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Madrugada – The Deep End (2005) (EMI Music Norway/EMI Music)

Madrugada – The Deep End (2005) (EMI Music Norway/EMI Music)

Erstellt am: 01.04.2005
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Erstellt am: 01.04.2005   Autor:

Allgemein

Die Welt vom hohen Norden aus erobern…

Madrugada – tönt irgendwie nach Süden, Ferien, Sangria und Bikinis, ist jedoch bester Sad-Rock, der zwar aus der eher ungemütlich kühlen Region oberhalb des Polarkreises stammt, jedoch trotzdem sehr viel Wärme versprüht.

Tatsächlich hat der kurrlige Bandname etwas Spanisches: Madrugada wird dort die schöne Stunde kurz vor Sonnenaufgang genannt und etwa dieser Stimmung entsprechend klingt die Musik der Nordländer. Ruhig, melancholisch und leicht bedrückend, jedoch immer hoffnungsvoll. (Schliesslich geht die Sonne bald auf und der hektische Tag darf beginnen, Madrugada geht vorbei und wir können uns auf das Ende der nächsten Nacht freuen.)
Die Norweger Sivert Hoyem (Gesang), Robert Buras (Gitarre) und Frode Jacobsen (Bass) präsentieren uns auf ihrem vierten Album wundervoll traurige Rockmusik mit vielen Blueselementen. Jacobsen sagt sogar, dass der Blues bzw. die Liebe zum Blues die Band verbindet, da jedes Mitglied seine eigenen Vorlieben hat. Und genau diese Mischung aus verschiedenen Vorlieben mit dem gemeinsamen Nenner Blues macht wohl ihren unverwechselbaren Stil aus. Neben Rock- und Blueselementen enthält "The Deep End" auch südländisch anmutende Stücke, was vor allem der klimpernden Gitarre anzurechnen ist.
Die CD klingt sehr erwachsen, man merkt, dass die Band seit ihrer Gründung vor zehn Jahren ihren eigenen Stil entwickelt hat, was auch an europaweit durchgehend positiven Kritiken nachzulesen ist. Die Musik eignet sich wohl nicht, um Zehntausende in ein Fussballstadion zu pressen; in kleinen, persönlichen Clubs fühlt sich die Band wohler und kann auch eher die Finessen ihrer Stücke zur Geltung bringen.
In Los Angeles wurde die Platte innert zwei Monaten mit dem bekannten Produzenten George Drakoulias (Tom Petty, Primal Scream, The black crows) und dem Mixer Dave Bianco (U2, Johnny Cash, Mick Jagger) aufgenommen. Der Titel "The Deep End" soll nach Sänger Hoyen das Gefühl beschreiben, die Kontrolle zu verlieren – jeder soll sich jedoch seinen eigenen Reim darauf machen dürfen.
Jedenfalls hört man hier sehr angenehme, abwechslungsreiche, gute Rockmusik, deren Gitarrenspiel ich mir live ziemlich rockig vorstellen kann. Der in der Schweiz noch nicht allzu bekannten Band traue ich einiges an Erfolg zu, denn Erfahrung, ganz gute Lieder und Melodien sowie Rockstarpotential ist zur Genüge vorhanden. Persönlich fände ich es schade, wenn ihre Lieder im Radio, auf schlechten Fernsehsendern und in sämtlichen Hitparaden gespielt würden, da dadurch ihr Reiz als Insider-Tipp verloren ginge. Ganz empfehlenswertes Album für den gebildeten, geniessenden und zurückhaltenden Rockmusikhörer.

Seit 21. März 2005 im Handel.

Anspieltipps: The Kids Are On High Street, On Your Side, Subterranean Sunlight
similar artists: R.E.M.

⇒ Hören und Kaufen ⇒ Offizielle Seite ⇒ Label ⇒ CH-Vertrieb

Bio:

Die Band spielt seit 1995 in der heutigen Besetzung. Sie konzentrierten sich vorerst nur auf die Musik und suchten nicht sofort nach einem dicken Platten-Deal. Im Sommer 1998 wurden sie von Virgin Norway gleich für vier Alben verpflichtet. In ihrem Heimatland feierten sie schon beachtliche Erfolge: zwei Mal Platinstatus für ihre tieftraurigen Platten und etliche durchwegs ausverkaufte Konzerte. Weltweit wurden von ihren ersten drei Werken bereits über 400’000 Exemplare verkauft. "The deep end" wird wohl nahtlos an den Erfolg der Vorgänger anschliessen und die Band aus Nordland weiterhin mit Lob und Ruhm belohnen.


Diskographie:
⇒ Industrial Silence (2000)
⇒ The Nightly Disease (2001)
⇒ Grit (2002)
⇒ The Deep End (2005)

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