, es seien "Popnummern in Mischung mit unschuldig-laszivem Lolitacharme", was wohl so viel bedeutet wie: Hübsche Rotzgöre, die gerne ein wenig provoziert, jedoch keine Ahnung von Musik hat. So weit würde ich nicht gehen, obwohl man bereits mit dem ersten Song mit einem "I Hate You" begrüsst wird. Doch Melissa Mars hasst nicht nur uns, sondern eigentlich so ziemlich alles: Das Rauchen, ihren Körper, glücklich zu sein und sie sieht deshalb rot. Aber, und darüber sind wir alle sehr froh, sie hasst nur aus Spass – uffhh, Glück gehabt!
Melissa hatte keine einfache Kindheit. Sie wuchs ohne Geschwister alleine bei ihrer Mutter (heute ihre Managerin) auf, ihr Vater war "absent" (wahrscheinlich abgehauen), so dass Melissa oft alleine und einsam war. Kein Wunder also, dass Themen wie Einsamkeit, Hass, Liebe, Lust, Gefühle und Sexualität ihre Songs bestimmen. Sie benutzt die Musik, um ihre Vergangenheit zu bewältigen und ihre eigene Identität zu finden. Sie erzählt Geschichten, die bereits einen Lauf genommen haben, am Ende jedoch eine entscheidende Wendung in die Gegenrichtung erfahren. Aus Glück wird Trauer, aus Schmerz Hoffnung. Geschichten aus ihrem eigenen Leben, die zum Teil eine sehr persönliche Note beinhalten. Dies klingt alles recht viel spannender, als es eigentlich ist – leider. Die mit Elementen aus Folk, Pop, Rock und Elektro untermalten Songs können nie eine Verbindung zu ihrem Inhalt herstellen und bleiben ein Gemenge, das den Zuhörer nicht zu berühren vermag. Überspitzte Gegensätzlichkeiten verhindern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Themen und verleihen der Platte eine übertrieben kindisch anmutende Verspieltheit – was auch auf die zu fröhlich-unschuldige Stimme von Melissa Mars zurückzuführen ist, die mit der Zeit auf die Nerven gehen kann. Stellenweise erinnert Melissa Mars etwas an Björk, wobei ein Vergleich klar zu ihren Ungunsten ausfallen würde, da man mit einer Poprhythmen-Kinderpyjama-Schmetterlings-Metamorphosen-Revolution gegen Björk ohne jede Chance bleibt.
Leider kann ich keinen Tipp geben, wie man diese Platte am besten oder schönsten erleben könnte – vor dem Einschlafen habe ich mich nicht getraut – und während dem Schreiben einer Rezension ist auch nicht besonders empfehlenswert. Vorschläge sind also erlaubt – ich werde die Platte solange auf die Seite legen (- womit das Wackeln unseres Küchentisches endlich ein Ende hat…).
Kleine Anmerkung: Die europäische Raumfahrtorganisation ESA hat vor einigen Jahren das Projekt "Melissa" lanciert, um das Problem der Nahrungsknappheit auf allfälligen Marsmissionen zu lösen. Mit Hilfe von "Melissa" werden die Fäkalien und der Urin der Board-Crew wieder verwendet, indem diese in vier Biokammern mithilfe von Bakterien in Nährstoffe rückverwandelt werden – soll scheinbar tatsächlich funktionieren! (McDonald’s prüft jetzt die Einführung eines McMelissa…) Ob Melissa Mars dieses Projekt der ESA kennt oder finanziell unterstützt, ist nicht bekannt.

Seit 28. Februar 2005 im Handel.

Anspieltipps: And I Hate You, Les P’tits Cons, Il Pleut Sur L’Oreiller, Le Chat De Goutiere
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Bio:

Melissa Mars kommt in Marseille zur Welt. Ihr Geburtsjahr sowie ihr Nachname sind gut gehütete Geheimnisse. Oft alleine, wächst sie als Einzelkind bei Ihrer Mutter auf und besucht mit 13 Jahren Theaterkurse und nimmt später Gesangsstunden. Unter dem Pseudonym Melissa Maylee veröffentlicht sie 2000 die Single "Qu’Elles Aillent Se Faire Voir". 2003 erscheint ihr erstes Album "Et Alors!" unter dem Namen Melissa Mars und schliesslich 2005 ihr zweites Album "La Reine Des Abeilles".


Diskographie (Auswahl):
⇒ Et Alors (2003)
⇒ La Reine Des Abeilles (2005)

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